Motorola will an die Spitze Rasiermesserscharf

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75 Jahre lang prägte dieser mittelwestliche Provinzialismus Motorola. Die wegen ihrer Ingenieurleistungen hoch angesehene Firma spielte in ihrer Geschichte bei allem mit, was mit Kommunikation zu tun hatte: Radios, Fernseher, Telefone, Halbleiter und Telekommunikationsnetze. Das erste kommerzielle Mobilfunktelefon stammt von Motorola, und An-fang der 90er-Jahre war der Konzern unangefochten Weltmarktführer bei Handys. Aber dann verschlief das Unternehmen den Wandel von analoger zu digitaler Technologie und seine auf Mobilfunk geeichten Ingenieure taten sich schwer, Handys als modisches Accessoire zu begreifen. Eingebaute Kamera? Alles Schnickschnack. Elegantes Design? Braucht man nicht. Logische und eingängige Menüführung? Quatsch.

„Wir waren ziemlich abgekapselt“, gibt Bruce Hawver zu. Er ist Chef der Zubehörsparte – dazu gehören unter anderem Handy-Freisprecheinrichtungen –, und Hawver ist gleichzeitig Motorolas Einpeitscher für drahtlose Kommunikationstechnologien wie mit Bluetooth.

Mitte der 90er-Jahre überholte Nokia die Amerikaner und hängte sie bis zum Ende des Jahrzehnts völlig ab. Mit mehr als 30 Prozent war der Anteil der Finnen am weltweiten Handymarkt schließlich mehr als doppelt so hoch wie der von Motoro-la. Als der US-Konzern 2003 in die Krise rutschte, „war er überall dabei, aber nirgendwo mehr führend“, sagt Brian Modoff, Analyst bei der Deutschen Bank.

„Ich bin zu Motorola gekommen, weil mich die Herausforderung reizte“, sagt Jim Wicks. Der 42-Jährige ist als Chefdesigner für die neuen Handygenerationen von Motorola verantwortlich. Audi-Fahrer Wicks ist groß, schlank und breitschultrig. Seine Kleidung macht keine Konzessionen an die Nadelstreifenkultur des Managements. Er trägt Sportschuhe und ein offenes Hemd über der Jeans. Schon 1999 heuerte er bei Motorola an. Er studierte Industriedesign in den USA und Japan und arbeitete unter anderem für Sony. Für den japanischen Elektronikkonzern baute er das Design Center in San Francisco auf.

Wicks macht den Eindruck eines Mannes, der sich in seiner Haut und seiner Rolle wohl fühlt. Er liebt die klaren Linien seines Audi A6, sagt er, und ist mit Bauhaus-Design wohl vertraut. Aber er sei kein Autofreak und auch keiner, der sich von guten Ideen anderer verführen lässt: „Wir versuchen, unsere Designideen nicht an etwas anzulehnen, was uns woanders gefallen hat.“ Einfachheit, Wertigkeit und Ehrlichkeit seien für ihn die Merkmale guten Designs. „Und ein gewisses Überraschungsmoment“ müsse auch her. Ein Aha-Erlebnis, das Freude bereite. Der unerwartet große Bildschirm des superflachen Razr habe es ebenso in sich wie die Federöffnung des Pebl.

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