Netzausbau Wie United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth die deutschen Netzbetreiber herausfordert

Mit der Überlegung, ein viertes Mobilfunknetz aufzubauen, schreckt Dommermuth die Konkurrenz auf. Es geht auch um die Zukunft seines Geschäftsmodells.
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Der Vorstandsvorsitzende von United Internet will mit einem eigenen Netz in die Offensive gehen. Quelle: Christoph Papsch/laif
Ralph Dommermuth

Der Vorstandsvorsitzende von United Internet will mit einem eigenen Netz in die Offensive gehen.

(Foto: Christoph Papsch/laif)

DüsseldorfEinst war Ralph Dommermuth ein Segen für die deutschen Netzanbieter. Der Internetunternehmer aus dem Westerwald brachte ihnen in kürzester Zeit viele neue Kunden. Dommermuth sorgte dafür, die Netze auszulasten, und ließ sich im Gegenzug großzügige Rabatte auf seine Kontingente einräumen. Doch die alte Aufgabenteilung stößt an ihre Grenzen.

Heute hat fast jeder Bundesbürger einen Mobilfunkvertrag. Der Markt ist weitgehend gesättigt. Netzanbieter wie Telekom, Vodafone oder Telefónica wollen die Kunden direkt versorgen, anstatt auf Dommermuth oder andere Mittelsmänner angewiesen zu sein.

Doch der 54-Jährige geht in die Offensive. Mit Blick auf die Vergabe der Lizenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G im kommenden Jahr schickt er sich an, ein eigenes Netz aufzubauen – also zum direkten Wettbewerber aufzusteigen. Das passt Telekom, Vodafone und Telefónica gar nicht.

„Wenn jemand glaubt, er löse die Infrastrukturprobleme in Deutschland mit einem vierten Netz, der ist aus meiner Sicht auf dem Holzweg“, sagt Telefónica-Deutschland-Chef Markus Haas. Mobilfunkanbieter ohne eigenes Mobilfunknetz wie United Internet oder Freenet, auch MVNOs genannt (vom Englischen Mobile Virtual Network Operator), seien ein Grund für schwache Netze in Deutschland.

Das lässt Dommermuth nicht auf sich sitzen. Gegenüber dem Handelsblatt kontert er: „Die Netzanbieter operieren mit Nebelkerzen. Es grenzt schon an alternative Fakten, wenn der Telefónica-Deutschland-Chef behauptet, es gäbe einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der MVNOs und den schwachen Mobilfunknetzen.“

Die Netzanbieter wollten ihn als künftigen Wettbewerber aus dem Markt halten. „Ich kann keine Logik hinter dem Argument erkennen, dass ein zusätzlicher Netzanbieter Investitionen hemmt. Das würde ja im Endeffekt bedeuten, dass ein einziger Anbieter die optimale Lösung wäre“, sagt Dommermuth.

Er kündigt an, massiv zu investieren, wenn er auch die Netze der anderen Netzbetreiber gegen Entgelte nutzen dürfe. Wie viel, will er jedoch nicht sagen. „Wie die anderen Netzanbieter auch, würden wir zunächst in Regionen ausbauen, in denen es sich auch lohnt“, kündigt Dommermuth an. Auch er wird also zunächst keine Funklöcher auf dem Land schließen. Er schlägt ein Kooperationsmodell mit Kommunen vor.

In der Branche wird sein Vorstoß unterschiedlich bewertet. Manche Experten loben Dommermuths Angriffslust. Andere warnen vor einer Fehlentscheidung. So etwa der Analyst Josh Hallett vom Research-Anbieter Redburn. „Ein viertes Netz aus dem Nichts aufzubauen wäre sehr teuer. Das macht wenig Sinn und wird nicht passieren.“

An der Börse steht Dommermuth unter Druck. Seit Jahresanfang ist die Bewertung der Tochterfirma 1&1 Drillisch um mehr als 30 Prozent gefallen. Zudem senkte er die Prognose für Neuverträge von 1,2 Millionen auf eine Million.

„Den Kurs machen die Aktionäre, nicht wir“, sagt Dommermuth. Sein Unternehmen habe seine Finanzprognose bestätigt. „Vielleicht war zu viel Erwartung im Markt.“ Allerdings räumte er auch ein: „Telefónica hat im Mai die Preise gesenkt. Und wir haben uns entschieden, diese Runde auszusetzen.“ Der Schlagabtausch dürfte bald in die nächste Runde gehen.

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