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Mobilfunk Drei Etablierte, ein Angreifer – Wie die 5G-Auktion die Telekombranche verändern wird

Deutschland stellt die Weichen für die Netze der Zukunft. Vier Unternehmen nehmen an der 5G-Auktion teil. Mit dabei ist ein neuer Player: United Internet.
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Ein genauer Termin für die Auktion steht noch nicht fest. Quelle: imago/Science Photo Library
5G-Netz

Ein genauer Termin für die Auktion steht noch nicht fest.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Berlin, DüsseldorfAn der Auktion der neuen Mobilfunkfrequenzen wollen sich vier Unternehmen beteiligen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Bundesnetzagentur. Danach gehört neben der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica auch United Internet zu den Bietern für die begehrten 5G-Frequenzen.

Die Antragsfrist auf Zulassung zur Auktion endete am Freitag um 15 Uhr. „Wir beabsichtigen die Entscheidung über die Zulassung zügig zu treffen“, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage des Handelsblatts.

United Internet hatte seine Teilnahme bereits am Donnerstag bekannt gegeben. Ziel sei es, „eine erfolgreiche und dauerhafte Positionierung der 1&1-Drillisch-Gruppe als vierter Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland zu schaffen“, hatte das Unternehmen mitgeteilt.

Zur Vergabe stehen Frequenzen im kurzwelligen Spektrum (zwei Gigahertz sowie 3,4 bis 3,7 Gigahertz). Sie eignen sich besonders für die neue Mobilfunkgeneration 5G, das Echtzeit-Mobilfunknetz. Der Standard soll mehr als 100 Mal so hohe Datengeschwindigkeiten ermöglichen und mit weit höheren Kapazitäten versehen sein als der aktuell beste Standard 4G (LTE). Mit ihm sollen vor allem Anwendungen im Bereich der Industrie 4.0 weit besser möglich sein als bisher und dem Internet der Dinge zum Durchbruch verhelfen.

Die Auktion

Noch für das Frühjahr hat die Bundesnetzagentur das Bieterverfahren angekündigt. Die Frequenzversteigerung für den neuen Mobilfunkstandard 5G wird in der zweiten Märzhälfte beginnen. Dies teilte die Bundesnetzagentur am Freitag kurz nach Ende der Bewerbungsfrist für die Auktion mit. Die Auktion dürfte im Gebäude der Behörde in Mainz stattfinden. Der schmucklose Bau, den Mitarbeiter auch „den Bunker“ nennen, waren schon im Sommer des Jahres 2000 die Frequenzen für den UMTS-Mobilfunk für sagenhafte 50,8 Milliarden Euro versteigert worden.

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So viel Geld dürfte in diesem Jahr nicht fließen. Das Bundesfinanzministerium rechnet mit Einnahmen von bis zu fünf Milliarden Euro für die Staatskasse. Wie viel Geld letztlich für die Frequenzen gezahlt werden, hängt letztlich aber auch von den Firmen ab, die sich am Verfahren beteiligen.

Die bekannten Spieler

Die drei etablierten Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica bieten erwartungsgemäß mit, da sie es sich nicht leisten können, auf das wichtige Spektrum zu verzichten. Denn fehlt ihnen den Zugang zu wichtigen Frequenzen, wird das ihre Stellung auf dem Mobilfunkmarkt über Jahre beschädigen.

Telefónica kündigte bereits am Donnerstag an, mitbieten zu wollen. „Wir wollen im Interesse unserer Kunden, der Aktionäre sowie der Gesellschaft unseren Beitrag zum Ausbau der digitalen Infrastruktur leisten“, sagte Deutschlandchef Markus Haas laut Mitteilung.

Geht es nach den Chefs von Telekom, Vodafone und Telefónica, dann sollten die Erlöse aus der Versteigerung möglichst gering ausfallen. Telekom-CEO Höttges hatte gesagt: „Wir können jeden Euro nur ein Mal ausgeben.“ Je mehr Geld bei der Auktion gezahlt werden müsste, desto weniger Geld stünde später für den Ausbau des Netzes zur Verfügung.

Der Angreifer

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth könnte das Verfahren entscheidend beeinflussen. Am Donnerstag hat die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch angekündigt bei der anstehende 5G-Auktion mitzubieten. „Nun wollen wir die Grundlage schaffen, um als vierter Netzbetreiber im Mobilfunkmarkt dazu beizutragen, dass es Deutschland gelingt, 5G-Leitmarkt zu werden“, kündigte Dommermuth an. Über die Tochterfirma 1&1 Drillisch soll für die Frequenzen geboten werden. Dabei sei bereits ein Kreditrahmen mit einem europäischen Bankenkonsortium in Höhe von 2,8 Milliarden Euro vereinbart worden.

„Und da wollen wir natürlich unsere Chancen aktiv nutzen“, hatte er vergangenen Herbst im Interview mit dem Handelsblatt gesagt. Mit Dommermuths Einstieg dürfte eine Bieterschlacht entstehen, was die Preise nach oben treiben könnte. Denn jedes Unternehmen könnte Sorge haben, nicht genug vom zur Verfügung stehenden Spektrum abzubekommen.

Die Kosten

Der Ausbau von 5G wird sehr teuer werden. Denn die Unternehmen müssen nicht nur Geld in der Frequenzauktion bezahlen. Sie müssen außerdem ihre bestehenden Netze für die neue Technik aufrüsten. Dabei reicht es nicht, neue Komponenten an die bestehenden Antennen zu schreiben. Für viele Anwendungen wird es nötig sein, sehr viele neue Antennen aufzustellen.

Nur dann wird 5G seine volle Leistung entfalten können. Doch das Erschließen neuer Standorte ist sehr teuer. Es sind nicht nur langwierige Genehmigungsverfahren nötig. Eine Antenne muss auch mit Glasfaser angeschlossen werden, damit sie die nötige Bandbreite für 5G erreichen kann. Die Telekom hat bereits mehr als 80 Prozent ihrer Antennen an das Glasfasernetz angeschlossen. Vodafone und Telefónica hängen in diesem Prozess noch weit zurück.

Zudem hat die Telekom als einziger Mobilfunkbetreiber zumindest einen groben Plan für den Ausbau von 5G vorgelegt. „Bis 2025 werden wir 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche mit 5G versorgen“, hatte CEO Höttges im Oktober angekündigt. Dafür will die Telekom viel Geld ausgeben. Die jährlichen Investitionen würden auch auf absehbare Zeit bei 5,5 Milliarden Euro bleiben, hatte Höttges gesagt.

Die Wirtschaft

Von 5G dürfte zunächst vor allem die Industrie profitieren. Der neue Mobilfunkstandard soll nicht nur eine Datenübertragung in Echtzeit, deutlich mehr Kapazität, sondern auch mindestens 100 Mal schneller als die aktuellen 4G-Netze sein. Daher ist die Technik die Basis, um etwa alle Abläufe in einer Fabrik zu vernetzen und Industrieroboter ohne Verzögerung an mehreren Standorten gleichzeitig zentral zu steuern. Viele Unternehmen wollen sich dabei nicht auf Angebote der Netzbetreiber verlassen.

Sie wollen lokale 5G-Netze aufbauen. Diesen Weg sieht die Bundesnetzagentur explizit vor. Die Firmen könnten einen Antrag bei der Behörde stellen und bekommen dann ein Spektrum zugewiesen. Die Vergabe soll nach Ende der Auktion im Frühjahr erfolgen.

Zu den Interessenten gehören einige der größten Dax-Konzerne. Siemens, Volkswagen und BASF wollen lokale Frequenzen beantragen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters ergab.

Die Politik

Die Bundesnetzagentur hat zwar Bedingungen für die Vergabe der Frequenzen aufgestellt. So müssen Netzbetreiber zum Beispiel alle Autobahnen und Bundesstraßen bis zum Ende des Jahres 2022 mit Internetgeschwindigkeiten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgen. Doch das reicht manchen Politikern noch nicht. Sie wollen die Netzbetreiber dazu drängen, in Funklöchern ihre Netze zu Teilen. Das Prinzip heißt lokales Roaming.

Beim Roaming legt sich innerhalb der Regierung Finanzminister Scholz quer. Seine Beteiligungsgesellschaft fürchtet, dass Umsatz und Gewinn bei der Telekom einbrechen könnten, da das lokale Roaming sich technisch nicht vom nationalen Roaming trennen lasse.

Er stellt sich damit gegen die Haltung der SPD-Bundestagsfraktion. Dazu sagt der Wirtschaftspolitiker der Unions-Bundestagsfraktion, Axel Knoerig: „Wenn Minister Scholz die Umsetzung des lokalen Roamings verschleppt, dann blutet der ländliche Raum aus.“

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