Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Patrick Poon „Google würde die Zensur in China legitimieren"

Der China-Experte von Amnesty International warnt den Internetkonzern vor einer Rückkehr nach China. Sie wäre ein falsches Signal an die Welt.
Kommentieren
Amnesty International drängt Google darauf, nicht nach China zurückzukehren. Quelle: Reuters
Google in China

Amnesty International drängt Google darauf, nicht nach China zurückzukehren.

(Foto: Reuters)

Herr Poon, die chinesische Regierung hat zeitweise die Suchmaschine Bing blockiert. Wie bewerten Sie das?
Die Sperrung von Bing zeigt, dass die Regierung den Zugang zu missliebigen Informationen nicht mehr toleriert, egal wie gering dieser ist.

China lockt viele Konzerne: Google denkt über eine Rückkehr nach China nach. Was halten Sie davon?
Wir sind über die Pläne schockiert. Google zog sich 2010 aus China zurück, um sich gegen Zensur zu positionieren. Das wäre eine Abkehr von dieser Politik.

Was fürchten Sie?
Die Suchmaschinenanbieter müssen sich an die chinesische Zensurpraxis halten. Google würde sich kaum von lokalen Anbietern wie Baidu unterscheiden – mehr Informationen würde man sicher nicht bekommen.

Etwas mehr Auswahl gibt es im besten Fall schon. Warum halten Sie das denn für ein Problem?
Google würde die Zensur der chinesischen Regierung legitimieren. Es wäre ein gefährlicher Präzedenzfall: Wenn der größte Internetkonzern der Welt diese Taktik in China nutzt, wird er es auch woanders tun. Andere autoritäre Regime werden ebenfalls solche Regelungen fordern, auf Kosten von Meinungsfreiheit und Datenschutz.

Firmen müssen sich an die lokalen Gesetze halten – in Deutschland sind etwa Nazi-Symbole verboten. Wo sehen Sie die Grenze zwischen berechtigten Einschränkungen und Zensur?
Es gibt internationale Standards für Datenschutz und Meinungsfreiheit, zum Beispiel den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte der UNO. Das Verbot von Nazisymbolen in Deutschland hat wenig zu tun mit der radikalen Zensur in China. So lange Menschen nicht zu Gewalt aufrufen, müssen Regierungen ihre Ideen zulassen.

Haben Firmen wie Google denn überhaupt eine Chance, die chinesische Regierung zu beeinflussen?
Wahrscheinlich nicht. Aber Firmen können ihre Versprechen einhalten und damit ein klares Signal senden. Deswegen drängt Amnesty International Google darauf, nicht nach China zurückzukehren. Wenn politische Zensur akzeptiert wird, hat das globale Auswirkungen.

Wie sehen die Chancen nach der jüngsten Zensurwelle denn?
Unter so restriktiven Bedingungen sehe ich für Google einfach keine Aussicht auf Erfolg.

Herr Poon, vielen Dank für das Interview.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Patrick Poon - „Google würde die Zensur in China legitimieren"

0 Kommentare zu "Patrick Poon: „Google würde die Zensur in China legitimieren""

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.