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NXP-Übernahme Qualcomms 44-Milliarden-Deal wird Opfer des Handelsstreits

Im Handelskonflikt zwischen China und den USA gibt es das erste prominente Opfer: Qualcomm gibt die Übernahme des Konkurrenten NXP auf. 
26.07.2018 Update: 26.07.2018 - 08:30 Uhr Kommentieren
Der Chiphersteller erklärt den Kauf als gescheitert.  Quelle: Reuters
Qualcomm

Der Chiphersteller erklärt den Kauf als gescheitert. 

(Foto: Reuters)

Schanghai Der amerikanische Chiphersteller Qualcomm gibt nach mehr als 21 Monaten die rund 44 Milliarden Dollar teure Übernahme des niederländischen Halbleiterspezialisten NXP auf.

Stattdessen will Qualcomm eigene Aktien von den Anteilseignern für 30 Milliarden Dollar zurückkaufen. Mit dem Rückzieher muss der Konzern gemäß bisherigen Vereinbarungen zwei Milliarden Dollar an NXP zahlen.

Damit ist der Deal eines der ersten und prominentesten Opfer des Handelskrieges zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt. Denn für die Übernahme fehlte noch die Freigabe chinesischer Wettbewerbsbehörden, nachdem die anderen acht Märkte ihre Erlaubnis erteilt hatten. 

Dafür hatte der Chiphersteller sogar die Offerte an NXP, der 2017 einen Umsatz von 9,3 Milliarden Dollar einfuhr und rund 30.000 Mitarbeiter beschäftigt, im April verlängert. Doch inzwischen glaubt Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf nicht mehr, „dass sich das jetzige geopolitische Umfeld ändern“ werde, wie er laut „Wall Street Journal“ einigen Analysten gesagt haben soll. 

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    Er hatte den chinesischen Behörden eine Frist bis Mitternacht Ortszeit gesetzt, um den Deal freizugeben. Bis jetzt gibt es keine Reaktion aus Peking.

    Selbst Fürsprecher wie US-Finanzminister Steven Mnuchin und Handelsminister Wilbur Ross konnten Peking nicht erweichen – oder vielleicht auch gerade deswegen. Der Qualcomm galt nämlich nicht nur als Geschäftsentscheidung, sondern war ein Politikum.

    Qualcomm wird zum nationalen Champion der USA

    Mitte März hatte Washington die 117 Milliarden Dollar teure Übernahme von Qualcomm durch den Technologiekonzern Broadcom verhindert. Als Begründung für die Intervention hieß es, dass Qualcomms Technologie zu wichtig für die nationale Sicherheit Amerikas sei. Damit wurde das Unternehmen quasi zum nationalen Champion der USA im Wettbewerb mit China um den Vorrang beim schnellen Mobilfunkstandard 5G erkoren. 

    Ende März war der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskaliert. US-Präsident Donald Trump drohte Peking mit Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Ware im Wert von 50 Milliarden Dollar. China kündigte an, entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Während eine Fraktion in Washington vor allem auf die Reduzierung des Handelsdefizits fixiert war, sollen andere wie der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer den Konflikt vor allem als einen indirekten Kampf um die Technologie-Vormacht verstanden haben. 

    Dreimal trafen sich die Handelsdelegationen der beiden Länder, kamen jedoch zu keinem Kompromiss. Anfang Juli traten dann die Strafzölle in Kraft und wurden wiederum von China in gleicher Höhe beantwortet. Zudem drohte Trump dann mit weiteren Einfuhrabgaben auf chinesische Produkte in Höhe von 500 Milliarden Dollar. Da China vergangenes Jahr nur etwa 130 Milliarden Dollar an US-Waren importiert hatte, müsste es auf andere Methoden zurückgreifen, um Trumps Schlag proportional erwidern zu können. 

    Zwischendurch setzte sich Trump im Juni persönlich für den chinesischen Netzwerkgeräteanbieter ZTE ein und wandelte ein Verkaufsembargo, das zum Bankrott des Unternehmens geführt hatte, zu einer Geldbuße in Höhe von über einer Milliarde Dollar um. Beobachter gingen davon aus, dass Staatspräsident Xi Jinping sich mit einer Intervention für Qualcomm bedanken würde.

     

    Die gescheiterte Übernahme ist ein herber Rückschlag für Qualcomm, der dadurch unter anderem im Geschäft mit selbstfahrenden und vernetzten Autos stärken wollte. Die Annahme des Angebots lief schleppend, im Februar schraubte Qualcomm die Offerte auf insgesamt 44 Milliarden Dollar hoch. 

    Die Ankündigung kam während der Präsentation von Qualcomms neusten Quartalszahlen. In den Monaten zwischen März bis Juni stieg der Qualcomm-Umsatz im Jahresvergleich um vier Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn wuchs um 41 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Die Börsen reagierten auf diese Ankündigung und den ermutigenden Quartalszahlen positiv und legten zeitweise um mehr als sieben Prozent zu. 

    Lizenstreit mit Apple belastet den Konzern

    Qualcomm steckt in einem erbitterten Streit mit Apple, der das Geschäft belastet. Der iPhone-Konzern will niedrigere Lizenzzahlungen an den Chip-Spezialisten durchsetzen. Als Folge des Konflikts bekommt Qualcomm schon seit mehreren Quartalen keine Zahlungen mehr von iPhone-Zulieferern. 

    Qualcomm wirft Apple im Gegenzug Patentverletzungen vor. Die kommenden iPhone-Generationen sollen nun wohl ohne Qualcomm-Chips auskommen,. Apple griff bei früheren iPhones zumindest in einigen Regionen auf Kommunikations-Chips von Qualcomm zurück. In Europa wurden allerdings zuletzt nur iPhones mit Funkmodems von Intel verkauft.

    Qualcomms Entscheidung wurde während einer Annäherung zwischen den USA und der EU getroffen. Erst am Mittwochabend hatten Trump und der europäische Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sich darauf geeinigt, vorerst keine neuen Zölle mehr einzuführen. Die EU soll mehr Sojabohnen und Flüssiggas importieren, dafür wolle Washington die Zölle auf Aluminium und Stahl neu verhandeln. 

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