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Neue Strategie Pro Sieben Sat 1 verschreckt die Anleger

Der neue Chef Max Conze will investieren. Für die Aktionäre der Sendergruppe brechen damit erst einmal härtere Zeiten an.
Update: 08.11.2018 - 10:29 Uhr 1 Kommentar
Für 250 Millionen Euro sollen eigene Aktien zurückgekauft werden. Quelle: dpa
Pro Sieben Sat 1

Für 250 Millionen Euro sollen eigene Aktien zurückgekauft werden.

(Foto: dpa)

MünchenMax Conze kürzt die Dividende – und die Aktionäre fliehen in Scharen. Der Aktienkurs von Pro Sieben Sat 1 ist am Donnerstag zeitweise um fast 17 Prozent auf rund 17,30 Euro eingebrochen. Das war der tiefste Stand seit gut fünf Jahren.

Der neue Vorstandschef kündigte an, die Ausschüttungsquote massiv zu beschneiden. Statt bislang 80 bis 90 Prozent des um Sondereffekte bereinigten Konzernüberschusses sollen die Anteilseigner vom kommenden Jahr an nur noch 50 Prozent erhalten.

Der Manager ist erst seit Anfang Juni im Amt und hat jetzt per Ad-hoc-Mitteilung sein Wachstumsprogramm präsentiert. Ein wichtiger Bestandteil: Der 49-Jährige will weniger an die Anteilseigner verteilen, dafür aber mehr investieren. Er sei sehr zuversichtlich, dass er den Konzern in eine glänzende Zukunft führen könne, sagte Conze am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

Dazu müsse sich aber einiges ändern. Das Unternehmen sei zu kompliziert und habe die Kunden aus den Augen verloren. „Hier kann vieles besser werden“, unterstrich der ehemalige Chef des britischen Staubsaugerherstellers Dyson.

Ziel sei es, den Umsatz von Deutschlands größter privater Sendergruppe in den nächsten fünf Jahren von derzeit vier auf sechs Milliarden Euro zu steigern. Kräftig klettern soll auch der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), und zwar um die Hälfte auf 1,5 Milliarden.

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Um das zu erreichen, will Conze vermehrt eigene, lokale Filme und Serien ausstrahlen. „Darin wurde nicht genügend investiert“, kritisierte er. So will Conze mehr Zuschauer erreichen und damit letztlich die Werbeeinnahmen steigern.

Gleichzeitig will er seine digitalen Plattformen ausbauen, um die Kunden über alle Verbreitungswege zu erreichen und dort Reklame zu verkaufen. Zudem soll die E-Commerce-Sparte NuCom stark zulegen. Darin hat der Konzern Beteiligungen wie Verivox, Parship oder Jochen Schweizer gebündelt.

Der Zukunftsplan kostet allerdings erst einmal einen Haufen Geld. 120 Millionen Euro will Conze kommendes Jahr zusätzlich investieren, nicht zuletzt in deutschsprachige Inhalte und neue Technologien. Pro Sieben Sat 1 braucht dringend einen Schub. So hat Conze am Mittwochabend das Umsatzziel für 2018 kassiert. Der Konzern geht nun von einem Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich auf rund vier Milliarden Euro aus.

Bisher hatten die Münchener ein Plus von etwa fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr in Aussicht gestellt. Bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte sei mit einem Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich zu rechnen.

Analysten halten den Kurssturz für übertrieben

Um mehr Raum für deutschsprachige Sendungen zu bekommen, will Conze einerseits weniger, andererseits bessere Ware von den US-Studios abnehmen. Die bestehenden Verträge müssen dafür neu verhandelt werden, das könnte das Ergebnis 2018 mit bis zu 400 Millionen Euro belasten.

Mit Warner Bros. habe sich das Unternehmen bereits geeinigt, sagte er. Die Übereinkunft stelle „einen qualitativ optimierten Zufluss sicher und weist einen erheblich verbesserten Rechteumfang auf“.
Im dritten Quartal ist der Umsatz um ein Prozent auf 892 Millionen Euro geklettert. Der bereinigte Konzernüberschuss brach um knapp ein Viertel auf 75 Millionen ein.

Dies lag Firmenangaben zufolge unter anderem an höheren Ausgaben fürs Programm. „Die Quartalszahlen fielen weitgehend im Rahmen der Erwartungen aus, aber die Kürzung der Dividende und die Prognoseänderung für 2018 sind eine negative Überraschung“, urteilte Analyst Christoph Bast von Bankhaus Lampe.

Daniel Kerven von JP Morgan wertet die angekündigten Investitionen in der TV-Sparte positiv. Er sei vor diesem Hintergrund optimistischer, dass der Konzern sein Wachstumsziel von fünf bis sechs Prozent erreicht und auch die erhoffte Rendite. Barclays-Experte Julien Roch hält den Kurssturz für übertrieben. Investoren werteten die schlechten Nachrichten stärker als die guten und ignorierten die mittelfristigen Perspektiven.

Die Aktien des Konkurrenten RTL gerieten am Donnerstag in den Abwärtsstrudel von Pro Sieben Sat 1 und verloren gut sieben Prozent auf ein Rekordtief von 52,20 Euro. RTL allerdings bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr.

Immerhin, eine gute Nachricht gibt es für die Investoren von Pro Sieben Sat 1. In den nächsten ein, zwei Jahren will Conze für eine Viertelmilliarde Euro eigene Aktien zurückkaufen und damit wenigstens ein bisschen Kurspflege betreiben. Der Kurs ist seit Jahresbeginn um rund ein Drittel abgestürzt. Im Frühjahr war Pro Sieben Sat 1 aus dem Dax geflogen.

Für kommenden Mittwoch hat Conze Investoren und Analysten zum Kapitalmarkttag ins Hauptquartier eingeladen. Er wird viele Fragen zu beantworten haben.

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