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Netflix-Managerin Kelly Luegenbiehl im Interview „Wenn eine Serie in Deutschland erfolgreich ist, wird sie wahrscheinlich weltweit Erfolg haben“

Die Netflix-Managerin erklärt auf der Frankfurter Buchmesse, warum alte und neue Romane für den Streamingdienst eine so große Bedeutung haben.
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Gerade sucht Netflix auch nach einem Gebäude für neue Mitarbeiter in Berlin. Quelle: imago images/Future Image
Netflix-Managerin Kelly Luegenbiehl

Gerade sucht Netflix auch nach einem Gebäude für neue Mitarbeiter in Berlin.

(Foto: imago images/Future Image)

Frankfurt Der Streamingdienst Netflix hat auf der Frankfurter Buchmesse drei neue Produktionen in Europa angekündigt, darunter „Tyll“ vom deutschen Autor Daniel Kehlmann. „Das ist tatsächlich aus der Freundschaft zwischen den Produzenten mit dem Autor entstanden“, erzählt Netflix-Managerin Kelly Luegenbiehl im Interview mit dem Handelsblatt.

Bei dem jungen und global erfolgreichen Unternehmen läuft vieles noch ab wie bei einem typischen Start-up. Vieles muss erst ausprobiert werden, weil die Zuschauer des Videodienstes nicht die gleichen Vorlieben hätten wie das Fernsehpublikum. Gerade sucht Netflix auch nach einem Gebäude für neue Mitarbeiter in Berlin, um „näher dran an der kreativen Szene“ in Deutschland zu sein, wie Luegenbiehl sagt.

Die Verleger in Frankfurt heißen die Netflix-Managerin in der „Buchmessen-Familie“ willkommen. Doch mancher ist skeptisch, ob sie Partnerin oder härteste Konkurrentin um die Aufmerksamkeit der Leute ist. Für Luegenbiehl gibt es da keine Zweifel: „Im besten Szenario arbeiten wir gut zusammen.“ Auf der Messe hält sie Ausschau nach neuen Partnern und „großartigen Ideen.“

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Frau Luegenbiehl, wir hätten Sie nicht unbedingt auf der Frankfurter Buchmesse erwartet. Was treibt Sie her?
Wir sind hier, damit die Leute uns besser kennen lernen und erfahren, wie wir mit Verlagen zusammenarbeiten wollen. Da sind wir wie alle anderen hier auch. Und natürlich suchen wir nach großartigen Ideen und Geschichten.

Ist denn die Bestsellerliste ein guter Indikator dafür, welche Geschichte bei den Netflix-Zuschauern ankommt?
Zum Teil. Da hat das Publikum schon gezeigt, dass sie die Story interessiert. Näher angucken müssen wir uns meiner Meinung nach ältere Bücher, die sich noch gut verkaufen. Damit hatten wir oft Erfolg, zum Beispiel bei der Serie „Der Pate von Bombay“, die letztes Jahr herausgekommen ist – da war das Buch schon über zehn Jahre alt. Es ist sehr aufregend, dass wir einem Buch neues Leben einhauchen können oder es als Inspiration für neue Serien nutzen können.

Der Streamingdienst Netflix hält auf der Frankfurter Buchmesse Ausschau nach neuen Partnern. Quelle: Netflix
Szene aus der Netflix-Serie Dark

Der Streamingdienst Netflix hält auf der Frankfurter Buchmesse Ausschau nach neuen Partnern.

(Foto: Netflix)

Sie haben gerade drei neue Produktionen in Europa angekündigt. Unter anderem werden Sie Tyll als Serie verfilmen. Autor Daniel Kehlmann versetzt die bekannte Figur Till Eulenspiegel in den Dreißigjährigen Krieg und erzählt vom gesellschaftlichen Zerfall. Wie kam es dazu?
Das ist tatsächlich aus der Freundschaft zwischen den Produzenten Baran Bo Odar und Jantje Friese mit dem Autor Daniel Kehlmann entstanden. Daniel ist schon lange ein Fan ihrer Arbeit. Wenn jemand sein Buch verfilmen wollte, dann aus seiner Sicht also am liebsten sie. Wir wiederum haben ja schon bei Dark mit den beiden zusammengearbeitet. Also haben sie uns angerufen und gefragt, ob wir an einer Tyll-Serie interessiert seien. Und wir haben gesagt: klar.

Netflix sucht gerade in Berlin ein Büro. Die ersten Mitarbeiter sind schon in ein Co-Working-Space gezogen. Was machen Sie in der deutschen Hauptstadt?
Stimmt, wir werden dort künftig Teams haben, die sich um Inhalte, Öffentlichkeit und Marketing kümmern. Mit dem Büro sind wir näher dran an der kreativen Szene, das ist uns sehr wichtig, damit man einfach mal in der gleichen Stadt Mittagessen kann. Wir bekommen schon ganz viele Anfragen von Autoren, Direktoren und Produzenten, die wir kennen.

Was steht hinter der Strategie, in vielen Ländern präsent zu sein und spezifische Filme und Serien zu produzieren?
Ich glaube, Leute sind wirklich daran interessiert, Filme in ihrer eigenen Sprache über ihre eigene Kultur zu sehen. Dass wir mit unserem Wachstum die Chance haben, lokale Geschichten auf einer globalen Plattform in einer internationalen Weise zu erzählen, ist einmalig. Sie werden kaum Menschen in Ihrem Freundeskreis finden, die sagen: Ich will keine Serie auf Deutsch sehen. Das ist eine Chance für uns.

Was wünscht sich denn der deutsche Zuschauer am meisten von Netflix?
Der deutsche Abonnent ist dem Rest der Welt ähnlicher, als Sie vielleicht denken. Wir sehen, wenn eine Serie in Deutschland erfolgreich ist, wird sie wahrscheinlich weltweit Erfolg haben – und andersrum.
Aber die Deutschen lieben doch zum Beispiel ihren Tatort. Diese große Menge an Polizeiserien im deutschen Fernsehen ist international ungewöhnlich.
Wir sehen, dass das Format beim Fernsehzuschauer sehr gut ankommt. Aber das heißt nicht, dass es notwendigerweise auch auf Netflix funktioniert.

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Werden Sie sich denn an einem Netflix-Tatort versuchen?
Ich glaube nicht, dass wir versuchen werden, genau darauf abzuzielen. Aber wir probieren definitiv Krimi‧elemente aus.

Niemand kennt die Vorlieben von Film- und Serienguckern so gut wie Sie. Netflix bekommt von seinen Abonnenten einen gewaltigen Datenschatz. Es heißt ja oft, die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen werde immer kürzer. Sagen Sie uns: Wie viel Minuten dauert der maßgeschneiderte Netflix-Film?
Darüber denken wir überhaupt nicht nach. Da vertrauen wir auf die Künstler. Sie müssen bestimmen, welche die beste Länge für ihre Shows und Serien ist. Das diktieren wir Ihnen nicht. Die Story bestimmt das Format.

Was wissen Sie noch über Ihre Zuschauer? Wo gucken die ihre Filme?
Wir wissen, wo sie die Filme anfangen. Sie können dann natürlich unterwegs sein. Und wir wissen, welche Geräte sie nutzen. Mit der globalen Verbreitung haben wir mehr Nutzer bekommen, die auf ihren Telefonen und mobilen Geräten schauen. Manchmal wechseln Leute auch mitten in einer Folge das Gerät. Nun, und in manchen Ländern sind die Zuschauer mobiler als in anderen.

Das kann daran liegen, dass das Datenvolumen weltweit unterschiedlich teuer ist oder auch an der Netzabdeckung. Sie freuen sich wahrscheinlich auf die superschnellen 5G-Mobilfunknetze?
Ich bin keine Technikerin, ich kann dazu nur so viel sagen: Es gibt eine Menge Leute in unserem Unternehmen, die 5G sehr aufgeregt erwarten.

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Netflix war mit seinem Streamingangebot lange allein auf dem Markt. Jetzt bekommen Sie Konkurrenz von Apple, Disney, NBC und Warner Media. Und ihre Angebote sind billiger. Wird das Einfluss auf Ihre Preispolitik und Inhalte haben?
Es geht nicht darum, was andere machen, sondern darum, was wir machen. Wir tun am besten daran, einfach großartige Filme und Serien für Netflix zu produzieren.

Aber die Zahl Ihrer Abonnenten ist zuletzt nicht so gewachsen wie erwartet. Macht Ihnen das keine Sorgen?
Natürlich nehmen wir uns immer eine bestimmte Zahl vor. Aber wir sind auch nur Menschen. Mal erreicht man ein bisschen mehr als erhofft, und mal kann man darunter liegen. Genau trifft man die Erwartungen eben nicht immer.

Über Exklusivverträge sichern Sie sich die Dienste Ihrer Schauspieler. Die können dann nicht in den Serien der Konkurrenz mitspielen. Funktioniert das Filmgeschäft künftig wie die Bundesliga mit hohen Ablösesummen?
Wir bemühen uns, für die Talente die bestmöglichen Erfahrungen zu ermöglichen. Unsere Hoffnung ist, dass sie sich entscheiden, weiter mit uns zu arbeiten, und dass sie auch ihren Freunden weitersagen, dass sie weitere Projekte mit uns machen sollen.

Konkurrenz kommt auch aus dem Gaming-Bereich. Mit den neuen Cloud-Gamingdiensten braucht man keinen Gaming-Computer mehr und kann von überall auf jedem Gerät Computerspiele spielen. Die Hälfte der Gesellschaft in Deutschland spielt schon. Sind Games die wichtigste Konkurrenz für Netflix?
Es gibt viele Dinge, die um die Freizeit der Menschen konkurrieren. Computerspiele gehören definitiv dazu. Die Leute müssen auswählen. Aber noch mal: Ich glaube, wenn wir tolle Inhalte machen, werden wir gewinnen.

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Aber Sie selbst wollen nicht ins Gaming-Geschäft einsteigen?
Das planen wir im Moment nicht. Aber es gibt wirklich spannende Möglichkeiten, interaktives Programm zu machen, zum Beispiel in dem der Zuschauer über den Fortgang der Geschichte entscheidet. Da können wir noch viel mehr tun. Ich glaube, das ist eine gute Möglichkeit, unserem Publikum näher zu kommen. Das ist wirklich eine ganz tolle Entwicklung des Geschichtenerzählens.
Wenn Sie die Menschen erstmals als Abonnenten gewonnen haben, versorgen Sie sie mit genau den Inhalten, die sie gucken wollen. Manche können gar nicht mehr aufhören, Netflix zu schauen. Haben Sie eine

Verantwortung, Zuschauer davor zu bewahren, ihre gesamte Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen?
Wir vertrauen unseren Abonnenten, das selbst einzuschätzen und zu kontrollieren. Für Eltern gibt es die Funktion, die Filmzeit ihrer Kinder zu begrenzen. Und wir ermutigen sie, das auch zu nutzen. Aber der Zuschauer bestimmt selbst. Das machen wir nicht.

Vielen Dank für das Interview, Frau Luegenbiehl.

Mehr: Netflix gelingt es im dritten Quartal, seine Abozahlen kräftig zu steigern. Doch der Erfolgskurs ist eine Momentaufnahme: Die neue Konkurrenz steht in den Startlöchern.

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