Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Neue Karrierewege Wenn Stars zu Lehrern werden

Der Schauspieler Heiner Lauterbach will eine Plattform für Life-Coaching-Videos auf den Markt bringen. Mit an Bord: Stars wie Til Schweiger.
Kommentieren
„Auch ein Blumenhändler kann erfolgreich sein.“ Quelle: Dieter Rosen
Schauspieler und Unternehmer Lauterbach

„Auch ein Blumenhändler kann erfolgreich sein.“

(Foto: Dieter Rosen )

München Der „Bayerische Hof“ in München ist als VIP-Schaukel der Nation gut eingeführt. Und doch wird es in dem Hotel am nächsten Montag zu einem ungewöhnlichen Prominenten-Auftrieb kommen. In einem Raum versammeln sich Schauspieler Heiner Lauterbach, Bestsellerautor Sebastian Fitzek, Opernsänger Jonas Kaufmann, Schauspieler Til Schweiger, Sternekoch Alfons Schuhbeck und Filmproduzent Nico Hofmann zur Pressekonferenz.

Es geht bei der All-Stars-Formation nicht um den nächsten „Bambi“ oder um eine neue Netflix-Serie, sondern um den Marktstart eines ambitionierten Unternehmens. Das hat sich eine Kombination aus Bildung und Unterhaltung zum Ziel gesetzt, es will „Education“ und „Entertainment“ zu populärem „Edutainment“ mixen. Über die Online-Plattform „Meet Your Master“ werden künftig, so die Geschäftsidee, lange Video-Lektionen von Lauterbach, Schuhbeck & Co. verkauft, von den Stars ihres jeweiligen Gewerbes. Ein Novum für Deutschland.

Das Projekt kann, wenn es einschlägt, Karrieren fördern. Ganz sicher eröffnet es eine neue – unternehmerische – Karriere des TV-Stars Heiner Lauterbach, 66. Zusammen mit seiner Frau Viktoria hat er schon vor 18 Monaten die „Meet Your Master GmbH“ angeschoben, beide halten je 50 Prozent.

Nach all den Filmen – von „Männer“ über „Rossini“ oder „Der Verleger“ zu „Der Fall Collini“ -, nach Arbeiten als Regisseur und Synchronsprecher, nach zwei Autobiografien sowie dem Start als Professor an der Hochschule Macromedia in Berlin, stellt sich nun eine Herausforderung in Euro und Cent, in Aktiva und Passiva. Die Lauterbachs sind Gründer und Geschäftsführer. All die Stars um sie herum „Fixsterne“.

Fragt man, wer die Idee dazu hatte, so erscheint ein erzählerisches Bild vom Wohnort des Paars am Starnberger See, vom Anruf eines angehenden Schauspielers, der Tipps haben wollte, vom ausführlichen Rat des erfahrenen Kollegen Lauterbach und der Eingebung der Ehefrau, so etwas könne er eigentlich hauptberuflich machen.

Gemeinsam verfolgten sie den Plan dann tatsächlich weiter, forschten nach und stießen auf ein ähnliches Projekt in den USA: „Master Class“, vor vier Jahren gegründet, bietet Kurse mit Fotografin Annie Leibovitz, Regisseur Martin Scorsese oder Tennisstar Serena Williams – und wächst rasant. Als Schauspielerin Jodie Foster vor Monaten das Ganze auf dem Internetfestival „South by Southwest“ in Austin, Texas, vorstellte, jubelte die Gemeinde. Ob ihn der Erfolg von „Master Class“ inspiriert habe? „Inspiriert haben wir uns schon selbst!“, ruft Heiner Lauterbach lachend aus.

Onlinekurs für die Stimme. Quelle: Meet Your Master/ Dieter Rosen
Jonas Kaufmann

Onlinekurs für die Stimme.

(Foto: Meet Your Master/ Dieter Rosen )

Alles ein bisschen wie im Film also: Nun hat der Top-Schauspieler eine stattliche Reihe von Hochglanz-Lehrvideos von sechs Koryphäen, eine IT, eine Marketingabteilung und rund 30 Mitarbeiter. Die Anwälte noch nicht mitgezählt.

Die Frage liegt nahe, ob man über die Plattform lernen soll, besser Karriere zu mache. Für Heiner Lauterbach würde das zu kurz greifen: „In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung gibt es nur eine stabile Währung: Wissen. Wir glauben, dass Lernen Spaß macht – wenn man von den Besten lernt. Unser Ziel ist es, gewissenhaft Inhalte mit Filmen in Kino-Qualität zu vermitteln.“

Das ist keine ganz billige Angelegenheit, Vorlaufkosten addieren sich schnell. Und so haben die Lauterbachs „einen niedrigen siebenstelligen Betrag“ investiert, wie man das eben bei solchen Gelegenheiten so sagt. Aber das ist ja ohnehin relativ: Für den, der Geld ausgibt, ist es nicht niedrig. Es gehe „in erster Linie um ein möglichst perfektes, unangreifbares Produkt“, sagt Lauterbach, die Kunden und mögliche Investoren würden „unsere Begeisterung“ spüren.

Auf den Einwand, dass Unternehmer ja nach Lehrbuch möglichst viel Gewinn machen wollen, heißt es, Rendite sei nicht der zündende Ursprung der Idee gewesen: „Wenn ich so denken würde, hätte ich die Firma meines Vaters übernommen. Dann wäre ich auf der sicheren Seite gewesen. Aber ich wurde Schauspieler. Viel Geld zu verdienen, ist nicht anrüchig, steht bei mir aber nie an erster Stelle.“

Anzunehmen ist schon, dass die Jugend im Unternehmerhaushalt den reifen Jungunternehmer geprägt hat. Der Vater hatte in Köln eine angesehene Sanitärfirma, „Lauterbach & Söhne“. Sie hatte zeitweise 250 Mitarbeiter, ging aber 2009 in die Insolvenz und hat nun andere Eigentümer. Heiner Lauterbach machte eine Installationslehre, in sicherer Erwartung der Rolle eines Junior-Chefs und hielt selbst auch Anteile am Familienbetrieb.

Doch eines Tages erklärte er: „Ich möchte keine Menschen entlassen“, wohl wissend, dass ein Unternehmer im Falle eines Falles so handeln muss. Seine „Meet Your Master“ ist noch im Aufbau und fern solcher Fragen. Wenn man sich aber von Mitarbeitern trennen müsse, dann werde der dritte Geschäftsführer oder Viktoria aktiv, skizziert Heiner Lauterbach: „Wir machen immer ,Good cop‘, ,Bad cop‘“.

Aus der Kölner Zeit hat Lauterbach allem Anschein nach noch eine Grundstücksgesellschaft. Er selbst sagt von sich, seit 40 Jahren „ein Ein-Mann-Unternehmen“ zu sein. Nun hat er auch eine richtige operative GmbH – aber viele Dinge sind dort nicht zu finden, die bei Start-ups üblich sind, Marktforschung und so etwas. „Entweder man glaubt daran oder lässt es bleiben“, erklärt Lauterbach, man setze sich nur bei den Investitionen ein Limit, „sonst kann man sehr schnell unendlich viel Geld ausgeben“.

Zu den avisierten Kundenzahlen von „Meet Your Master“ sagt er nichts, beim Geschäftsmodell sei viel Intuition dabei. An solchen Businessplänen will er später nicht gemessen werden, erwähnt aber, sich für Investitionen ein Limit gesetzt zu haben. Aber Lauterbach weiß nur zu gut: Es gibt einen Boom. Wissensdokumentationen auf Netflix laufen gut, das Pendant „Master Class“ in den USA hat eine hohe Reichweite. Seine Kreation kann ein Hit werden.

Denn natürlich gilt in der Social-Media-Welt von heute mehr denn je Andy Warhols Erkenntnis aus dem Jahr 1968: „In Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt sein.“ Für diese Art Prominenz ist „Meet Your Master“ eine Einladung. Etwas könnte abblättern vom Ruhm der Stars auf die, die Stars werden wollen. Das sei nicht Teil seiner Philosophie, merkt Lauterbach an. In seinem eigenen Online-Kurs fragt er gleich eingangs: „Willst du berühmt werden oder Schauspieler werden?“ Das sei ein großer Unterschied. Was zähle sei, erfolgreich zu sein, „aber das kann auch ein Blumenhändler sein“.

Zielgruppe: Fan bis Fortgeschrittener

Als Zielgruppen umreißen die Macher zum einen die Fans der jeweiligen Protagonisten, aber auch rationale Nutzer, denen es um handwerkliche Kniffe geht, sowie Menschen, die an Life-Coach-Business interessiert sind – – und zum Beispiel wissen wollen, wie Jürgen Klopp motiviert und Teams bildet. Der Fußballtrainer des FC Liverpool gehört mit Thomas Gottschalk, Senta Berger, Roland Emmerich und Dr. Müller-Wohlfahrt zur nächsten VIP-Runde der Lauterbach-Schule.

„Ich gebe zu, ich war zunächst skeptisch“, sagt etwa Krimiautor Sebastian Fitzek, der in seinem Onlinevideo übers Schreiben spricht. Aber gerade die Professionalität und der Aufwand der Produktion haben den Bestseller-Schreiber am Ende überzeugt. „Da war ein Set aufgebaut – fast größer als bei einem Kinofilm.“

Fitzek will in seinem Meisterkurs jenen Orientierung geben, die schon erste Schritte als Autor gegangen sind und konkrete Handwerksfragen haben. Menschen, die er auch immer wieder auf seinen Lesungen trifft. „Mein Beitrag ist eher ein Kompass und kein Rezept zum Nachbacken, um am Ende auf einer Bestsellerliste zu landen.“

Life-Coaching vom Star. Quelle: Meet Your Master/ Dieter Rosen
Onlinekurs von Krimiautor Fitzek

Life-Coaching vom Star.

(Foto: Meet Your Master/ Dieter Rosen )

Große Hoffnungen setzt der Gründer darauf, dass seine Online-Lessons zu Geburtstagen oder Festen verschenkt werden. Man arbeitet an einem Coupon. Seine Vision sei, dass in zehn Jahren ein verzweifelter Vater seinem unschlüssigen Sohn sagt: „Hier hast Du ein Abo, da ist alles über gute Berufe drin. Das ist Dein Casting.“ Dann ginge es nicht mehr wie heute um Schauspieler und Sänger, sondern um Gärtner, Schreiner oder Landwirtschaftsingenieure, die in ihrem Beruf Spitze sind.

Wer zum Start dabei sein will, muss jeweils 89 Euro für die Lernvideos des „Master“ zahlen. Dafür gibt es auch ein „Masterbook“ mit Hintergrundmaterial und Aufgaben. Irgendwelche Lernkontrollen und didaktische Beratung gibt es nicht. Die Didaktik hätten die Stars in sich, später aber könne es ein Feedback zu Lernerfolgen geben, sagt Lauterbach. Den Verkaufspreis nennt er „unglaublich fair“, die Nutzer bekämen bis zu neun Stunden Videomaterial.

Schließlich fallen hohe Kosten an und die gewonnenen „Master“ werden an den Umsätzen beteiligt: „Es ist bei keinem Master leicht, ihn zu bekommen, außer bei mir, da war es ein Kinderspiel.“ Vor allem über Social Media, Mund-zu-Mund-Propaganda und eigene Interviews will der Fernsehstar die Werbetrommel rühren. Man wird ihn oft bei „Markus Lanz“ und anderen Talkshows sehen.

Ist das Ganze vielleicht auch ein Abenteuer, ein letzter Kick für jemanden, der in der deutschen Filmbranche schon alle Erfolge hatte? „Dafür steht zu viel auf dem Spiel“, antwortet Heiner Lauterbach, „in 20 Jahren wird man es vielleicht so klassifizieren. Es ist in erster Linie eine extrem sinnvolle Betätigung. Ich bin schon für so vieles angesprochen worden, zum Beispiel ein Café oder eine Bar aufzumachen. Das alles brauche ich nicht. Wer ein paar Fußabdrücke in den Geschichtsbüchern hinterlassen will, ist bei uns richtig aufgehoben.“

Regieanweisungen für Fortgeschrittene. Quelle: Meet Your Master/ Dieter Rosen
Nico Hofmann, Chef des Filmunternehmens UFA

Regieanweisungen für Fortgeschrittene.

(Foto: Meet Your Master/ Dieter Rosen )

Aber hätte Lauterbach als junger Mensch eine solche Hilfe wirklich genutzt? Klar, „viele Erfahrungen muss man selbst machen“, erwidert er: „Doch in gewisse Fettnäpfchen muss man am Filmset nicht treten.“ So würden Anfänger regelmäßig den Regisseur nerven statt den Second Assistant Director oder wären bei Großaufnahmen zu unvorsichtig: „Die lassen einen großen Schauspieler glänzen und dekuvrieren einen schlechten.“

Das Master-Glück der Lauterbachs wird am Ende auch davon abhängen, Investoren zu finden. In diesem Jahr geht es um Deutschland, Österreich und Schweiz, dann soll noch stärker internationalisiert werden. Es kann ja auch gut sein, dass „Master Class“ schon bald von den USA aus nach Europa expandiert. „Wir sind offen für weitere Investoren“, sagt Lauterbach, „hierzu befinden wir uns bereits in ersten Gesprächen.“ Er komme nicht aus der Bankerwelt und mag Begriffe wie „Production value“ nicht, könne aber „unser Anliegen auch so verdeutlichen“.

Auch hat Lauterbach mit den Start-up-Oldies Carsten Maschmeyer, Georg Kofler und Thomas Haffa geredet. Die seien alle begeistert gewesen, erwähnt der Gründer, „aber es gibt auch keinen Film, bei dem die Muster vorher nicht fantastisch waren – und doch war der Kinosaal nicht immer voll.“ Der Markt ist eben unberechenbar wie eine Hollywood-Diva. Er könne erstklassige Filmqualität garantieren, ergänzt der Gründer, das sei nicht kopierbar.

Aber was ist mit den Tipps, die Über-Experten per Video verbreiten? Warum soll jemand sein Erfolgsgeheimnis teilen, wenn es doch seine Sonderstellung begründet? Das fragt man sich intern jetzt auch beim Pokerweltmeister, der akquiriert werden soll. Die schon versammelten „Master“ würden das „nicht des Geldes oder des Ruhmes oder der Ehre wegen“ machen, erklärt Lauterbach: „Das haben die alles schon. Es geht um die leidenschaftliche Vermittlung, um die Freude am Lehren.“

Und doch hat der Initiator von „Meet Your Master“ selbst in Interviews immer wieder ausgeführt, dass in seiner Karriere das Glück eine große Rolle gespielt hat. Für 89 Euro ist es nicht zu kaufen, hier endet die Weisheit eines Masterbooks. „Glück ist auch, dass man Talent hat“, definiert Lauterbach zur Entgegnung: „Es gibt nichts Schlimmeres, als erfolgreiche Menschen, die mit ihren Erfolgsrezepten nerven und den Faktor Glück vergessen. Aber man kann auch lernen, auf das Glück zuzugreifen.“

Mitarbeit: Lazar Backovic

Mehr: Das Buch „Personal Branding“ von Christopher Spall und Holger J. Schmidt ist ein Leitfaden zur Eigenvermarktung. Lesen Sie hier, was CEOs von Cristiano Ronaldo lernen können.

Startseite

Mehr zu: Neue Karrierewege - Wenn Stars zu Lehrern werden

0 Kommentare zu "Neue Karrierewege: Wenn Stars zu Lehrern werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.