Nokia will wieder Handys bauen Der Saurier kehrt zurück

Nokias Sturz vom Handy-Thron war tief und schmerzhaft. Doch der finnische Riese hat sich berappelt – und arbeitet nun am Smartphone-Comeback. Mit altem Glanz und neuer Strategie könnte das sogar gelingen.
Kommentieren
Der finnische Konzern will wieder ins Handygeschäft einsteigen. Quelle: ap
Nokia-Klassiker

Der finnische Konzern will wieder ins Handygeschäft einsteigen.

(Foto: ap)

StockholmFür Lars Söderfjell ist die Sache klar: „Nokia“, sagt der Analyst der finnischen Ålandsbanken, „ist in vielen Teilen der Welt noch immer eine ganz starke Marke“. Der ehemalige Handy-Weltmarktführer aus Espoo bei Helsinki hat am späten Montagabend in einer kurzen Mitteilung bekanntgegeben, dass er nach einem Partner sucht, der die Produktion, den Vertrieb und das Marketing neuer Smartphones unter dem Namen Nokia übernimmt. Der einstige Branchenprimus plant also ein Comeback, nachdem er im vergangenen Jahr seine Handy-Sparte komplett an den US-Software-Riesen Microsoft verkauft hatte.

Zuvor erlebte Nokia, das zu seinen besten Zeiten nahezu jedes zweite Handy auf der Welt produzierte, einen beispiellosen Fall vom Branchenprimus zu einem der größten Verlierer der hartumkämpften Telekommunikationsbranche. Der Konzern hatte die Anziehungskraft von Apples iPhone völlig unterschätzt und sich auf seinen Erfolgen ausgeruht. „Apple versteht doch gar nichts von unserer Branche“, sagte damals ein Nokia-Manager dem Handelsblatt auf die Frage, wie sich denn sein Konzern auf den neuen Konkurrenten vorbereite.

Das Ergebnis dieser Arroganz ist hinlänglich bekannt: Nokias Weltmarktanteil sank binnen kürzester Zeit von über 40 Prozent auf unter 20 Prozent. Der in höchster Not gerufene neue Nokia-Chef, Stephen Elop, zog die Reißleine und verordnete dem Unternehmen eine bittere Medizin: Neben einem rigorosen Stellenabbau entschied er, dass Nokia künftig Smartphones mit dem Betriebssystem Windows seines alten Arbeitgebers Microsoft herstellen und das hauseigene, aber in die Jahre gekommene Symbian-System verschrotten sollte.

Der Versuch, an alte Glanztage wieder anknüpfen zu können, scheiterte. Die Nokia Lumia-Geräte erwiesen sich als Ladenhüter. Im Herbst 2013 kam dann das, worüber zuvor schon spekuliert worden war. Nokia verkaufte die gesamte Handy-Sparte für knapp 9,5 Milliarden Dollar an Microsoft. In Finnland, wo Nokia zu einer Ikone der Wirtschaft und zum Stolz einer ganzen Nation geworden war, saß der Schock tief.

Das Nokia-Handy kommt zurück
Wieder da
1 von 15

Das Nokia Lumia 925 Smartphone trug den Markennamen noch: Damit machte Microsoft Schluss. Nun kehrt die Marke zurück. Nokia hat mit dem neu gegründeten Unternehmen HMD eine Lizenzvereinbarung getroffen. Für die kommenden zehn Jahre soll das Unternehmen Tablets und Mobiltelefone herstellen. Dafür ist es bereit, die Rechte von Microsoft zurückzukaufen.

Windows kauft Handy-Geschäft von Nokia
2 von 15

Microsoft hatte die Handysparte des finnischen Unternehmens 2014 für knapp 9,5 Milliarden Dollar gekauft und verzichtete auf die Marke Nokia. Ein Flop, wie sich später rausstellte: Der erhoffte Zuwachs im Smartphone-Markt blieb aus. Nokia selbst verschwand indes nicht, baute aber keine Handys mehr, sondern setzte auf Netzwerktechnik – zumindest bisher. Dabei hatte das finnische Unternehmen die Entwicklung der Mobiltelefonie geprägt.

Die ersten Mobiltelefone
3 von 15

„Connecting people“ lautete der Slogan von Nokia. Und in der Tat hat das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Menschen verbunden – früher mit den ersten, koffergroßen Telefonen für unterwegs, zwischendurch mit Bestsellern wie dem 5110, später mit den Lumia-Smartphones.

Mobira Senator
4 von 15

1982 stellte Nokia sein erstes Mobiltelefon vor, das heute nicht besonders mobil wirkt: Das Modell Mobira Senator ließ sich mit einem Tragegriffs aus dem Auto heben. Zumindest wenn man kräftig zupackte, wog das Gerät doch knapp zehn Kilogramm. Nach wenigen Stunden musste es wieder aufgeladen werden. Damals war es indes eine Sensation.

Mobira Cityman
5 von 15

Nokia arbeitete daran, seine Telefone zu schrumpfen. Ende der 1980er Jahre brachte das Unternehmen den Mobira Cityman heraus – hier in einer Aufnahme von 2010 in der Hand des damaligen Nokia-Chefs Olli-Pekka Kallasvuo. Dieses 800 Gramm schwere und 10.000 D-Mark teure Gerät hatte nur noch die Ausmaße eines großen Telefonhörers. Berühmtheit erlangte es, als Michail Gorbatschow damit während eines Deutschland-Besuches 1989 in Moskau anrief und sein Büro über die Wiedervereinigungspläne informierte.

MikroMikko
6 von 15

Wenig bekannt: Nokia entwickelte bereits in den 1980er Jahren Computer, hier ein Gerät der vierten Generation. Anfang der 1990er Jahre verkaufte das Unternehmen die Sparte aber.

Nokia 1011
7 von 15

Mit der Zeit wurden die Mobiltelefone immer kompakter – so auch das Nokia 1011, das Ende 1992 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Besonderheit: Es war das erste massentaugliche Gerät, das mit dem Mobilfunkstandard GSM lief. In den Speicher passten 99 Telefonnummern.

Mittlerweile haben sich die für ihren Pragmatismus bekannten Finnen an das „neue Nokia“ gewöhnt. Der Konzern konzentrierte sich auf die Entwicklung und Herstellung von Mobilfunknetzen und ist neben Ericsson aus Schweden und Huawei aus China einer der Marktführer. Außerdem gehört zum Rest-Nokia noch die Sparte Here, die digitale Karten und Navigationsdienste entwickelt. Dieser Bereich steht allerdings zum Verkauf, ein Konsortium aus Audi, BMW und Mercedes-Benz gilt als potenzieller Käufer.

Die Rückkehr ins Handy-Geschäft hat in Finnland nur noch für ein Achselzucken gesorgt. „Na ja, wenn sie einen guten Partner finden, ist das sicherlich Okay“, erklärte ein Passant, der gerade in einem Handy-Geschäft in Helsinki nach einem neuen Modell suchte.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Geringeres Risiko mit altem Glanz
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nokia will wieder Handys bauen - Der Saurier kehrt zurück

0 Kommentare zu "Nokia will wieder Handys bauen: Der Saurier kehrt zurück"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%