Mukesh Ambani Wie der reichste Mann Indiens zum Vodafone-Schreck wird

Mukesh Ambani hat den Mobilfunkmarkt des Landes aufgemischt. Mit seinen neuen Plänen strebt er jetzt die endgültige Branchendominanz an.
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Vor gerade einmal 22 Monate startete der Inder mit der Marke Jio einen neuen Mobilfunkanbieter aus dem Nichts und mischte so die Karten auf dem indischen Mobilfunkmarkt neu. Quelle: Reuters
Mukesh Ambani

Vor gerade einmal 22 Monate startete der Inder mit der Marke Jio einen neuen Mobilfunkanbieter aus dem Nichts und mischte so die Karten auf dem indischen Mobilfunkmarkt neu.

(Foto: Reuters)

BangkokDie Manager der Konkurrenz rennen über die Bühne, sie sprechen ins Headset und lassen auf Großbildleinwänden hinter ihnen eine Effektshow auf das Publikum niederprasseln. Mukesh Ambani, der reichste Inder, hat das nicht nötig.

Wenn der 61-jährige Herrscher über das Konglomerat Reliance Industries redet, liest er hinter einem Pult von einem Teleprompter ab, im Hintergrund läuft eine schlichte Präsentation mit Stichpunkten. Es sieht aus, als würde da ein Politbüromitglied über den kommenden Fünfjahresplan referieren.

Trotzdem hört die Branche zu – und nicht nur die. Manche indischen TV-Sender berichten live, denn wenn der Mehrheitseigentümer und Chef über sein Unternehmen spricht, dann redet er immer auch über den ganzen Subkontinent.

Zumindest für ihn gehört beides längst zusammen: Sein Mobilfunkanbieter Jio, eine Tochter von Reliance Industries, soll Indien ins digitale Zeitalter katapultieren. Dass sich sein Konzern nebenbei langsam zu einem Amazon-Konkurrenten entwickeln könnte, erscheint da nur wie eine Nebensache.

Für den Start seiner jüngsten Initiative hat sich der Unternehmer ein ganz besonders symbolisches Datum ausgesucht, nämlich Indiens Unabhängigkeitstag. Im ganzen Land will er Tausende Kilometer Glasfaserleitungen verlegen. Umgerechnet fast sieben Milliarden Euro investiert sein Unternehmen dafür. „Es ist der größte Ausbau von Breitband-Internet über das Festnetz auf grünem Feld, den es jemals auf der Welt gegeben hat“, versprach er im Vorfeld.

Insgesamt sollen so 1100 Städte mit Internet durch Glasfaserleitungen versorgt werden. Indien werde zukünftig zu den Top fünf der Glasfaser-Nationen gehören, natürlich dank Jio. Derzeit landet das Land erst auf Rang 134.

Schnelles Internet für 50 Millionen Haushalte

Seit Mittwoch dieser Woche können sich die Inder für einen Glasfaseranschluss registrieren. Schon bald will Ambani so rund 50 Millionen Haushalte mit Hochgeschwindigkeit ans Internet bringen. Derzeit gibt es überhaupt erst 18 Millionen Glasfaser-Kunden in Indien. Besonders pikant: Ein Anschluss von Jio kostet nur halb so viel wie der derzeit übliche Marktpreis.

Bei der Konkurrenz klingelte es da in den Ohren. Sie fürchtet nun ein unangenehmes Déjà-vu. In den vergangenen zwei Jahren hat Ambani gezeigt, dass er großspurige Ankündigungen auch umsetzt. Es ist gerade einmal 22 Monate her, da startete der Inder mit der Marke Jio einen neuen Mobilfunkanbieter aus dem Nichts und mischte so die Marktanteile auf dem indischen Mobilfunkmarkt in Windeseile durch. Mit Kampftarifen und einem Billighandy, das er praktisch zum Nulltarif hergab, griffen vor allem ärmere Inder zu – die mit Abstand größte Kundengruppe auf dem Subkontinent.

Die Tarife sanken um rund 95 Prozent. In weniger als zwei Jahren sammelte Jio mehr als 200 Millionen Kunden ein. Mittlerweile hat er seinen Marktanteil auf rund 20 Prozent gesteigert, und Jio wächst deutlich schneller als die Wettbewerber. Ambani ist dabei im Vergleich zu seinen Konkurrenten im Vorteil.

Die Technik des Neueinsteigers ist moderner, zudem konzentrierte sich Jio von Beginn an auf den 4G-Standard, um Kosten zu sparen. Und: Trotz der Rabattschlacht ist Jio profitabel.
Für den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone ist der indische Großindustrielle zum Schreckgespenst geworden.

Die Briten hatten einst große Pläne für den Wachstumsmarkt Indien. Mittlerweile kämpfen sie dort ums Überleben. Nur wenige Wochen nach dem Markteintritt von Jio beschloss Vodafone, durch eine Fusion mit dem lokalen Rivalen Idea Cellular Synergien zu heben.

Nummer zwei und Nummer drei sollen so zu einem neuen Marktführer heranwachsen. Erst vor wenigen Wochen winkten die indischen Aufsichtsbehörden den Deal durch. Doch durch Jios Glasfaser-Offensive hat die frisch geschmiedete Allianz gleich noch an einer weiteren Front zu kämpfen. Denn Vodafone bietet ebenfalls Glasfaser-Anschlüsse an.

Keine Rücksicht auf Familienbande

Auch gegenüber dem eigenen Familienclan nimmt Ambani keine Rücksicht. Vater Dhirubhai Ambani gründete in den 60er-Jahren eine kleine Polyesterfabrik, expandierte aber rasch in weitere Geschäftsfelder. Seine zwei Söhne, Mukesh und Anil, teilten das Imperium nach einem Streit 2006 auf. Der mit 59 Jahren etwas jüngere Anil übernahm das Telekommunikationsgeschäft und die Finanzinstitute des Konglomerats. Mukesh bekam zunächst nur die Öl- und Gassparte.

Doch Mukesh erweist sich als der Erfolgreichere der beiden. Seinen jüngeren Bruder hat er gedemütigt. Auch Mukesh wollte einst die Telekommunikationssparte aus dem ursprünglichen Konzern übernehmen, ging aber leer aus. Also gründete Mukesh später mit Jio sein eigenes Mobilfunkgeschäft und machte Anil erfolgreich Konkurrenz. Reliance Communications, die ursprüngliche Telekommunikationssparte des Konzerns, ist kurz vor der Pleite. Bruder Anil verkauft sie derzeit schrittweise – unter anderem auch an Mukeshs Jio.

Im Vergleich zu seinem flamboyanten Bruder Anil gilt Mukesh als der akribischere Arbeiter. Mit seinem Vermögen prahlt aber auch Mukesh, und das Vermögen ist groß. Ihm gehört fast die Hälfte des Konzerns. Laut dem US-Magazin „Forbes“ ist Ambani mit rund 50 Milliarden US-Dollar auf Platz 19 der reichsten Menschen der Welt.

Im Herzen der Finanzmetropole Mumbai hat er für sich und seine Familie einen rund zwei Milliarden US-Dollar teuren Wolkenkratzer errichten lassen. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern bewohnt er die oberen vier Etagen. Das Personal, mehrere Hundert Menschen, ist in den unteren Stockwerken untergebracht. Sein deutlich bescheidener lebender indischer Milliardärs-Kollege Ratan Tata lästerte einmal, wegen solcher Protzbauten würden Revolutionen ausbrechen.

Doch die Gigantomanie zeigt sich nicht nur beim Eigenheimbau des Milliardärs, sondern eben auch im Geschäftsleben. Jio soll langfristig nicht nur Kommunikationsanbieter sein, sondern mit den anderen Sparten des Konglomerats künftig stärker kooperieren, beispielsweise mit Reliance Retail, dem mit mehr als 3.500 Filialen größten indischen Einzelhändler.

Mithilfe von Jio soll der Konzern zu einer digitalen Plattform für Handel und Unterhaltung werden – ähnlich wie der US-Konzern Amazon. Von Beobachtern bekommt Ambani dafür viel Lob. „Was Reliance betrifft, müssen wir unseren Horizont erweitern“, schwärmte jüngst Analyst Nitin Tiwari. „Sie sind in einer echten Transformation.“

Die Hunderte Millionen Jio-Nutzer sind für Ambani die Grundlage für den weiteren Erfolg. Die Kundenbasis soll dabei auch im Mobilfunk weiter wachsen. Erst am Donnerstag kam das JioPhone2 auf den Markt, das zweite Billighandy von Jio für die große Masse.

Für umgerechnet 40 Euro bekommt der Kunde eine Mischung aus altem Handy und Smartphone, dazu einen extra günstigen Datentarif. 100 Millionen Geräte will Ambani in den kommenden Monaten unter das Volk bringen. Die erste Tranche war innerhalb von 40 Minuten ausverkauft.

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