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Orlando Bloom und Cara Delevingne „Die TV-Serie ist nicht mehr der kleine Bruder des Kinofilms“

Orlando Bloom und Cara Delevingne sind in einer Amazon-Serie zu sehen. Im Interview berichten der Schauspieler und das Model, wie Streamingdienste das Filmgeschäft verändert haben.
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Die beiden Hollywoodschauspieler auf der Premiere der Amazon-Serie in Los Angeles. Quelle: AFP
Cara Delevingne und Orlando Bloom

Die beiden Hollywoodschauspieler auf der Premiere der Amazon-Serie in Los Angeles.

(Foto: AFP)

Berlin Ab November mischt Apple im Kampf um das beste Online-Angebot mit. Der Konzern will auf dem eigenen Streamingportal Apple TV+ exklusiv produzierte Sendungen, Filme und Dokumentationen zeigen. Ein Markt, der bereits von Anbietern wie Netflix und Amazon heiß umkämpft ist. Sie alle erreichen mit ihren Plattformen längst ein weltweites Publikum und versuchen hochkarätige Stars für ihre Projekte zu gewinnen.

Und Hollywood passt sich an: Galt früher noch der Kinofilm als die Königsklasse, sind mittlerweile einige bekannte Schauspieler in den Serien der Streamingdienste zu sehen. Schauspieler Orlando Bloom und Model Cara Delevingne konnten zuletzt die beiden Hauptrollen in einer Amazon-Serie ergattern.

Nun waren sie in Berlin, um die achtteilige Fantasy-Serie „Carnival Row“ zu präsentieren. In der Eigenproduktion von Amazon-Prime geht es um die schwierige Koexistenz von Menschen und mythischen Kreaturen. Es geht um Unverständnis und Vertreibung – also ganz aktuelle gesellschaftliche Themen. Das Handelsblatt hat die Hauptdarsteller Bloom und Delevingne für ein Interview getroffen.

Ms. Delevingne, Mr. Bloom, „Carnival Row“ ist für Sie beide die erste große Serienrolle. Eigentlich sind Sie bislang eher auf der Kinoleinwand zu sehen. Warum jetzt eine Amazon-Serie?
Delevingne: Es ging nicht um die Amazon-Serie, sondern um das spannende Projekt.
Bloom: Außerdem hat sich die Denkweise, dass die TV-Serie der kleine Bruder des Kinofilms ist, gewandelt. Ich sehe die Serie mehr wie einen Acht-Stunden-Film.
Delevingne: Und die Qualität bei diesen Produktionen ist hoch. Das war mir sehr wichtig.

Amazon Prime, Netflix und andere Streamingdienste verändern das Filmgeschäft. Was bedeuten das für Stars wie Sie? Höhere Gagen? Mehr Rollen-Auswahl?
Delevingne: Nein, wir bekommen keine höheren Gagen oder mehr Jobs. Ich denke, es ist vor allem für die Kreativen der Branche besser geworden.

Warum?
Delevingne: Die Kinofilme und Studios sind so riesig geworden, dass die Produzenten sehr viel Einfluss auf den kreativen Prozess haben.
Bloom: Außerdem erreichen die Schreiber mit ihren Projekten auf den Streamingportalen viel mehr Leute, als wenn sie ihre Ideen als kleine Independent-Filme im Kino rausbringen. Da ist es heutzutage hart für einen Film, seine Zuschauer zu finden.

Orlando Bloom als Polizei-Offizier Rycroft Philostrate mit der Fee Vignette, gespielt von Cara Delevingne. Quelle: Amazon
Szene aus „Carnival Row“

Orlando Bloom als Polizei-Offizier Rycroft Philostrate mit der Fee Vignette, gespielt von Cara Delevingne.

(Foto: Amazon)

Welche Zukunft hat das Kino denn noch?
Delevingne: Das ist die gleiche Frage, wie nach der Zukunft von Papiermagazinen. Ich glaube, es wird immer Menschen geben, die einfach dieses Kinofeeling mögen, mit Popcorn und Cola. Es ist einfach wunderschön auf einer großen Leinwand diese ganzen Details zu sehen.

Was und wie schauen Sie denn selbst?
Delevingne: Ich schaue eigentlich die meiste Zeit Serien. Das ist viel einfach auf dem Handy zu streamen als ins Kino zu gehen. Der letzte Kinofilm, den ich gesehen habe, war Rocketman.
Bloom: Ich habe einen achtjährigen Sohn, deswegen schaue ich momentan ganz viele Kinderfilme.
Delevingne: Es ist gibt einfach auch so viele Streamingserien, dass es unmöglich ist, nicht irgendwas davon zu schauen.

Trotzdem sind Produktionen von Streamingdiensten bei den Filmfestspielen in Cannes noch nicht zugelassen. Dabei hat die Netflix-Produktion „Roma“ dieses Jahr drei Oscars eingeheimst. Was denken Sie darüber?
Bloom: Ich glaube, das wird sich noch verändern.
Delevingne: Sie müssen das verändern. Das ist nur eine Frage der Zeit.

In Ihrer neuen Amazon-Fantasyserie „Carnival Row“ geht es im weitesten Sinn um Diversity, Flucht und das Fremde. Welche politischen Statements sehen Sie darin selbst?
Delevingne: Wenn du darüber sprichst, Menschen auszugrenzen, dann ist und war das schon immer rechtsextremes Gedankengut.
Bloom: Diese Diskussion über Flüchtlinge hat ja auch nicht erst gestern oder vorgestern angefangen. Das dauert schon hunderte von Jahren an und wir haben das Glück, mit unserer Serie zu einer Zeit rauszukommen, in der das Thema gerade wieder so relevant ist.
Delevingne: Aber ich denke, die Message, die die Zuschauer aus der Serie mitnehmen sollten, ist eine andere.

Welche wäre das?
Delevingne: Sie sollten verstehen, dass so eine Politik nicht die richtige Art ist, um zu führen und zu leben. Es ist einfach falsch, alles zu kontrollieren und Kulturen auszuschließen.
Bloom: Dabei geht es vor allem um Furcht. Eine unausgesprochene Furcht, die durch die Gesellschaft sickert, weil die Menschen so viel Angst vor dem Unbekannten haben.

Wie können wir das ändern?
Delevingne: Naja, es ist so, dass die Leute ihre Angst auf anderen Menschen begründen. Aber das stimmt so nicht. Wir hätten auch Angst, wenn wir für uns alleine in unseren Ländern leben würden.
Bloom: Empathie ist der richtige Weg. Wir sollten uns jeden Tag fragen, was wir hier gerade machen und versuchen, das Richtige für andere Menschen zu tun. Darum geht es: Du musst jeden Tag aufs Neue die richtigen Entscheidungen treffen.

Wenn man die Serie mit dem aktuellen Weltgeschehen vergleicht, denkt man an Flüchtlingswellen oder Trumps Mauer zu Mexiko. Wie politisch darf Unterhaltung überhaupt sein?
Delevingne: Ich glaube, Unterhaltung ist immer politisch. Selbst wenn sie nicht politisch sein möchte. Du kannst in eine Fantasy-Serie so viel hineininterpretieren.
Bloom: Die Zuschauer können durch eine Fantasy-Maske auf Krisen blicken und dann analysieren und vergleichen. Aber all das passiert auf unterhaltsame Weise.

Kommt die eigentliche Botschaft der Serie dann noch bei den Zuschauern an?
Delevingne: Ja, denn erst so können die Menschen über diese Dinge nachdenken und sich darüber unterhalten ohne die Angst, das Thema direkt benennen zu müssen. Wie hätte sich sonst die Welt verändern können, wenn die Politik nicht ständig in der Kunst, der Musik und in Filmen kommentiert werden würde.

In den Episoden fliehen Fabelwesen zu den Menschen in die Stadt. Quelle: Amazon
Amazon-Serie „Carnival Row“

In den Episoden fliehen Fabelwesen zu den Menschen in die Stadt.

(Foto: Amazon)

Sie sind beide Briten. Wie schaut man denn da auf die USA und Trump? Und auf Großbritannien und Johnson?
Delevingne: Es ist schwierig. Ich habe nicht damit gerechnet, was in der Welt gerade abgeht und dass es doch so viele Leute gibt, die dieser Weltansicht zustimmen und dahinterstehen.
Bloom: Ich war schockiert, als Trump zum Präsidenten gewählt wurde und habe mich gefragt, was da gerade passiert. Aber mittlerweile denke ich, dass es vielleicht sogar nötig war, damit die Welt heilen kann.

Wie meinen Sie das?
Bloom: Wenn diese Gedanken im Dunkeln bleiben und hinter verschlossenen Türen diskutiert werden, ist das gruselig und macht Angst. Aber nun sehen wir die Probleme und Ängste der Menschen und fangen hoffentlich an, darüber zu reden und zuzuhören.
Delevingne: Ich hoffe, dass die Risse durch die Gesellschaften so geheilt werden können.

Während wir über Ungerechtigkeiten in der Welt reden, gibt es auch eine in der Filmbranche. Laut aktueller Forbes-Liste verdienen die Top-10 der Film-Frauen zusammen 315 Millionen Dollar, die Top-10 der Männer mit 588 Millionen aber fast das Doppelte.
Delevingne: Das ist echt traurig. Aber der Unterschied ist nicht so groß wie ich dachte.

Wissen Sie denn, was der jeweils andere für die Serie bekommt?
Bloom: Wie bitte?
Delevingne: Ob wir wissen, was wir verdienen?

Ja, genau. Reden Sie darüber?
Bloom: Nein.
Delevingne: Nein, da rede ich ja auch nicht mit meinen Freunden drüber.
Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr: Mit „Apple TV+“ will der iPhone-Konzern in Kürze auch Netflix Konkurrenz machen. Ein Filmbudget in Milliardenhöhe soll den Erfolg garantieren.

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