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Presseschau „Facebooks Reaktion zeugt von einer leicht entrückten Selbstwahrnehmung“

Die Medien sind sich weitestgehend einig: Sie halten den Beschluss des Bundeskartellamts für richtig – und kritisieren Facebooks Uneinsichtigkeit.
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Kartellamt schränkt Facebooks Datensammlung in Deutschland ein

New YorkDas Bundeskartellamt will das maßlose Sammeln von Daten durch Facebook stoppen. Die Entscheidung der Behörde fiel am Donnerstag, drei Jahre lang hatte sie zuvor die Praktiken des sozialen Netzwerkes unter die Lupe genommen. Facebook sei in Deutschland marktbeherrschend und missbrauche diese Stellung beim Sammeln und Verwerten von Daten, schlussfolgert sie.

Künftig darf der Konzern ohne Zustimmung des Nutzers keine Daten aus Drittquellen mehr zusammentragen und verwenden. Mit Drittquellen sind sowohl die zu dem Konzern gehörenden Unternehmen WhatsApp und Instagram gemeint, aber auch fremde Webseiten. Nutzer sollen zudem die Dienste Facebooks weiterhin nutzen können, auch wenn die den Zugriff auf ihre Daten verweigern.

Die Medien sind sich weitestgehend einig: Der Beschluss des Bundeskartellamts ist richtig – aber erst ein Anfang. Die „Welt“ blickt auf die geplante neue Wahlmöglichkeit für den Nutzer, durch die er die Dienste Facebooks weiterhin nutzen können soll, auch wenn er keine Erlaubnis zum Zugriff auf seine Daten erteilt. Dieser Punkt sei es, der die jüngsten Bemühungen der Wettbewerbshüter von vergangenen unterscheide, schreibt das Blatt.

Mit Blick auf die Reaktion des weltgrößten sozialen Netzwerkes nach dem Urteil des Bundeskartellamts spricht das Medium zwar von Verständnis, doch würde diese Reaktion zeigen, „dass die Versprechen des Topmanagements, dem Nutzer in Sachen Datenschutz nach DSGVO Mitspracherechte einzuräumen, nur begrenzt ernst zu nehmen sind“.

Auch die britische Zeitung „Financial Times“ erwartet nach dem Beschluss, dass Mark Zuckerbergs Netzwerk seinen Nutzern nur widerwillig mehr Mitspracherecht einräumen wird. In der digitalen Wirtschaft seien Daten die wertvollsten Vermögenswerte – „und sollten so auch von anderen Unternehmen, Aufsichtsbehörden und Nutzern behandelt werden“, schreibt das Blatt.

Um digitale Transaktionen angemessen zu bewerten oder das Verhalten wertvoller Unternehmen zu beurteilen, sei weitaus mehr Transparenz erforderlich. Doch gerade das versuche Facebook zu vermeiden.

Für „Die Zeit“ ist das Signal der Wettbewerbshüter wichtig, denn es falle in „eine Zeit, in der das soziale Netzwerk wegen Datenskandalen in der Kritik steht – und (…) es noch mehr Daten miteinander zu verbinden plant“. Dem Blatt ist vor allem das Sammeln von Daten auf anderen Webseiten oder Apps ein Dorn im Auge. Der Beschluss gehe nicht weit genug: Facebook sei nicht das einzige Netzwerk, das so Informationen zusammentrage. Die „Zeit“ plädiert daher dafür, dass auch Google und Microsoft „ihre Datensammlungen stärker trennen“.

Ähnlicher Meinung ist die „Berliner Morgenpost“: „Wenn die Wettbewerbshüter ihre Arbeit ernst nehmen, werden sie sich noch oft mit den Internetriesen dieser Welt befassen“, heißt es in dem Kommentar. Nichtsdestotrotz sei die Entscheidung des Bundeskartellamts richtig und wegweisend.

Zu Facebooks „Geburtsfehlern“ gehöre, dass es die Bildung von Monopolen begünstige. Der Beschluss beraube Facebook der Möglichkeit, sich durch „eine simple Änderung“ der allgemeinen Geschäftsbedingungen von Instagram, WhatsApp und seines Kerngeschäfts aus der Affäre zu ziehen.

Die „Börsen-Zeitung“ legt in ihrem Kommentar den Fokus auf Facebooks Reaktion auf den Beschluss. Diese zeuge einmal mehr von einer „leicht entrückten Selbstwahrnehmung“, die dem Netzwerk mittlerweile selbst im Heimatland, in den USA, den Ruf „verhagelt“ habe.

Laut Forbes“ war der Druck auf Regierungen in der ganzen Welt nie größer, soziale Netzwerke zu mäßigen. Facebook hätte sich daher keinen schlechteren Zeitpunkt auswählen können, um die geplante Verknüpfung mit WhatsApp und Instagram bekannt zu geben. Es sei abzuwarten, ob der Entschluss des Bundeskartellamts ein einfacher Rückschlag für das Unternehmen sei, oder der Anfang eines Trends.

Innerhalb von vier Monaten muss Facebook dem Bundeskartellamt nun ein Konzept vorlegen, wie es künftig mit den Daten umgehen will. In zwölf Monaten müssen die Änderungen umgesetzt worden sein. Das Unternehmen hat allerdings bereits Widerstand gegen den Entschluss des Kartellamts angekündigt.

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