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Huawei-Schriftzug

Der chinesische Konzern ist im Visier Washingtons.

(Foto: Bloomberg)

Petr Kellner Huawei-Konflikt bringt den reichsten Mann Tschechiens in Bedrängnis

Der Druck auf Huawei offenbart einen Zwiespalt für den tschechischen Milliardär Petr Kellner. Er betreibt nicht nur Mobilfunkunternehmen in Osteuropa, sondern vergibt auch Kredite in China.
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WienDie USA setzen viele Nato-Partner unter Druck, wegen angeblicher Spionage auf den chinesischen Technologiegiganten Huawei zu verzichten. Das bringt den reichsten Mann Tschechiens in Bedrängnis. Der 54-jährige Petr Kellner besitzt eine Reihe Mobilfunkunternehmen, darunter in Tschechien, Slowakei und auf dem Balkan.

Gleichzeitig ist Kellner mit seinem milliardenschweren Kreditunternehmen Home Credit in China sehr präsent. Einen Rauswurf von Huawei kann sich der Eigentümer der Industrieholding mit Sitz in Prag daher nicht leisten.

Der Druck auf Kellner und seines in Prag ansässigen, aber in Amsterdam registrierten Konzerns PPF wächst. Laut Bloomberg könnte Kellner bei einem Verzicht auf Huawei für seinen Telekomunternehmen zum möglichen Opfer einer Vergeltung durch die chinesische Regierung werden.

Sein auf Verbraucherkredite spezialisiertes Unternehmen Home Credit hatte 2017 einen operativen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 244 Millionen Euro.

„Die Position der PPF in China ist politisch sehr heikel, weil sie komplett von der staatlichen Aufsicht abhängig sind”, sagte Martin Hala von der Prager Denkfabrik Sinopsis laut Bloomberg. „Ihre Vereinbarung mit Huawei zum Aufbau von 5G-Netzen ist nicht bindend. Aber die Frage ist, was der Preis sein wird, wenn sie sich davon zurückziehen.“

Am Donnerstag ist der tschechische Ministerpräsident und Multimilliardär Andrej Babis in Washington zu Gesprächen. Der Chef der nationalpopulistischen Partei Ano wird US-Präsident Donald Trump treffen. „Babis hat es vor Präsident Milos Zeman geschafft, von Trump empfangen zu werden. Das ist ein Prestigeerfolg“, heißt es in Wirtschaftskreisen in Prag.

Tschechien steht wie andere Nato-Länder unter großem Druck, künftig auf Huawei beim Ausbau der Mobilfunknetze zu verzichten. In Prag wird davon ausgegangen, dass auch das Thema Huawei bei den Gesprächen in Washington eine Rolle spielen wird.

„Es gibt es niemanden in der Regierung, der Huawei nicht kritisch sieht“, sagte ein politische Analystin in Prag zur Koalition der Ano mit der sozialdemokratischen CSSD. Ministerpräsident Babis vertritt die Ansicht, dass alle EU-Staaten gemeinsam sich einigen müssen, wie sie ihre Kommunikationsinfrastruktur schützen wollen.

Der Konflikt zwischen China und den USA hat sich unterdessen am Donnerstag noch verstärkt. Als Antwort auf Spionagevorwürfe zieht Huawei gegen die US-Regierung vor Gericht. Man wolle gegen ein Verbot vorgehen, dass Behörden in den USA den Kauf und Einsatz von Huawei-Technologie und Dienstleistungen untersagt, teilte Huawei-Chef Guo Ping, an diesem Donnerstag am Firmensitz im südchinesischen Shenzhen mit.

Vor fünf Jahren erwarb Petr Kellner von der spanischen Telefónica die Mehrheit an deren Mobilfunktochter 02 in Tschechien und der Slowakei. O2 ist Marktführer in Tschechien. Vom norwegischen Telekomkonzern Telenor hat er im vergangenen Jahr für 2,8 Milliarden Euro das Geschäft in Bulgarien, Serbien, Ungarn und Montenegro übernommen.

Unter dem Dach der PPF sind Firmen aus den Bereichen Banken, Versicherungen, Telekommunikation, Energie und Immobilien im Wert von 38 Milliarden Euro versammelt. Heute ist die PPF von Tschechien über Slowakei, Serbien und Montenegro bis nach Russland, Kasachstan bis nach Vietnam und China aktiv.

„Wir beschäftigen 170.000 Mitarbeiter und zahlen Milliarden von Steuern in den Ländern, wo wir operieren“, sagt Kellner. In den vergangenen Jahren ist sein Konzern durch Zukäufe und organisches Geschäft nach seinen Aussagen jährlich um 41 Prozent gewachsen.

Alarmstimmung im Konzern

Die enge Verbindung zu den Chinesen wurden im Herbst 2014 beim Besuch von Staatspräsident Milos Zeman eingefädelt. Zeman lud Kellner ein, mit ihm an vertraulichen Verhandlungen mit Präsident Xi Jinping teilzunehmen.

Kellner revanchierte sich, indem er Zeman in seinem Privatflugzeug mit nach Tschechien zurücknahm. Dieses konnte den Weg von Peking nach Prag ohne Zwischenstopp zurücklegen, im Gegensatz zur Regierungsmaschine des Präsidenten. „Zeman ist sehr China-nah“, sagt eine Expertin in Prag.

Innerhalb der PPF herrscht Alarmstimmung, wie Unternehmensinsider bestätigen. Doch der öffentlichkeitsscheue Konzern gab bislang noch keine Stellungnahme ab. PFF äußert sich grundsätzlich nicht zur Geschäftsstrategie oder gar zu politischen Fragen.

Mel Carvill, bereits seit sechs Jahren in der Führungsspitze von Home Credit, sagte bereits im Februar in einem Interview mit dem Fernsehsender Seznam TV zum chinesischen Markt vorsichtig, dass es „dort immer die die Möglichkeit eines Kollateralschaden“ gebe, wenn sich die diplomatischen Beziehungen zwischen den zwei Ländern verschlechterten. Carvill ist bei Home Credit der Spezialist für politische Beziehungen.

Noch in diesem Jahr will Tschechien über eine Auktion die Frequenzen für 5G versteigern. Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern gibt es eine Diskussion, ob Huawei der richtige Partner ist. Der tschechische Präsident Zeman versteht sich unterdessen als Befürworter noch engerer Beziehungen zu China. Zeman fürchtet bei einem Vorgehen gegen Huawei, dass die milliardenschweren Geschäfte von Kellner beschädigt werden.

Zeman traf erst im Januar in seiner Prager Residenz Vertreter von Huawei zu Gesprächen. Huawei ist Konkurrent des schwedische Netzwerkausrüsters Ericsson und der finnischen Nokia.

Die USA und eine Reihe ihrer Verbündeten sehen die Technologie von Huawei als Bedrohungen für ihre Sicherheit. Die Chinesen sollen angeblich geheime Daten gesammelt und Geschäftsgeheimnisse ausspioniert haben. Huawei bestreitet die Vorwürfe der Amerikaner heftig.

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