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Musikgeschäft Vivendi will Teil des Universal-Schatzes verkaufen

Eigentümer Vincent Bolloré plant einen Teilverkauf, um weiter expandieren zu können. Die Schwierigkeiten des vergangenen Jahres scheinen überwunden.
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Universal hat zahlreiche Megastars unter Vertrag. Quelle: imago/China Foto Press
Taylor Swift

Universal hat zahlreiche Megastars unter Vertrag.

(Foto: imago/China Foto Press)

ParisVivendi-Großaktionär Vincent Bolloré und sein Sohn Yannick erweisen sich wieder mal als Stehaufmännchen. Kaum verlieren sie die Kontrolle über Telecom Italia, geben sie einen Teilverkauf der Universal Music Group (UMG) und den Erwerb eines Buchverlags bekannt. Die Börse reagiert begeistert: Um mehr als fünf Prozent legten die Vivendi-Titel am Donnerstagmorgen zu.

Yannick Bolloré hat im April von seinem Vater die Führung des Konzerns übernommen. Gegen den Manager ermittelt die Justiz wegen Korruption in Afrika. Der Plan des Juniors sieht nun vor: Bis zu 50 Prozent des Universal-Kapitals sollen an einen oder mehrere strategische Partner abgegeben werden. „Jeder mögliche Partner muss akzeptieren, dass wir die Führung haben“, benennt ein Sprecher die Konditionen des Deals.

Das Geschäft des Musiklabels hat sich zuletzt gut entwickelt: Der Umsatz ist im ersten Halbjahr um 6,8 Prozent zum Vorjahr gestiegen und erreichte 2,6 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte um fast ein Viertel auf 355 Millionen Euro. Das ist mehr als die Hälfte des gesamten Gewinns von Vivendi, zu dem auch der Bezahlsender Canal+ sowie das Werbe- und PR-Unternehmen Havas gehören.

Angesichts dieser Zahlen wird man bei Vivendi fast lyrisch: „Universal ist und bleibt im Herzen unserer Strategie.“ Das Musiklabel ist das größte der Welt und in den vergangenen Jahren durch eine schwierige Phase gegangen. Der Markt für Produkte wie CDs brach ein, viele Nutzer luden Musik illegal aus dem Netz herunter. Der Umsatz von Universal schmolz beängstigend rasch dahin.

Die Schwäche ist allerdings überwunden. Bezahltes Streaming hat illegales Herunterladen von Musik verdrängt. Zwar hält der Umbruch noch an: So waren auch im ersten Halbjahr die Rückgänge im Geschäft mit physischen Tonträgern zweistellig. Doch dafür wachsen die Umsätze mit Streaming kräftig, im ersten Halbjahr um mehr als 34 Prozent. Universal ist mit mehr als 400 Plattformen wie Spotify weltweit im Geschäft, die Künstler von UMG – per Abonnement oder gratis mit Werbeeinblendungen – an die Kunden weiterleiten.

Treue Kunden

Das Streaming hat den großen Labels ihre Schlüsselstellung zurückgegeben, die sie im Zuge des Niedergangs der CD verloren hatten. Keine Plattform kommt ohne das Angebot der Musikkonzerne aus, die 80 Prozent der eingespielten Musik kontrollieren. Deren Kataloge sind oft schon längst amortisiert. Die Kunden sind vergleichsweise treu: Wer einmal seine Playlist bei einem Anbieter erstellt hat, möchte nicht mehr darauf verzichten und zahlt die Gebühren.

Mit welchen konkreten Modellen Universal seine Einnahmen aus dem Streaming generiert, verrät der Mutterkonzern Vivendi nicht. Die Bedingungen seien von Plattform zu Plattform zu unterschiedlich, heißt es nur. Nur so viel ist klar: Streaming ist die wichtigste Erlös-Säule.

Universal hat eine starke Position, was die unter Vertrag stehenden Künstler angeht. Laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen gehören acht der zehn in den USA erfolgreichsten Künstler zu UMG. Vor wenigen Tagen haben beispielsweise Universal und die Rolling Stones einen neuen Vertrag abgeschlossen, der die Band als Gesamtkunstwerk der Vivendi-Tochter sichert: Die Vereinbarung enthält den gesamten Katalog aller aufgenommenen Stones-Titel und sämtliches audiovisuelles Material, ihre Archive, das weltweite Merchandising und die Führung sämtlicher Marken der Gruppe.

UMG ist mit Blick auf die Börse zu einem wichtigen Treiber von Vivendi geworden. Eine völlige Abtrennung des Musikgeschäfts kommt für die Franzosen daher nicht infrage – den in Universal gebundenen Wert wollen sie teilweise heben.

Ein Teilverkauf würde einen Milliardenerlös bringen: Die Bewertung von UMG durch Analysten variiert zwischen zwölf und 43 Milliarden Euro. Die Milliardeneinnahmen sollen Vivendi helfen, stärker zu einem Unternehmen zu werden, das Inhalte schafft und sie auf unterschiedlichen Wegen verwertet.

Yannick Bolloré baut das Firmenportfolio weiter um: Gleichzeitig mit der Absicht des Teilverkaufs von UMG gab das Unternehmen in Paris bekannt, dass es in exklusiven Verhandlungen mit der spanischen Planeta-Gruppe steht, um das Verlagshaus Editis zu übernehmen. Zu Editis gehören Verlage wie Nathan, Bordas, Robert Laffont, Presses de la Cité, Julliard, XO, Plon sowie einige der erfolgreichsten französischen Autoren.

Ziel von Vivendi ist es, die in Romanen oder Kinderbüchern enthaltenen Figuren und Plots für Filme oder Videospiele zu nutzen. Mit Gameloft hat der Konzern einen führenden Anbieter von Spielen für mobile Geräte unter dem eigenen Dach. Die Übernahme von Ubisoft scheiterte. Doch die akkumulierten Aktien konnte Vivendi mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro verkaufen.

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