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Jan Koum

Zwischen Facebook und Koum soll es Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit den persönlichen Daten der WhatsApp-Nutzer gegeben haben.

(Foto: AP)

Nach Datenskandal WhatsApp-Gründer Jan Koum verlässt Facebook

Wenige Wochen nach Bekanntwerden des Skandals um Cambridge Analytica verlässt der WhatsApp-Mitgründer den Mutterkonzern. Er will nun seltene Porsche sammeln.
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San FranciscoDiese Woche wollte Mark Zuckerberg den Neuanfang für Facebook zelebrieren, bei der großen Entwicklerkonferenz, die am Dienstag in San José beginnt. Nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica, der das soziale Netzwerk seit Mitte März plagt, wollte der Facebook-Chef endlich wieder über die Zukunft sprechen.

Doch nun holte das Netzwerk offenbar die Vergangenheit wieder ein. Jan Koum, Co-Gründer von WhatsApp, der mit 1,5 Milliarden Nutzern weltweit größten Messaging-App, verkündet seinen Abschied aus dem blauen Imperium. „Es ist Zeit für mich etwas Neues anzufangen“, ließ Koum per Facebook-Post wissen.

Zu viele Versprechen gebrochen? WhatsApp-Gründer verlässt Facebook

Er will sich in einer Auszeit nun Dingen außerhalb der Technologie-Branche widmen, „zum Beispiel seltene luftgekühlte Porsche-Autos sammeln“, an seinen Autos arbeiten und Frisbee spielen. Zu den Gründen seiner Entscheidung äußerte sich der 42-Jährige nicht.

Wie die „Washington Post“ unter Berufung auf informierte Kreise im Unternehmen berichtet, steckt dahinter jedoch offenbar ein Streit über die Strategie des Dienstes. Zwischen Facebook und Koum habe es Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit den persönlichen Daten der WhatsApp-Nutzer gegeben, berichtet die Zeitung.

So soll Facebook versucht haben, die Verschlüsselung des Dienstes aufzuweichen. Aus dem Aufsichtsrat von Facebook will Koum offenbar ebenfalls ausscheiden, das bestätigte auch der stets gut informierte US-Tech-Blog Recode.

Als Zuckerberg WhatsApp im Februar 2014 für eine Summe in Höhe von 19 Milliarden Dollar kaufte, versprachen Koum und Co-Gründer Brian Acton, die Informationen ihrer Nutzer würden nicht an Facebook weitergegeben. „WhatsApp wird unabhängig bleiben und selbstständig agieren“, schrieb das Unternehmer-Duo in einem Post zur Übernahme.

Doch so blieb es nicht, das datenhungrige Facebook zwang WhatsApp, die Privatsphäre-Einstellungen zu ändern. 18 Monate nach der Übernahme verkündete der Dienst, nun doch Telefondaten und Informationen zur Aktivität der Mitglieder an den Mutterkonzern weiterzugeben.

Im Mai 2017 verdonnerte die EU Facebook zu einer Strafe in Höhe von 110 Millionen Euro wegen „irreführender Angaben“. In Europa wurde der Datenaustausch ausgesetzt. Mitte März einigte sich Facebook mit dem britischen „Information Commissioner’s Office“ darauf, nur grundlegende Informationen für die Datenverarbeitung weiterzureichen und jeden weiteren Austausch auszusetzen, bis die neue europäische Datenschutzrichtlinie in Kraft tritt.

Laut „Washington Post“ herrschte zudem auch Streit darüber, wie Geld mit WhatsApp zu verdienen sei. Koum habe ein werbefinanziertes Modell abgelehnt, so die Zeitung. Facebook hingegen hat das Abo-Modell abgelehnt, bei dem die Nutzer 89 Cent im Jahr für den Service zahlten. 2016 fiel die Gebühr weg. Stattdessen sollten Unternehmen dafür bezahlen, WhatsApp zur Kommunikation mit Kunden zu nutzen. Im Januar stellte Facebook dazu die neue Funktion WhatsApp Business vor.

Innerhalb von WhatsApp wuchs zuletzt offenbar der Frust über den Kurs von Facebook. Co-Gründer Acton avancierte bereits zum öffentlichen Kritiker von Zuckerberg. Der Entwickler, der den Konzern vergangenen September verlassen hatte, forderte Nutzer nach den Enthüllungen um die britische Datenfirma Cambridge Analytica bei Twitter unter #DeleteFacebook dazu auf, ihren Account im Netzwerk zu löschen.

„Ich werde es vermissen, so eng mit Dir zusammen zu arbeiten”, kommentierte Zuckerberg den Abschiedspost von Koum. Er sei dankbar für alles, was er von dem gebürtigen Ukrainer gelernt habe, darunter Verschlüsselung. Zu möglichen Änderungen im Aufsichtsrat äußerte sich das soziale Netzwerk zunächst nicht.

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