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Nachhaltigkeit L’Oréal will noch grüner werden

Der französische Kosmetikkonzern startet eine neue Initiative und formuliert ökologische Ziele bis zum Jahr 2030. Eine Frage des Überlebens, wie L’Oréal findet.
25.06.2020 - 10:00 Uhr Kommentieren
Der Kosmetikriese will sich nachhaltiger aufstellen. Quelle: Reuters
L'Oreal in Paris

Der Kosmetikriese will sich nachhaltiger aufstellen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die Revolution findet in vielen kleinen Schritten statt. Einer davon ist die papierbasierte Kosmetiktube, auf die der französische Kosmetikkonzern L’Oréal setzt. Eine Verpackungsinnovation, die den umweltschädlichen Plastikmüll eindämmen soll. Zusammen mit anderen Unternehmen experimentieren die Franzosen im Rahmen der Initiative „Paper Bottle Community“ mit neuen Verpackungsmethoden. Noch ist es Zukunftsmusik – die Markteinführung ist ab 2021 geplant. Dies ist nur einer von vielen kleinen Schritten auf dem Weg zu einer grüneren Welt.

Am Donnerstag hat der Kosmetikkonzern, zu dem Marken wie Garnier, Biotherm und Vichy gehören, in Paris eine umfangreiche Nachhaltigkeitsstrategie verkündet. Die Ziele unter dem Namen „L’Oréal for the Future“ reichen bis zum Jahr 2030 und beziehen sich auf das eigene Geschäft, auf das wirtschaftliche Ökosystem sowie auf die Gesellschaft.

Damit verleihen die französischen Manager dem Thema Nachhaltigkeit intern eine deutliche Aufwertung: Grünes Denken und Handeln soll künftig einen ähnlich hohen Stellenwert in dem 30-Milliarden-Euro-Konzern haben wie die Digitalisierung.

Alexandra Palt, Chief Corporate Responsibility Officer von L’Oréal, ist verantwortlich für die neue Nachhaltigkeitsoffensive des Konzerns, in dem rund 86.000 Beschäftigte arbeiten. An diesem Dienstagmorgen sitzt sie im Auto und lässt sich durch Paris fahren, vor sich hat sie ein Notebook, um an dem Video-Call teilzunehmen. Die Managerin lässt sich Zeit für das Interview, schließlich geht es um eine Initiative, wie sie nur höchst selten gestartet wird.

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    „Wir setzen uns sehr ehrgeizige und sehr ambitionierte Ziele“, sagt Palt. Das, was in den nächsten Jahren komme, werde „das Unternehmen grundlegend verändern, es wird jeden einzelnen Beruf verändern“, sagt sie. Egal ob Marketingleiter, Forscher oder Finanzexperte – jeder einzelne Mitarbeiter werde durch die nachhaltigere Art zu arbeiten in seinem Bereich beeinflusst.

    Corona hat das Bewusstsein geschärft

    Zum einen geht es um das Unternehmen L’Oréal selbst: Bis 2025 sollen alle Standorte klimaneutral sein, bis 2030 sollen 100 Prozent der Kunststoffe in den Produktverpackungen entweder aus recycelten oder aus biobasierten Quellen stammen. Und ebenfalls bis 2030 will L’Oréal seine gesamten Treibhausgasemissionen pro Produkt um 50 Prozent gegenüber 2016 verringern.

    Zahlen über Zahlen: Das Thema Nachhaltigkeit setzt sich aus Hunderten Bausteinen zusammen. Der Konzern hat die Vorgaben so definiert, dass das Unternehmen am Ende die planetarischen Grenzen einhalten kann. Unter planetarischen Grenzen versteht man Limits, die nicht überschritten werden dürfen – falls dies doch geschieht, schädigt dies die Erde. Die Gruppe hat dafür neue, messbare Ziele für das Jahr 2030 definiert. Sie fußen auf Erkenntnissen der „Science Based Targets“, um den Klimawandel zu bekämpfen.

    Neben dem Thema Klima befasst sich das Unternehmen in der Initiative mit drei weiteren Umweltaspekten: mit der Erhaltung der Biodiversität, mit nachhaltigem Wassermanagement und mit der Kreislaufwirtschaft.

    Die Coronakrise, die zu einem zeitweisen Herunterfahren der Wirtschaft geführt hat und die viele Menschen in existenzielle Nöte gebracht hat und noch weiterhin bringt, hat nach Ansicht von Palt das Thema Nachhaltigkeit eher gestärkt als verdrängt. „Corona hat das Bewusstsein der Menschen geschärft, dass etwas getan werden muss“, meint sie. Kein Unternehmen könne es sich mehr leisten, in dieser Sache untätig zu bleiben. „Solche Unternehmen werden nicht überleben. Wir alle werden dann nicht überleben.“

    Auch andere Konsumgüterhersteller wissen längst um die Bedeutung des grünen Gewissens. Auch der Düsseldorfer Dax-Konzern Henkel, der jährlich gut 20 Milliarden Euro umsetzt, verfolgt diese Strategie. „Nachhaltigkeit wird in allen unseren Geschäftsaktivitäten verankert. Sie wird zu einer zentralen Säule unserer Innovationsstrategie“, sagte Carsten Knobel, Vorstandsvorsitzender von Henkel, im Juni auf der jüngsten Hauptversammlung des Unternehmens. Nachhaltigkeit wird zur Chefsache.

    L’Oréal will mit der neuen grünen Initiative sein gesamtes geschäftliches Ökosystem – also Kunden, Lieferanten und Verbraucher – in seine Veränderung miteinbeziehen. Das Unternehmen hat eine Methodik zur Kennzeichnung der ökologischen und sozialen Konsequenzen von Produkten entwickelt. In einem Umweltprofil, das in einigen Jahren auf allen Produkten abgebildet sein soll, wird die ökologische Bilanz des Produkts auf einer Skala von A bis E abgebildet. Ein „A“-Produkt hat dabei das beste Umweltprofil. Vorreiter dieser neuen Kennzeichnung ist die Marke Garnier mit ihren Haarpflegeprodukten, die in Frankreich verkauft werden. Andere Marken und Produktgattungen würden zügig folgen, kündigt Vorständin Palt an.

    Die Managerin räumt allerdings ein, dass die neue Kennzeichnung ihres Hauses noch lange kein Branchenstandard ist. „Ich fürchte, dass die Kosmetikbranche von einem Industriestandard noch weit entfernt ist“, sagt sie. Einen solchen Standard fordern Branchenkenner seit Langem.

    Nach einer aktuellen Studie des Branchenverbands VKE fällt es vielen Konsumenten schwer zu sagen, welche Informationen wirklich Auskunft über Nachhaltigkeit geben. Jeder zweite Befragte in der VKE-Studie versteht nicht, worauf bei der Auswahl nachhaltiger Produkte zu achten ist. Denn klar ist auch: Verbraucher werden immer kritischer und fordern harte Nachhaltigkeitsfakten – und kein diffuses Bauchgefühl.

    Nicht alle Ziele aus dem Jahr 2013 wurden erreicht

    In einem dritten Teil will sich L’Oréal in der neuen Nachhaltigkeitsstrategie seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellen: Bereits im Mai 2020 hatte der Konzern angekündigt, dass er Finanzmittel in Höhe von 150 Millionen Euro für soziale und ökologische Probleme bereitstellen wird. 50 Millionen Euro dieser Summe gehen beispielsweise an Projekte, die sich der Wiederherstellung geschädigter Meeres- und Waldökosysteme widmen. Weitere 50 Millionen Euro will L’Oréal in Projekte zur Kreislaufwirtschaft investieren.

    Bereits 2013 hat das französische Unternehmen ein Nachhaltigkeitsprogramm mit dem Namen „Sharing Beauty With All“ gestartet. Damals hatte es Ziele definiert, die bis ins Jahr 2020 reichten. Doch nicht alle Ziele konnten erreicht werden. „Die Ziele 2013 waren so ehrgeizig, dass wir nicht alle zu hundert Prozent erreichen konnten“, sagt Palt. Einige Ziele waren schnell erreicht, beispielsweise die Reduzierung der CO2-Werte. „Dieses Ziel haben wir übererfüllt.“

    Doch an anderen Stellen hakte es. „Beim Thema Müllvermeidung haben wir uns das falsche Ziel gesetzt“, sagt die Österreicherin selbstkritisch. Um 60 Prozent habe man den Abfall an den Standorten verringern wollen, geschafft habe man allerdings nur etwa 40 Prozent. Eine weitere Reduktion sei nicht mehr machbar. Statt weiter den Müll zu reduzieren, setzt L’Oréal nun auf die Kreislaufwirtschaft. „98 Prozent der Abfallstoffe sind wiederverwertbar – das ist das Resultat, das für uns heute wichtig ist.“

    Auch die Anfertigung eines Umweltprofils auf den Produkten, das den Konsumenten eine Orientierung bieten soll, war 2013 als Zielformuliert worden – konnte aber nicht erreicht werden. „Das war viel schwerer, als wir gedacht haben“, sagt Palt. „Dieses Ziel soll nun 2022 erreicht werden.“

    Nun startet Garnier, eine der 36 Marken des Kosmetikherstellers, als Pionier in Sachen Umweltprofil. Die Garnier-Kundin gilt als ausgesprochen interessiert an ökologischen Fragen, anders als Käuferinnen anderer L’Oréal-Marken wie etwa Yves Saint Laurent. „Garnier hat die ökologische Transformation schon durchlebt“, sagt Palt, „aber gemacht werden muss dies von allen unseren Marken.“

    Mehr: Kunden fordern mehr nachhaltige Produkte in der Kosmetikbranche

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