Pearson trennt sich von Penguin Random House Bertelsmann will riesigen Buchkonzern komplett

Die Verlagsgruppe Penguin Random House veröffentlicht Tausende neue Bücher im Jahr von vielen Bestseller-Autoren. Jetzt will der britische Konzern Pearson aussteigen - zur Freude des Gütersloher Konzerns Bertelsmann.
Update: 18.01.2017 - 12:56 Uhr Kommentieren
Bertelsmann könnte sein Buchgeschäft weiter ausbauen – durch eine Komplettübernahme von Penguin Random House. Quelle: dpa
Buchverlag

Bertelsmann könnte sein Buchgeschäft weiter ausbauen – durch eine Komplettübernahme von Penguin Random House.

(Foto: dpa)

London/GüterslohDer britische Verlag Pearson hat wegen schwächelnder Geschäfte vor allem in den USA seine Gewinnziele für 2017 gesenkt und für 2018 einkassiert. Die Aktie des 173 Jahre alten Traditionshauses stürzte am Mittwoch um rund 28 Prozent ab und damit so stark wie noch nie. Die Papiere fielen auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2009.

 Dies ruft auch den Bertelsmann-Konzern auf den Plan. Denn Pearson erwägt nun einen Verkauf seines 47-Prozent-Anteils an der Gemeinschaftsfirma mit den Güterslohern, dem weltgrößten Buchverlag Penguin Random House. „Wir sind offen, unsere Anteile an Penguin Random House aufzustocken, sofern die wirtschaftlichen Konditionen angemessen sind“, kündigte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe umgehend an.

Die Ostwestfalen hatten zusammen mit den Briten 2013 ein Joint Venture gegründet und halten 53 Prozent. Die Gütersloher hielten dabei von Anfang an die Mehrheit von 53 Prozent und stellten mit Thomas Dohle den Vorstandsvorsitzenden. Die damalige Vereinbarung sah ab dem 1. Januar 2017 eine Ausstiegsoption für Pearson vor. Bertelsmann hatte von Anfang an Interesse an einem Teil der Pearson-Anteile gezeigt.

Das steckt im Medienriesen aus Gütersloh
Die Geschichte
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1835 gründete Carl Bertelsmann das Unternehmen in Gütersloh als Buchverlag – den C. Bertelsmann Verlag. Die ersten 100 Jahre des Unternehmens stehen programmatisch im Zeichen der christlichen-protestantischen Tradition. 1928 öffnete sich der Verlag für Belletristik. Während des zweiten Weltkrieges gab der Verlag völkisch-nationale, teilweise auch antisemitische Literatur heraus. In der Wiederaufbauzeit wandelte sich Bertelsmann vom mittelständischen Unternehmen zu einem globalen Medienkonzern. Wachstumstreiber war über Jahrzehnte der Lesering, der 2015 endgültig eingestellt wurde.

Bertelsmann heute
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2016 hat Bertelsmann hat einen Rekordgewinn eingefahren. Das Betriebsergebnis kletterte im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Zum Konzernverbund gehören die Fernsehgruppe RTL Group, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, das Musikunternehmen BMG, der Dienstleister Arvato, die Bertelsmann Printing Group, die Bertelsmann Education Group sowie das internationale Fonds-Netzwerk Bertelsmann Investments.

RTL Group
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Die RTL Group ist mit 53 Fernseh- und 28 Radiosendern Europas größter Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio. Die Mediengruppe, die von Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch geführt wird, gehört mehrheitlich (rund 75 Prozent) zu Bertelsmann.

Penguin Random House
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Random House fungiert als Dachgesellschaft für alle Bertelsmann-Verlage. 2013 fusionierte Random House mit Penguin Books, einem Verlag im Besitz der Mediengruppe Pearson, zum weltgrößten Publikumsverlag Penguin Random House. An dem Verlag hält Bertelsmann 53 Prozent und Pearson 47 Prozent der Anteile. Die eigenständige deutsche Sparte von Random House gehört Bertelsmann. Dazu gehören Verlage wie Goldmann, Blessing Verlag oder auch die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA).

Gruner + Jahr
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Gruner + Jahr (G+J) ist Europas größtes Druck- und Verlagshaus. Zu den Publikationen gehören Magazine wie „Stern“, „Capital“ und „Brigitte“, aber auch Beteiligungen am „Spiegel“, an Chefkoch.de und an der Henri-Nannen-Schule. Seit 2014 ist Bertelsmann der alleinige Eigentümer von Gruner + Jahr. Die Vorsitzende der Geschäftsführung ist Julia Jäkel.

BMG
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Mit BMG gründete Bertelsmann 2008 ein Musikunternehmen mit neuem Geschäftsmodell, das den Herausforderungen der digitalen Revolution auf dem Musikmarkt gerecht werden soll. Anders als sonst üblich werden Veröffentlichungs- und Aufnahmerechte aus einer Hand über eine gemeinsame Plattform international vertreten. BMG ist der viertgrößte Musikverlag der Welt. Zu den BMG-Künstlern gehört unter anderem Andreas Bourani.

Arvato
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Arvato ist ein international tätiger Outsourcing-Dienstleister. Das Unternehmen mit Sitz in Gütersloh ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Bertelsmann. Arvato beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 70.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern. Das Unternehmen gliedert sich in sieben sogenannten Solution Groups, die Geschäftsbereiche wie Call-Center, Adresshandel, Direktmarketing, Finanzdienstleistungen oder auch Cloud Computing umfassen.

Für die übrigen Anteile suche man einen Partner, der möglichst langfristig orientiert sei, sagte Rabe damals. Nun bekräftigte er das Interesse am Buchgeschäft als Kerngeschäft von Bertelsmann. „Strategisch würden wir so nicht nur eines unserer wichtigsten Inhaltegeschäfte stärken, sondern auch noch einmal unsere Präsenz in den USA, unserem zweitgrößten Markt, erhöhen.“

Bei Penguin Random House stehen Erfolgsautoren wie Paula Hawkins („Girl on the Train“) und John Grisham („Die Firma“) unter Vertrag. Zu der Gruppe gehören laut Bertelsmann rund 250 redaktionell unabhängige Einzelverlage, die jährlich mehr als 15.000 neue Bücher veröffentlichen. 2015 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Die Verlagsgruppe Random House in Deutschland ist nicht Bestandteil, sie gehört bereits vollständig zum Bertelsmann-Konzern, der 2015 mit 117.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 17,1 Milliarden Euro erzielte.

Zu Bertelsmann mit Sitz in Ostwestfalen zählen neben dem Buchverlagsgeschäft Europas größte Fernsehgruppe RTL, der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Dienstleister Arvato sowie eine Musikrechte-, Bildungs- und Investitions-Gruppe.

Pearson hat bereits die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ und seinen Anteil am Magazin „Economist“ verkauft, um sich stärker auf das Bildungsgeschäft zu konzentrieren. Hier müssen die Briten allerdings einen Dämpfer wegstecken. „Der Bildungssektor erlebt derzeit eine noch nie dagewesene Phase der Veränderung und Schwankungsanfälligkeit“, sagte Pearson-Chef John Fallon. Die Bildungssparte habe 2016 weiter und überraschend deutlich an Schwung verloren. Fallon räumte ein, er sei für einige Fehlentscheidungen im vorigen Jahr verantwortlich.

Die Briten planen eine geringere Dividende für das laufende Jahr. Der operative Gewinn dürfte nach Firmenangaben um rund 180 Millionen Pfund (etwa 205 Millionen Euro) niedriger ausfallen als noch vor Jahresfrist angepeilt. Nun erwartet Pearson nur noch eine Summe zwischen 570 Millionen und 630 Millionen Pfund. Für 2018 kassierte der Verlag seine Gewinnprognose komplett. Dies kam an der Börse nicht gut an. „Unser Punkt war und ist, dass Investoren keinen Durchblick haben wie diese Firma in fünf Jahren aussieht“, sagte Analyst Gary Paulin vom Finanzdienstleister Northern Trust Capital Markets.

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