Netzausbau Die Telekom steuert um – regionale Partner sollen beim Glasfaserausbau helfen

Kooperation statt Konfrontation: Mit Gemeinschaftsprojekten will die Telekom den Netzausbau beschleunigen. Das Joint Venture mit EWE dürfte erst der Anfang sein.
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Die Zukunft des Internets liegt in den ultraschnellen Glasfaser-Netzen. Quelle: dpa
Glasfaserkabel auf dem Land

Die Zukunft des Internets liegt in den ultraschnellen Glasfaser-Netzen.

(Foto: dpa)

BonnAls Timotheus Höttges in der Telekom-Konzernzentrale ein Glasfaserkabel lachend in die Kameras hält, geht es um mehr als nur eine Werbeveranstaltung.

Gemeinsam mit der geladenen Delegation vom regionalen Netzbetreiber EWE will der Telekom-Chef seine Strategie stärken. Der Bonner Großkonzern sucht offen nach Partnerschaften, um den Glasfaserausbau in Deutschland voranzubringen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Telekommunikationskonzern und dem Anbieter aus Oldenburg soll das Vorbild für ein neues Vorgehen werden: Statt auf Konfrontation und direkten Wettbewerb setzt der Magenta-Konzern auf enge Kooperationen.

Dafür wird der Aufbau eines Gemeinschaftsunternehmens vorbereitet. Bis zu zwei Milliarden Euro wollen beide Partner investieren, um zunächst in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen mehr als eine Million Privathaushalte direkt ans Glasfasernetz anzuschließen.

Die Zukunft des Internets liegt langfristig in den ultraschnellen Verbindungen auf Basis von Glasfaser. Ausgerechnet in dieser zentralen Infrastruktur steht Deutschland jedoch schlecht da.

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„Deutschland fällt im internationalen Vergleich zurück. Wir haben bislang nicht mal zehn Prozent der Haushalte mit Glasfaser erschlossen“, klagt deshalb Stephan Albers, Chef des Breitbandverbandes Breko, in dem sich Wettbewerber der Telekom zusammengeschlossen haben. „Im europäischen Vergleich stehen nur noch Länder wie Serbien oder Österreich schlechter da als wir. Das ist dramatisch.“

500.000 Kilometer Glasfaser gehören der Telekom

Deutschland soll nicht abgehängt werden. Schließlich hat die Bundesregierung versprochen, dass es bis 2025 in ganz Deutschland flächendeckend Netze geben soll, die Daten mit mindestens einem Gigabit die Sekunde durchleiten. Der Telekom gehören fast 500.000 Kilometer verlegte Glasfaser. Mit dem Netz ist sie mit Abstand Marktführer. Allerdings verbinden die Kabel oft nur die großen Städte oder Mobilfunkmasten.

Nur selten gehen die Kabel bis zu den Häusern der Kunden. Experten sprechen dann von „Fiber to the Home“. Stattdessen enden viele der Glasfaserkabel allenfalls bei den Verteilerkästen auf dem Bürgersteig. Die letzten Meter laufen dann in der Regel über Kupferleitungen.

Dafür setzen die Telekom und Wettbewerber wie Vodafone auf die Brückenlösung Vectoring. Mit der Technik lässt sich die Strecke zwischen dem Endpunkt des Glasfasernetzes und den Haushalten über das alte Telefonkupferkabel ausreizen. Geschwindigkeiten von bis zu 250 Megabit pro Sekunde sind mit der neuesten Entwicklungsstufe „Super Vectoring“ möglich.

Gigabit-Geschwindigkeiten allerdings aus physikalischen Gründen nicht. Langfristig, dass beteuern deshalb alle Unternehmen, bietet nur Glasfaser die richtige Basis für die Dateninfrastruktur der Zukunft.

Es soll nicht bei dem Oldenburger Anbieter EWE bleiben. Der Partnerschaft sollen in naher Zukunft noch weitere folgen. So ließ auf der Elektronikmesse IFA in Berlin Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner vor zwei Wochen ein großes Foto der deutschen Hauptstadt an die mehrere Meter hohe Leinwand projizieren. „Wir werden Glasfaser bis ans Haus bringen – und das zusammen mit Partnern“, kündigt er an.

Berlin sei ein Pilotprojekt. Die Telekom werde die Hälfte der Kosten tragen. „Bei einem Marktanteil von 27 Prozent, den wir heute noch in Berlin haben, ist das ein faires Angebot. Wir sind offen für Partnerschaften, ob mit einem oder mehreren Partnern“, sagte Wössner gegenüber dem Handelsblatt.

Konzernchef Höttges hatte im Mai auf der Hauptversammlung angekündigt: „Ab 2021 wird die Telekom jedes Jahr rund zwei Millionen Haushalte direkt mit Glasfaser anschließen. Wenn die Politik den richtigen Rahmen setzt.“

Für die Telekom bietet die Zusammenarbeit zwei Vorteile: Auf der einen Seite kann sie die hohen Kosten für das Verlegen von Glasfaser bis ans Haus erheblich reduzieren. Schließlich sind es in vielen Städten die Stadtwerke, die beim Verlegen lokaler Infrastruktur mit verhältnismäßig geringen Kosten zusätzlich auch Glasfaser verlegen können.

Auf der anderen Seite möchte die Telekom eine Regulierung durch die Bundesnetzagentur vermeiden. Der Ex-Monopolist kontrolliert fast die gesamten Telefon-Kupferkabel in Deutschland. Dafür schreibt ihr die Bonner Behörde vor, dass sie die Leitungen gegen festgelegte Entgelte ihren Wettbewerbern zu Verfügung stellen muss.

Hat die Telekom jedoch keine dominierende Position im Glasfasergeschäft, will sie sich auch nicht von der Bundesnetzagentur Preise vorschreiben lassen.

Über die Intensität der Regulierung gibt es Streit

Über diesen Punkt gibt es jedoch noch Streit. „Die Telekom ist der Auffassung, dass der Glasfasermarkt komplett frei von Regulierung sein soll. Wir fordern hingegen, dass die Bundesnetzagentur notfalls immer als Schiedsrichterin bei der Diskussion um die Höhe der Entgelte einschreiten können muss“, sagt Breko-Chef Stephan Albers. Trotzdem begrüßt er die Kooperationsangebote. „Stadtnetzbetreiber sind in der Lage, den Glasfaserausbau genau an die lokalen Gegebenheiten anzupassen und sehr kosteneffizient zu bauen.“ Die lokalen Anbieter würden sich genau vor Ort auskennen und ein Netz passgenau aufbauen, ob im Allgäu oder in Mecklenburg-Vorpommern.

Dabei war das Zusammenspiel zwischen der Telekom und den lokalen Anbietern nicht immer so einfach: Einige Stadtnetzbetreiber und der Bonner Konzern haben sich über Jahre hinweg einen Schlagabtausch geliefert. „Die Telekom setzt noch immer sehr häufig auf Konfrontation statt Kooperation. An einigen Orten wurden Glasfasernetze unserer Mitglieder gezielt von der Telekom überbaut“, klagt Albers. Die Telekom widerspricht hingegen der Darstellung.

In der Branche wird der Ansatz zu mehr Zusammenarbeit im Glasfaserausbau begrüßt. „Für die Telekom macht die Kooperation mit Stadtnetzbetreibern sehr viel Sinn. Die Zusammenarbeit kann die Kosten massiv reduzieren, um den Glasfaserausbau voranzutreiben“, sagt Telekommunikationsexperte Roman Friedrich von der Beratung AlixPartners. „Die Telekom kann den Stadtnetzbetreibern helfen, indem sie bei Partnerschaften ihre Inhalte zu Verfügung stellt. So können auch Stadtnetzbetreiber ihren Kunden einen Mehrwert wie etwa TV-Streaming anbieten.“

Widerstand von Vodafone

Allerdings gibt es auch Kritik an der Kooperation. Konkurrent Vodafone geht juristisch gegen die Zusammenarbeit von Telekom und EWE vor. Im Gegensatz zur Telekom hat Vodafone für Deutschland keine Ausbauziele für Glasfaser bis ans Haus gemacht.

Der Telekom-Wettbewerber setzt auf ein anderes Konzept: Mit Internet per TV-Kabel will Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter Geschwindigkeiten von einem Gigabit und mehr pro Sekunde in deutschen Wohnungen möglich machen.

Dazu hat das Unternehmen den Kabelnetzanbieter Unitymedia in Deutschland übernommen. Bis Mitte kommenden Jahres dürften die Kartellbehörden über den Deal entschieden haben. Gelingt Vodafone der Kauf, will das Unternehmen über das vereinigte Netz bis zum Jahr 2022 Gigabitgeschwindigkeiten für 50 Millionen Menschen in Deutschland anbieten.

Schon jetzt versucht Vodafone, mit schnelleren Anschlüssen per Kabel die Telekom im Festnetz unter Druck zu setzen. „Bis zum Jahresende werden deutschlandweit mehr als zwölf Millionen Menschen über das Kabel mit Gigabitgeschwindigkeit surfen können“, kündigte Ametsreiter am Donnerstag an. Bei einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gab der Vodafone-Chef bekannt, zunächst in Bayern das schnellere Kabelnetz mit Gigabit-Geschwindigkeiten auszurollen zu wollen.

Vodafone bietet damit per Kabel bis zu vier Mal so schnelles Internet wie die Telekom mit „Super Vectoring“. Allerdings müssen die Kabelinternetanbieter erst beweisen, dass sie die hohen Geschwindigkeiten auch sicherstellen können, wenn viele Kunden auf das Netz zugreifen.

Beim jährliche Festnetztest des Magazins „Connect“ landete Vodafone auf dem letzten Platz. Die Tester bemängelten, dass beim Kabelinternet besonders häufig die versprochenen Geschwindigkeiten unterschritten würden.

Vodafone erklärte daraufhin, unter anderem habe ein Fehler in der Firmware von Routern zur Abwertung geführt. Der sei mittlerweile behoben. Der Wettkampf um das beste Festnetz in Deutschland hat gerade erst begonnen.

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1 Kommentar zu "Netzausbau: Die Telekom steuert um – regionale Partner sollen beim Glasfaserausbau helfen"

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  • Huhuhu H.Stephan Scheuer,
    vielleicht liegt das ja an ihrem langen Pekingaufenthalt?
    Ich spreche nicht von
    "..Bei einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gab der Vodafone-Chef bekannt, zunächst in Bayern das schnellere Kabelnetz mit Gigabit-Geschwindigkeiten auszurollen zu wollen. ..".
    Typischer Fehler im Stress.

    Sondern von
    ..Vodafone bietet damit per Kabel bis zu vier Mal so schnelles Internet wie die Telekom mit „Super Vectoring“....
    Hmm. Kopfsache.
    Ich charakterisiere Journalisten oft als Menschen, die so schwach in Schul-Mathe/MINT waren u. sich deshalb auf "die Sprache" zurückziehen mussten. Aber beides?
    Passt zu der unsäglichen freitäglichen Hanbdelsblatt Englischseite. Wenn schon dann konsumiere ich doch das/ein Original!?
    Oder nur zur Zeilenfüllung?
    Oder gar auch eine deutsche Seite i.d. Schwesterpublikation??
    MfG


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