Netflix „Wir haben zu viel versprochen“

Bis zu 26 Prozent verlor die Aktie des Videoanbieters Netflix nachbörslich. Hintergrund war eine böse Überraschung bei den Wachstumszahlen, neue Konkurrenz von HBO und auch in Deutschland braut sich was zusammen.
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Netflix, Ebay und Amex enttäuschen

San FranciscoReed Hastings hatte es schon geahnt. Vor einem Jahr warnte er vor "Momentum-getriebener Euphorie", die die Kurse von Netflix in problematische Regionen treibe. Das waren damals 400 Dollar. Aber in der von billigem Geld getriebenen Dauerparty an der Wall Street interessierte das niemanden. Netflix wanderte Richtung 500 Dollar. Doch an diesem Mittwoch war es soweit. Fluchtartig verließen die Spekulanten die Aktie des Online-Videoanbieters und prügelten den Kurs bis auf 329 Dollar nach unten.

Die Zahlen für das Mitglieder-Wachstum im Quartal mit 3,02 Millionen waren weit hinter den Prognosen von 3,69 Millionen zurückgeblieben. Zurückgeblieben hinter den Prognosen des Unternehmens selbst, wohlgemerkt. "Diesmal haben wir einfach zu viel versprochen", räumte Hastings ein. "Alles was wir bis jetzt sagen können deutet darauf hin, dass es an den höheren Preisen liegt", lautet die Analyse.

In den USA ist das Monats-Abo für neue Kunden von acht auf neun Dollar angehoben worden. Das sorgt für Panikattacken bei Anlegern. Nicht nur, weil schon geringe Preisanhebungen das Wachstum offenbar abwürgen. Es ist außerdem zu fürchten, dass Bestandskunden ebenfalls allergisch auf Preissteigerungen reagieren werden.

Die sollen aber in Zukunft helfen, die anämischem Gewinne zu steigern. Im 3. Quartal lag der Nettogewinn bei 1,41 Milliarden Dollar Umsatz. Der Gewinn pro Aktie von 0,96 Dollar wird sich im laufenden Quartal auf 0,44 Dollar halbieren, so Netflix. Das ist nicht viel für ein Unternehmen, das auch nach dem Kurssturz noch mit 20 Milliarden Dollar bewertet wird.
Gleichzeitig bahnt sich zunehmender Gegenwind in der Branche an.

Das sind die Giganten der Medienwelt
huGO-BildID: 36639478 This image released by Sony Pictures shows Jamie Foxx, left, and Andrew Garfield as Spider-Man in "The Amazing Spider-Man
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Fernsehsender, Zeitungen, Kinostudios: Medien sind ein Milliardengeschäft – im Bild eine Szene aus dem aktuellen Film „Spider-Man“. Auf Basis der Erlöse des Jahres 2013 hat Lutz Hachmeister, Direktor des Berliner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, ein Ranking der 50 größten Medienunternehmen der Welt erstellt. Wir zeigen die Top 10.

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Platz 10: Cox Enterprises

Mit fast 12 Milliarden Euro Umsatz zählt Cox Enterprises zu den zehn größten Unternehmen der Branche. Das Hauptquartier liegt in Atlanta (Georgia). Der Konzern gehört fast vollständig der Familie Cox beziehungsweise Kennedy und beherbergt unter anderem 17 Tages- und 25 Wochenzeitungen sowie 15 regionale Fernsehsender.

Fernsehsender RTL
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Platz 9: Bertelsmann

Bertelsmann ist der größte deutsche Medienkonzern, auch dank der RTL-Gruppe mit ihren Fernsehsendern. Weltweit rangiert der Konzern auf Rang 9, mit einem Umsatz von 16,4 Milliarden Euro. Vorstandschef Thomas Rabe will die Erlöse bis 2016, spätestens aber bis 2017 auf 20 Milliarden Euro steigern.

huGO-BildID: 33598722 FILE - In this Thursday, June 20, 2013, file photo, a man looks up at a Sony building at Tokyo's Ginza shopping district.
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Platz 8: Sony Entertainment

Der japanische Elektronikkonzern befindet sich weiterhin in der Krise. Der Umsatz stieg zwar zuletzt um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten: Bei konstanten Kursen wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren.

huGO-BildID: 36005139 Marcus Ingvarsson, right, tests out the PlayStation 4 virtual reality headset Project Morpheus in a demo area at the Game Devel
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Platz 8: Sony Entertainment

Der japanische Elektronikkonzern Sony ist in vielen Sparten aktiv: Er hat ein Filmstudio, baut Fernseher und Audiogeräte, hat aber auch die Spielkonsole Playstation im Angebot – im Bild eine Brille, die Spiele in einer virtuellen Realität ermöglicht. Allerdings tut sich das Traditionsunternehmen schwer. Der Umsatz stieg zwar zuletzt um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten, bei konstanten Kursen wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren.

huGO-BildID: 5456800 Times Square is reflected in the Viacom logo on it's headquarters in New York, Friday, Sept. 2, 2005. Shareholders of Viacom I
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Platz 7: Viacom CBS

Der US-Medienkonzern Viacom CBS, Mutter der Fernsehsender MTV, Nickelodeon und des Hollywood-Filmstudios Paramount, verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz 21,894 Milliarden Euro – Rang sieben. Der Hauptsitz ist der Broadway in New York City.

huGO-BildID: 36216127 This image released by HBO shows Charles Dance in a scene from "Game of Thrones." The fourth season premieres Sunday
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Platz 6: Time Warner

Unter dem Dach von Time Warner sind diverse Medienunternehmen versammelt – etwa der Bezahlsender HBO, der derzeit mit der Serie „Game of Thrones“ für Furore sorgt. Auch das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktionen New Line Cinema und Warner Bros. Entertainment sowie die TV-Kette Turner zählen zum früheren Branchenprimus. 2009 gliederte das Unternehmen den Kabelnetzbetreiber Time Warner Cable Inc. aus und zog zudem einen Schlussstrich unter die erfolglose Fusion mit AOL. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr umgerechnet 22,4 Milliarden Euro.

Der in den USA beliebte Pay-TV-Kanal HBO verkündete am Mittwoch, er werde kommendes Jahr eine eigene App herausbringen, die ohne den Abschluss eines TV-Kabelvertrags Zugang zur den Erfolgsserien von HBO gewährt. Unter anderen Umständen wäre die Nachricht vielleicht entspannter aufgenommen worden. Aber bei der Wachstumsabschwächung und einem ohnehin labilen Aktienmarkt, der Dow schloss fast 180 Punkte tiefer, war die Geduld der Anleger erschöpft.
Zumal sich in Deutschland weitere Konkurrenz formiert.

Nach Informationen des Handelsblatts prüfen private Anbieter wie Brainpool eine eigene Videoplattform mit ARD oder ZDF. Das wäre relevant, weil Hastings auf mehr Kunden aus dem Ausland angewiesen ist. Bereits im abgelaufenen Quartal kamen auf jeden neuen Kunden in den USA zwei neue auf internationaler Ebene.

Hastings zeigt sich äußerlich unbeeindruckt von neuer Konkurrenz. Netflix werde "schneller HBO als HBO Netflix" verkündete er unlängst selbstsicher. Außerdem spreche man seit 2011 davon, dass HBO einer der längerfristigen Rivalen werde. Der Einstieg sei "vorhersehbar" gewesen. Aber das beruhigte am Mittwoch niemanden.
Zumal Hastings für Wachstum und Konkurrenzabwehr viel Geld in die Hand nehmen wird: Vier Filme mit dem Hollywood-Star Adam Sandler sind geplant und sogar der erste Netflix-Kinofilm. Ein Remake des Kung-Fu-Erfolgs "Crouching Tiger, Hidden Dragon." Es sieht aus, als ob Netflix ein wenig fernöstliche Magie und chinesische Zauberkräfte gut gebrauchen kann.

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1 Kommentar zu "Netflix: „Wir haben zu viel versprochen“"

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  • Liebe Redaktion,

    es macht gar keinen kompetenten Eindruck, wenn solche Sätze wie nachfolgender in Ihren Artikeln zu lesen sind:
    *Im 3. Quartal lag der Nettogewinn bei 1,41 Milliarden Dollar Umsatz.* - ja was denn nun? Umsatz oder Nettogewinn? Das sind doch wohl "zwei verschiedene Paar Schuhe", oder?

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