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Netzausbau Sicherheitsexperte Kleinhans über 5G-Ausbau: „Ein Restrisiko bleibt immer“

Der Sicherheitsexperte warnt im Interview, dass ein Ausschluss von Huawei aus Kernnetzen die Probleme nicht lösen würde. Er fordert stattdessen mehr Transparenz.
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Der Sicherheitsexperte warnt vor einer völlig falsch geführten Debatte.
Jan-Peter Kleinhans

Der Sicherheitsexperte warnt vor einer völlig falsch geführten Debatte.

Berlin Die Stiftung Neue Verantwortung residiert in Berlin am Potsdamer Platz. Im großräumigen Bürogebäude empfängt der Sicherheitsexperte Jan-Peter Kleinhans. Und er kommt schnell zum Punkt. Die Debatte um die Gefahren unserer Mobilfunknetze werde völlig falsch geführt.

Herr Kleinhans, macht der Einsatz von Huawei unsere Telekommunikation unsicher?
Es ist gut, dass wir darüber diskutieren, wie angreifbar wir durch unsere digitale Infrastruktur sind. Aber in der Debatte fehlt ein roter Faden. Es wird immer wieder davon gesprochen, dass Huawei nicht im Kernnetz der Mobilfunkunternehmen und im Radio Access Network, also dem erweiterten Netz, eingesetzt werden soll. Aber das Argument greift zu kurz. Dadurch wird unsere Infrastruktur nicht wirklich sicherer.

Was schlagen Sie vor?
In Großbritannien setzt sich das National Cyber Security Centre (NCSC) seit vielen Jahren mit diesen Fragen auseinander. Und die britische Sicherheitsbehörde hat eine Reihe von sinnvollen Regeln erstellt. Für sie ist es zum Beispiel wichtig, dass es weiter einen Wettbewerb gibt, sodass Netzbetreiber auf mehrere Hersteller beim Ausbau zurückgreifen können. Aber chinesische Ausrüster wie Huawei sind von besonders sensiblen Bereichen ausgeschlossen.

Welche sind das?
Zum Beispiel darf keine Technik von Huawei eingesetzt werden, um Telefongespräche oder Verkehrsdaten an Strafverfolgungsbehörden auszuleiten. Oder es ist nicht erlaubt, dass Huawei selbst Updates für seine Geräte einspielt. Ein Update muss von den Netzbetreibern selbstständig aufgespielt werden.

Plädieren Sie also dafür, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik deutlich aufzustocken?
Nicht unbedingt. Das NCSC hat weniger Personal als das BSI. Doch in Großbritannien ist die Behörde anscheinend stärker in die Prüfung von Netzwerktechnik und deren Einsatz eingebunden. In Deutschland liegt der Fokus noch sehr stark auf Standardsetzung und Produktprüfungen, statt gemeinsam mit den Betreibern bei der Netzplanung und dem Ausbau auf IT-Sicherheit und somit Risikominimierung zu achten.

Reicht das, um unsere Netze sicher zu machen?
Über 5G sollen künftig auch besonders sensible Daten etwa von Fabrikrobotern laufen. Software und Hardware werden grundsätzlich und auch in der Telekommunikationsindustrie immer komplizierter. Eine Prüfbehörde kann nicht mit Sicherheit sagen, ob in Millionen Zeilen von Programmiercode nicht doch irgendwo eine Hintertür versteckt ist. Ein Restrisiko bleibt immer. Und in China hat ultimativ die Kommunistische Partei ein Durchgriffsrecht auf die Unternehmen.

Was ist daraus die Konsequenz?
Wir können zwar Vorsichtsmaßnahmen nach dem Vorbild des NCSC ergreifen. Aber letztlich liegt der Ball auch bei Huawei und dem zweiten chinesischen Netzwerkausrüster ZTE. Die Firmen müssten selbst um Vertrauen werben. Das russische Unternehmen Kaspersky Lab hatte ebenfalls vor einiger Zeit viel Vertrauen verloren und wirbt jetzt mit absoluter Transparenz um seine Kunden.

Kaspersky hat Firmenteile nach Zürich verlagert, um sie vor einem Zugriff der russischen Regierung zu schützen. Empfehlen Sie das auch Huawei?
Ja, Huawei könnte als eine von vielen Handlungsmöglichkeiten den Hauptsitz verlagern. Das könnte Vertrauen schaffen. Sonst können sich Politiker und Unternehmen in Deutschland nicht sicher sein, dass nicht doch irgendwann der chinesische Staat Zugriff verlangt. Ohne staatliche Subventionen wäre Huawei nicht innerhalb von 30 Jahren Weltmarktführer geworden. Jetzt erweist sich die Rückendeckung von Peking schlicht als Nachteil.

Müssten wir dann nicht auch Technik aus den USA deutlich strenger prüfen?
Um wirklich konsequent zu sein, müssten wir uns auch die US-Unternehmen genauer angucken. Die Abhängigkeit von US-Technologie besteht aber schon lange Zeit. Und bislang wurde sie noch nicht zum Problem.

Aber das kann doch kein Grund sein, nur chinesische Firmen genau zu prüfen, oder?
Die USA sind ein Rechtsstaat. China nicht. In den USA hat sich Apple geweigert, ein iPhone im Auftrag der US-Bundespolizei FBI zu entschlüsseln. Die Firma ist sogar vor Gericht gezogen, um sich gegen den Zugriff der Behörde zu wehren. In China würde sich das vermutlich keine Firma trauen. Huawei würde sich wohl kaum offen gegen die Kommunistische Partei stellen.

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