Online-Händler Die Amazon-Methode

Ein spannender Kampf: Amazon gegen den französischen Verlag Hachette und prominente Autoren wie Stephen King. Nun legt sich Jeff Bezos auch noch mit Disney an. Er muss ein Ökosystem schützen, das auf Dumpingpreise baut.
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Wachstum um jeden Preis: Amazon legt sich mit Zulieferern an

San FranciscoEs ist ein bisschen so wie bei dem Sprichwort: Beiße nicht die Hand, die dich füttert. Genau das macht jetzt Amazon. Das Futter, mit dem der Online-Händler sein Geld verdient, sind die Bücher und DVDs anderer Konzerne. Die greift Amazon nun immer härter an. Nach dem französischen Verlag Hachette legt sich Jeff Bezos nun auch mit dem US-Medienkonzern Disney an.

Kurz vor den Verkaufsstarts der DVDs hat Amazon die Funktion für Vorbestellungen in seinem Marktplatz deaktiviert. Wie zuerst das Fachblatt „Home Media Magazine“ bemerkte, waren davon nahezu alle Disney-Titel betroffen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon seine Geschäftspartner massiv unter Druck setzt. Die Situation mit Disney erinnert an Konflikte zwischen Amazon und Time Warner sowie aktuell dem Verlag Hachette. In beiden Fällen baute das Versandportal auf diese Weise Druck bei den Verhandlungen um neue Vertriebs-Deals auf. Warner-Filme waren deshalb von Mitte Mai bis Ende Juni nicht vorbestellbar. Ob sich zwischen Walt Disney und Amazon ähnliches anbahnt, ließ sich zunächst nicht aufklären. Die Unternehmen halten sich bislang bedeckt.

Für Amazon-Chef Jeff Bezos ist es zum Haare raufen. Die Verluste von Amazon im laufenden Quartal drohen 800 Millionen Dollar zu erreichen, Bezos muss hohe Investitionen in Film- und Videorechte bezahlen, Auslieferungscenter werden gebaut, und Konkurrenten wie Google fressen sich immer penetranter in die Geschäftsfelder von Jeff Bezos‘ gigantischer Onlinehandelsmaschine hinein.

Jetzt begehrt auch noch einer der bereits besiegt geglaubten Gegner wieder auf. Mit Hachette will der erste Großverlag nicht mehr zu Amazons Regeln mitspielen. Auch in Deutschland handelt sich der Onlinegigant immer mehr Ärger ein. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hatte bereits Ende Mai angekündigt, eine Kartellbeschwerde gegen Amazon zu prüfen. Indem das Unternehmen Bücher oder DVDs aus dem Angebot nimmt, sobald es mit einem Verlag oder einer Filmfirma verhandelt, nutze es seine Marktmacht aus, argumentierte der Börsenverein. Für die Verlage werde die Situation immer heftiger. Bislang ist die Kartellbeschwerde noch nicht durch – der Verein wartet noch auf die Antwort der Behörden, wie er auf Anfrage von Handelsblatt Online bestätigte. Kann Bezos diesen Aufstand der Zulieferer nicht niederschlagen, dann droht ein Flächenbrand.

In der New York Times fanden Leser am vergangenen Sonntag eine ungewöhnliche Großanzeige: Autoren hatten einen Protestbrief an Amazon geschrieben. Der Bestseller-Autor Douglas Preston und weitere 908 Schriftsteller haben den offenen Brief unterzeichnet, unter ihnen auch der Kult-Autor Stephen King.

Douglas Preston beschwert sich im Protestschreiben über die Methoden Amazons. Er wirft dem Onlinehändler vor, absichtlich Lieferengpässe bei Büchern zu verursachen, deren Verlage keine höheren Rabatte auf E-Books einräumen wollten. Der Verlag Hachette, für den Preston Krimis schreibt, gehöre dazu.

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6 Kommentare zu "Online-Händler: Die Amazon-Methode"

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  • Klaro, ditto.
    Angebot und Nachfrage regulieren den Markt; alte Weisheit.
    Sollen Disney & Cie sich doch im Selbstverlag versuchen, dann sehen was das kostet.

    Aus Kundensicht ist Amazon Spitze. Was soll ich Stunden durch den Großstadtdschungel irren um irgendwelche Kleinigkeiten zusammenzusuchen, wenn ich das bei Amazon in 10 Minuten zusammengklickt und am nächsten Tag frei Haus habe?

  • Da sieht man welche Macht ein "Quasi-Monopolist" hat, und welche Methoden "dreckigen" Methoden dann möglich sind. Auf der anderen Seite stehen aber auch "Quasi-Monopolisten" mit ihren Rechten die sie zu Höchstpreisen "vermarketn".

    Dass es gedruckte Bücher gibt - und die wird es immer geben - und Buchhandlngen finde ich essentiell für das Buchgeschäft. Der Service ist der gleiche (Liefergeschwindigkeit, Freundlichkeit und Kulanz etc).

    Daher: in dubio pro Buchhandlung. Ich sehe nicht ein, weswegen Amazon das große Geschäft machen soll, ohne die teure Infrastruktur vor Ort zu unterhalten. Wenn ich in der Buchhandlung ein gutes Buch finde, kaufe ich selbstverständlich dort, oder in deren online-shop.

    Vielleicht sorgt aber Amazon dafür, dass das antiquierte Buch- und Rechtegeschäft zeitgemäß wird. Das E-book gehört als Bestandteil des gedruckten Buches kostenlos als download bereitgestellt. Wenn ich auf das gedruckte Buch verzichte (kostenextensiv) will ich für ein E-book alleine nicht mehr als 20% des Preises bezahlen. Würden diese Rechte-Monster aus der Vergangenheit das verstehen, würde sie sich wundern wie die Stückzahlen explodieren.

    Und dann gibt es ja noch Leute, die gute E-books in gedruckter Form verschenken ...

    Fazit: Amazon bringt Schwung in die Bude, wenn auch mit "dreckigen" Steinzeitmethoden. Aber die entsprechen denen der Gegenseite, bei den unverschämten Rechtepreisen.

    Buchhändler und Autoren sind unsere Freunde - Rechteverwerter unsere Feinde. Um im Bild zu bleiben. Trotz allem kauf ich nur im Notfall beim Lohndumper, weil ich Wert auf die Inspiration und das Probelesen in der Buchhandlung lege.

  • Natürlich bietet Amazon einen tollen Service, gerade aus Kundensicht, nimmt defekte oder gebrauchte Ware zurück, ABER: Amazon verdient kein Geld. Eine alte (von mir verhasste Regel) leutet: der Gewinn liegt im Einkauf und gerade das versucht Amazon gerade.

    Das es in D eine Buchpreisbindung gibt mag man für richtig oder falsch halten, das Beispiel Disney zeigt aber, das es Amazon nicht wirklich um den Kunden geht, sondern um wettbewerbsvorteile.

    Amazon als AG macht keine Gewinne und kann dies alles nur duch die Phantasie der Börse finanzieren. Ein Umschwung zwichnet sich ab: Aktionäre wollen Gewinne sehen..

  • Als langjähriger Amazon-Prime-Kunde wundere ich mich sehr über das Bashing dieser Firma.

    Wenn man sich die deutschen Handelsluschen mit ihrem wenig kundenorientierten Wegduck-Personal anschaut und den Super-Service und das fast unbegrenzte Sortiment von Amazon damit vergleicht, ist klar, wohin der Weg geht.

    Die deutschen Internet-Bruchbuden verschwinden vom Markt und der Service-Gigant macht das Geschäft.

    Die deutschen Buchhändler mit ihrer Handelsspanne von fast 50%, geschützt von einer Preisbindung, die man als wettbewerbsrechtlich kriminell bezeichnen könnte, haben überhaupt keinen Grund zur Klage.

    Ich frage mich sowieso, wieso man Drecksliteratur wie "Feuchtgebiete" oder den ganzen Krimischeiss zu gebundenen Preisen auf den Markt bringen kann.

    Selbstverständlich sind die meisten ebooks mit einem Preisvorteil von lächerlichen 10% gegenüber der gedruckten und gebundenen Papierausgabe viel zu teuer.

    Ich werde Amazon weiterhin die Treue halten, egal wieviel der Mainstream basht.

  • Amazon hat Recht. Ich finde 9,99 für ein E-Book nicht als Dumping sondern angemessen und verglichen mit den Preisen von Apps sogar noch sehr hoch. Am eigenen Ast sähen finde ich relativ, irgendjemand muss die Produkte verkaufen und zur Zeit ist es Amazon. Amazon hat unbekannt und klein angefangen und wurde so groß und erfolgreich weil sie einen verdammt guten Job gemacht haben: Nirgendwo habe ich besseren Kundenservice kennengelernt.

  • Amazon wird es passieren wie ebay. Zum Ramschladen degradiert. Solange der Endkunde aber munter drauf zahlt ist alles bestens.

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