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Photokina So versuchen kriselnde Kamerahersteller gegen das Smartphone zu bestehen

Das Smartphone setzt die Kamerakonzerne immer weiter unter Druck. Diese gehen damit höchst unterschiedlich um – was für einige schlecht enden könnte.
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Nikon, Canon und Co nahmen 2007, im Jahr der Vorstellung des ersten iPhone, in Deutschland mehr als doppelt so viel mit dem Verkauf von Digitalkameras ein als heute. Quelle: Steve Johnson; goodfreephotos.com
Digitalkamera gegen Smartphone

Nikon, Canon und Co nahmen 2007, im Jahr der Vorstellung des ersten iPhone, in Deutschland mehr als doppelt so viel mit dem Verkauf von Digitalkameras ein als heute.

(Foto: Steve Johnson; goodfreephotos.com)

Düsseldorf, Köln Wenn Rainer Führes versucht, das Geschäft mit Digitalkameras im Smartphone-Zeitalter zu verteidigen, erzählt der Canon-Deutschlandchef und Vorsitzende des Photoindustrie-Verbands (PIV) gern eine Urlaubsgeschichte. Sein Sohn sei fest davon überzeugt gewesen, dass er mit seinem nagelneuen Smartphone am Strand ein ebenso gutes Bild des Vollmonds schießen könne, wie der Vater mit seiner Spiegelreflexkamera.

Führes-Junior sei „dann wirklich erstaunt“ gewesen, erzählt der Canon-Manager, „als er den extremen Unterschied der Fotos gesehen hat“. Belichtung, Stabilität, Farbechtheit – all das könnten Smartphones längst nicht leisten, ist er überzeugt. Er geht davon, dass das auch die junge Smartphone-Generation vermehrt schätzen wird.

Ein Effekt auf die Umsatzzahlen ist bisher jedoch ausgeblieben. Seit Anbeginn des Smartphone-Zeitalters steckt die Branche in einer andauernden Krise. Das zeigt sich auch bei der Photokina, der Leitmesse für Fotografie, die am heutigen Mittwoch in Köln startet: Dort rückt das klassische Kamerageschäft zunehmend in den Hintergrund.

Dominiert wird der Kameramarkt von Sony, Nikon und Canon. Weltweit vereinen sie Angaben des Medienkonzerns Nikkei zufolge aktuell fast 90 Prozent der Marktanteile. In Deutschland liegt der Anteil der drei japanischen Konzerne laut einer konzerninternen Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, im Bereich der Vollformatkameras ohne Kompaktkameras für Juni 2018 gar bei 97 Prozent.

Umsatz-Absturz der beiden Branchenprimi

Sie alle sehen sich mit einem schrumpfenden Markt konfrontiert: Laut Prognose von PIV und Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) fällt der Umsatz mit Kameras in Deutschland in diesem Jahr auf 970 Millionen Euro – obwohl der Trend zu teureren Geräten neigt. Damit würde erstmals seit Jahrzehnten die Milliardenmarke unterschritten. „Das Smartphone wird hingegen weiter an Marktanteilen gewinnen“, sagt Christian Roos von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly.

Die Foto-Leitmesse in Köln geht über vier Tage. Quelle: Reuters
Photokina

Die Foto-Leitmesse in Köln geht über vier Tage.

(Foto: Reuters)

Die Marktforscher des Statista Consumer Market Outlook prognostizieren für die Zukunft keine Besserung: Bis 2021 soll der Kamera-Umsatz in der Bundesrepublik auf 898 Millionen Euro fallen. Noch 2007, im Jahr der Vorstellung des ersten iPhone, nahmen die Hersteller hierzulande mehr als doppelt so viel ein. Weltweit wurden 2017 ein Viertel der Anzahl an Kameras im Vergleich zu 2007 verkauft.

Grund für die Abwärtsspirale ist, dass Digitalkameras für Laien und Hobbyfotografen immer seltener noch einen Mehrwert bieten. Bis zur Mitte der Nullerjahre habe es gar keine Alternative zur Digitalkamera gegeben, „um schnell mal ein Bild zu machen“, sagte Canons Deutschland-Geschäftsführer Führes, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Dann kam das Smartphone.“

Bis vor einigen Jahren agierten Nikon und Canon noch als unangefochtenes Duopol. Doch der Nachfragerückgang im Zuge der Smartphones macht sich besonders in den Bilanzen der einstigen Branchenprimi bemerkbar.

Im Vergleich zu 2007 setzte Canon im vergangenen Jahr wechselkursbereinigt 3,4 Milliarden Euro weniger mit dem Verkauf von Kameras um – das sind elf Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Nikon kommt auf ein Minus von 1,7 Milliarden Euro, ein Anteil von 28 Prozent am Gesamtumsatz.

Beide verfolgen strategisch weiter das Ziel, den Markt in fast allen Bereichen zu bedienen. So entwickeln Nikon und Canon weiter Kompaktkameras, obwohl das Geschäft mit diesen grundsätzlich darbt. Mit technisch-hochwertigeren Modellen versuchen sie dabei, das Smartphone zu übertrumpfen.

„Die wenigen Anwender von Kompaktkameras, die es noch gibt, werden früher oder später auch fast ausnahmslos auf das Smartphone zurückgreifen“, äußerst Roos, der zahlreiche Mandanten aus der Kamerabranche vertritt, Zweifel an diesem Vorgehen. Seit 2013 hat sich der Umsatz mit Kompaktkameras geviertelt.

Anders hat sich der japanische Konkurrent Fujifilm aufgestellt, nachdem das Smartphone beliebter wurde. „Da wir im Segment der Kompaktkameras stark vertreten waren, hat uns das natürlich sehr getroffen“, sagte Christopher Brawley, Geschäftsführer der europäischen Digitalkamera-Tochter von Fujifilm, dem Handelsblatt.

Fujis Umsatz der Kamerasparte sank zwischen 2007 und 2012 wechselkursbereinigt um 2,2 Milliarden Euro. Dann trennte sich der Konzern weitestgehend vom Geschäft mit den Kompaktkameras. Mittlerweile ist der Umsatz wieder etwas gestiegen.

Auch an digitalen Spiegelreflexkameras halten Nikon und Canon weiter fest – trotz ebenbürtiger Abwärtsspirale in den Umsatzzahlen. 2018 soll gerade einmal noch ein Drittel (330 Millionen Stück) der Menge von 2012 verkauft werden. Nikon und Canon sind aber überzeugt, dass es sich hierbei nur um ein Zwischentief handelt.

Die Konkurrenz, die auf Spiegel verzichtet, geht indessen so weit, dass die Spiegelreflexkamera insgesamt vom Markt verschwinden könnte. Nicht einmal mehr Profis seien langfristig zu halten, heißt es. So verhandle Sony aktuell mit der Deutschen Presse-Agentur über einen Ausrüstervertrag, der keinerlei Spiegelreflexkameras enthalte, heißt es. Stattdessen soll ein neu entwickeltes Kameramodell die Anforderungen der Profis erfüllen, wie sie es bei Laien und Hobbyfotografen längst tun.

Seit 2010 erobern spiegellose Systemkameras die Elektronikmärkte. Mittlerweile beträgt der Anteil am Gesamtumsatz im deutschen Markt 30 Prozent. Statt eines Spiegelsystems gibt es hierbei einen elektronischen Sucher. Durch diesen Trick lassen sich kleinere Kameras bauen, die trotzdem durch verschiedene Wechselobjektive den Bedingungen der Umgebung angepasst werden können.

Das Unternehmen verpasste den digitalen Wandel und ging pleite. Dann kehrte Kodak zurück – als Technologiefirma. Quelle: dapd
Kodak

Das Unternehmen verpasste den digitalen Wandel und ging pleite. Dann kehrte Kodak zurück – als Technologiefirma.

(Foto: dapd)

„Krieg der Spiegellosen“

Vor fünf Jahren war Sony der erste der großen Hersteller, der diese Mode erkannte. Branchenkenner schätzen den Marktanteil des japanischen Konzerns bei spiegellosen Systemkameras im Vollformat auf mindestens 60 Prozent. Der Umsatz von Sonys Bildsparte sank seit 2013 entgegen dem Branchentrend um „nur“ zwölf Prozent. Und so wurde aus dem einstigen Duopol aus Canon und Nikon ein Dreigestirn.

Auch Fujifilm hatte bereits ab 2012 auf Spiegellose gesetzt, wenn auch im etwas kleineren APSC-Format, und setzt seit etwa drei Jahren fast ausnahmslos auf dieses System. Auf der Photokina präsentiert der Konzern seine erste spiegellose 100-Megapixel-Systemkamera.

„Spiegellose liegen zweifelsohne im Trend“, sagte Lukas Jufer, Geschäftsführer von Nikon Deutschland, dem Handelsblatt. Sein Unternehmen hatte jedoch wie auch Canon schon lange Zeit auf technisch ebenbürtige Spiegellose im Vollformat verzichtet. Erst Ende August stellte Nikon seine ersten zwei Modelle vor, Canon zog vor zwei Wochen nach. „Es war kein zeitliches Rennen, wir wollten vielmehr die richtige Konzeption auf den Markt bringen“, widerspricht Canon-Chef Führes, den Trend verkannt zu haben.

Im Mai hatte Sony-Konzernchef Kenichiro Yoshida angekündigt, Canon und Nikon mit einer aggressiven Innovationsstrategie bis 2021 abhängen zu wollen. Kevin Raber, Chef der renommierten Foto-Seite Luminous-landscape.com, sieht einen „Krieg der Spiegellosen“ heraufziehen, den einige Kamerahersteller nicht überleben könnten.

Schon 2014 hatten die Kannibalisierungseffekte des Smartphones ein namhaftes Opfer heimgesucht: Der Weltkonzern Samsung hatte nach wenigen Jahren des Versuchs, ein profitables Kamerageschäft aufzubauen, seine Digitalkamera-Division vollständig abgewickelt. „Uns war schnell klar, dass das Smartphone die Bedürfnisse der Mehrheit der Konsumenten im Bereich Fotografie vollends bedienen kann“, sagte Martin Börner, Vize-Geschäftsführer von Samsung Deutschland, dem Handelsblatt.

Und so warnen Experten, dass der Druck weiter zunimmt. „Die Branche muss sich angesichts eines immer kleiner werdenden Marktes zwangsläufig weiter konsolidieren“, glaubt Wirtschaftsprüfer Roos. Ein hochrangiger Konzernvertreter sagt: „Es wird Marken geben, insbesondere große, die stark unter Druck geraten werden.“ Und selbst Nikon-Chef Jufer glaubt, dass nicht „alle Anbieter überleben können“.

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