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Neue Konkurrenz aus Asien Europa lockt chinesische Netzausrüster

Die Branche der Telekomausrüster kommt nicht zur Ruhe. Kaum haben die großen Spieler wie Ericsson, Alcatel-Lucent, Nortel oder Nokia-Siemens-Networks ihr Heil in Fusionen und damit verbundenen Größenvorteilen gesucht, treten neue Konkurrenten aus China auf den Plan.
  • Sandra Louven und Helmut Steuer

DÜSSELDORF/STOCKHOLM. Die chinesischen Konzerne Huawei und ZTE sind dabei, sich zu globalen Anbietern zu mausern und wollen sich von dem neuen Mammutprojekt der Branche, dem Bau von Netzen, die ausschließlich auf Internet-Technik basieren, ein ordentliches Stück abschneiden.

„Der europäische Markt ist für uns sehr wichtig, nicht zuletzt, weil wir hier lernen können“, sagt Haiping Che, Software-Chef von Huawei, dem Handelsblatt. Und fügt hinzu: „Noch sind wir hier sehr klein, aber wir haben großes Wachstumspotenzial.“ 2006 setzte der Konzern in Europa rund eine Mrd. US-Dollar (761 Mill. Euro) um – etwa ein Sechstel des gesamten Umsatzes. Diesen Anteil will Huawei aber deutlich steigern. Selbstbewusst erklärt Che, dass sich sein Unternehmen im Heimatmarkt China gegen sämtliche ausländischen Konkurrenten durchsetzen musste. „Wenn wir das dort geschafft haben, werden wir es auch hier schaffen“, sagt er. Huawei habe bereits wichtige Mobil- und Festnetz-Aufträge in Konkurrenz zu den etablierten Anbietern ergattert. Sowohl die niederländische KPN, Vodafone in Spanien als auch British Telecom hätten sich für die chinesischen Produkte entschieden.

Dabei lässt Huawei nichts unversucht, um sich Preisvorteile zu verschaffen. Derzeit verlegt das Unternehmen seinen Europa-Hauptsitz von London nach Düsseldorf. „Aus Kostengründen“, sagt Che mit Blick auf die hohen Londoner Mietpreise. In der Ausrüster-Branche ist sogar zu hören, die chinesischen Anbieter offerierten Dumpingpreise, um bei europäischen Kunden den Fuß in die Tür zu bekommen. Ein Argument, dass die chinesischen Manager gar nicht gern hören: „Wir haben deutlich niedrigere Forschungs- und Entwicklungskosten in China“, hält Che dagegen. Sein Konzern gibt jährlich etwa zehn Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Und rund die Hälfte der 60 000 Mitarbeiter arbeiten in der Entwicklung.

Die Top Netzausrüster im Überblick

Die Top Netzausrüster im Überblick

Auch der chinesische Konkurrent ZTE will wachsen und in den nächsten zwei bis drei Jahren in Europa einen Marktanteil von etwa zehn Prozent erreichen. Das sagte Europachef Lin Cheng dem Handelsblatt. Derzeit hat der Konzern in Europa zwar bereits einige Kunden wie Vodafone oder Telefónica, der Marktanteil sei aber nur sehr klein. Ebenso wie Che betont auch Cheng, der Preis sei nicht das entscheidende Argument, mit dem er seine Dienste anbiete. „Wir sind Newcomer und bringen neue Lösungen und Denkansätze. So könne ZTE innerhalb von drei Monaten ein komplettes Netz bauen, das zehn Millionen Menschen anschließe. Möglich seien solche Angebote unter anderem durch die Erfolge der eigenen Forschung: 35 Prozent der 31 000 ZTE-Beschäftigten arbeiten im Bereich F+E.

Die Chinesen sind aber nicht der einzige Grund für die Preiserosion in der Branche. Auslöser waren vor drei bis vier Jahren die Netzbetreiber, die ihrerseits sparen mussten und den Druck an die Ausrüster weitergegeben haben: Mobilfunker wie Vodafone oder T-Mobile mussten nach der milliardenteuren Ersteigerung von UMTS-Lizenzen einen immensen Schuldenberg abbauen und sehen sich seit zwei Jahren mit gesättigten Märkten konfrontiert. Bei den Festnetzbetreibern sieht es nicht besser aus: Das Telefonnetz ist ein Auslaufmodell, und im Wachstumsmarkt für schnelle Internetanschlüsse (DSL) tobt bereits heute ein enormer Preiskampf.

Konsolidierung

Im Vorteil: Anbieter wie die chinesischen Konzerne Huawei und ZTE sehen sich gegenüber ihrer westlichen Konkurrenz im Vorteil, weil sie – anders als die großen, etablierten Wettbewerber – derzeit keine Firmenintegrationen nach einem Zusammenschluss stemmen müssen.

Fusionen: Alcatel-Lucent will nach der Fusion innerhalb von drei Jahren 12 500 Stellen streichen, davon nach Gewerkschaftsangaben 1 000 in Deutschland. Der kanadische Anbieter Nortel, der seit Jahren in der Branche als Übernahmekandidat gilt, will bis Ende 2008 noch einmal 2 900 Jobs streichen. Konkurrent Nokia Siemens Networks hat 6 000 bis 9 000 Beschäftigte auf der Kürzungsliste. Weltmarktführer Ericsson hat mit Marconi, Redback und Entrissphere gleich drei Unternehmen übernommen und seit 2000 fast die Hälfte seiner ehemals 110 000 Arbeitsplätze gestrichen.

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