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Pro Sieben Sat 1 Aktionäre lassen Vergütungssystem durchfallen

Die Aktionäre des Medienkonzerns freuen sich vor allem über ihre hohe Dividende. Mit der Performance auf dem Parkett sind sie allerdings weniger zufrieden. Und das Vergütungssystem für die Vorstände fiel komplett durch.
12.05.2017 Update: 12.05.2017 - 13:24 Uhr Kommentieren
Der Manager verspricht seinen Investoren durch die enge Verzahnung von Fernsehwerbung mit seinen neuen Internetshops und zahlreichen Online-Portalen steigende Gewinne und ein kräftiges Umsatzwachstum. Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Pro-Sieben-Chef Thomas Ebeling

Der Manager verspricht seinen Investoren durch die enge Verzahnung von Fernsehwerbung mit seinen neuen Internetshops und zahlreichen Online-Portalen steigende Gewinne und ein kräftiges Umsatzwachstum.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

München Ein Parkplatz fernab der Halle auf einer Wiese, ein obligatorischer Shuttle-Service, kein öffentlicher Nahverkehr und Schlangen im Nieselregen am Eingang. Für Daniela Bergdolt ein Unding für eine Hauptversammlung. „Wir sollten eine Location finden, die einem Dax-Konzern genügt“, forderte die Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) an diesem Freitagmorgen. Die neuen „Eisbach-Studios“ in einem Münchener Industriegebiet seien jedenfalls für Pro Sieben Sat 1 nicht geeignet. Da helfe auch ein üppiges Frühstücksbüffet nicht.

Einen neuen Versammlungssaal in München finden? Das sollte Vorstandschef Thomas Ebeling in den nächsten zwölf Monaten durchaus gelingen. Andere Kritikpunkte auf der Hauptversammlung des Medienkonzerns dürfte der Manager nicht so leicht ausräumen können. Zum Beispiel den schwachen Kursverlauf der größten privaten Sendergruppe in Deutschland. „Ihre Story scheint nicht ausreichend zu verfangen“, betonte Bergdolt. Mehr noch: „Die Zukunftsvision wird nicht erkannt, vielleicht verkannt.“

Am Donnerstag war Pro Sieben Sat 1 mit einem Minus von knapp sechs Prozent der größte Verlierer im Dax. Am Freitag kamen die Papiere an der Frankfurter Börse erneut leicht unter Druck. Seit Anfang 2017 haben die Aktien zwar etwa fünf Prozent an Wert gewonnen, binnen Jahresfrist jedoch neun Prozent verloren.

Ebeling zufolge mussten die Aktien Einbußen hinnehmen, weil die Investoren sämtliche TV-Konzerne neu bewertet hätten. Zudem hätte die Kapitalerhöhung im Herbst den Kurs belastet.

Am Donnerstag kam noch etwas dazu: Vorstandschef Ebeling hatte seine Prognose für das TV-Werbegeschäft zurückgenommen. Der Manager rechnet für 2017 mit einer schwächeren Entwicklung als noch zu Jahresbeginn. Weil die Kunden zurückhaltender buchten als zunächst geplant, erwarte er im Gesamtjahr nur noch ein Marktwachstum von 1,5 bis 2,5 Prozent. Vor zweieinhalb Monaten hatte der 58-Jährige noch einen Zuwachs von zwei bis drei Prozent in Aussicht gestellt.

Der Konzern ist nach wie vor vom TV-Geschäft abhängig. Der Umsatzanteil der Fernsehsparte ist vergangenes Jahr zwar auf 58 Prozent gefallen. Doch die Division steht für drei Viertel vom operativen Gewinn.

Abgesehen vom schwachen Abschneiden an der Börse zeigten sich die Aktionäre sehr zufrieden mit Pro Sieben Sat 1. Vor allem die Dividende erfreut die Anteilseigner. Sie klettert dieses Jahr um zehn Cent auf 1,9 Euro je Aktie. „Hier zeigt sich Pro Sieben von der besten Seite“, unterstrich Felix Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). 85 Prozent vom bereinigten Ergebnis schütte der Konzern aus, damit seien die Münchener ein „Vorzeigeunternehmen“.

Das sind die Spitzenverdiener im Dax
Platz 30: Reinhard Ploss
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Von allen CEOs verdiente Reinhard Ploss im vergangenen Jahr am wenigsten. Der Vorstandschef von Infineon erhielt 2016 knapp über 2,3 Millionen Euro. Das sind rund 500.000 Euro weniger, als er noch 2015 bezog..

Quelle: Dr. Heinz Evers Vergütungsberatung für das Handelsblatt

(Foto: Reuters)
Platz 29: Peter Terium
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3,49 Millionen Euro erhielt Peter Terium 2016 für sein Arbeit. 2015 verdiente der Vorstandsvorsitzende von RWE noch mehr als 5 Millionen Euro. Terium wechselte im Herbst zu der Tochter Innogy, in die RWE das Geschäft mit den Erneuerbaren Energien abgespalten hat.

(Foto: dpa)
Platz 28: Martin Zielke
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Nur 6000 Euro mehr als RWE-Chef Terium verdiente 2016 Martin Zielke. Im zurückliegendem Jahr kam er auf 3,496 Millionen Euro. Zielke wurde allerdings auch erst ab Mai Manager der deutschen Privatbank. 2015 verdiente er noch rund 2,4 Millionen Euro.

(Foto: Reuters)
Platz 15: Tim Höttges
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Der Manger und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom verdiente 2016 rund 6,12 Millionen Euro. Damit konnte Tim Höttges sein Gehalt minimal steigern. 2015 erhielt er noch 23.000 Euro weniger.

(Foto: dpa)
Platz 14: Oliver Bäte
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Der Vorstandsvorsitzende der Allianz hat 2016 rund 6,2 Millionen Euro verdient. Im Vergleich zu 2015 konnte Bäte seinen Verdienst so deutlich steigern. Damals bekam er fast eine Million Euro weniger. Bäte wurde allerdings auch erst im Mai 2015 Chef.

(Foto: AP)
Platz 13: Werner Baumann
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Der Manager ist seit Mai 2016 Vorstandsvorsitzender von Bayer. Seine erste wichtige Amtshandlung war das Übernahmeangebot von Bayer mit dem US-Saatgutriesen Monsanto. 2016 verdiente der 54-Jährige 6,4 Millionen Euro und landet damit auf Platz zehn. Sein Vorgänger Marijn Dekkers hatte 2015 eine fast genauso hohe Vergütung erhalten.

(Foto: dpa)
Platz 12: Frank Appel
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Seit 2008 ist Appel Chef der Deutschen Post. Der 55-Jährige studierte Chemie und Neurologie und arbeitete danach zunächst als Berater und Projektleiter bei McKinsey & Co. Im vergangenen Jahr verdiente er 6,6 Millionen Euro – ein Plus von rund 500.000 Euro.

(Foto: dpa)

Zuvor hatte Vorstandschef Ebeling den Aktionären seine Strategie erläutert. Der Manager verspricht seinen Investoren durch die enge Verzahnung von Fernsehwerbung mit seinen neuen Internetshops und zahlreichen Online-Portalen steigende Gewinne und ein kräftiges Umsatzwachstum. Seit Jahren investiert Ebeling in Beteiligungen wie das Dating-Unternehmen Parship oder das Vergleichsportal Verivox. Diese Onlinesparten wachsen stark, aber die Gewinnmargen sind geringer als im Kerngeschäft. Dies stieß auf Kritik von DSW-Vertreterin Bergdolt.

Das vorgesehene Vergütungssystem für die Vorstände ließen die Aktionäre durchfallen. Rund zwei Drittel der Anteilseigner stimmten gegen das Ansinnen. DSW-Vertreterin Bergdolt hatte zuvor moniert, Ebeling könne ein Jahresgehalt von bis zu 9,5 Millionen Euro erhalten. Das seien 950 Prozent seines Grundgehalts. Die Vorstandsvergütung sei intransparent und „schlicht zu hoch“. Für 2016 bekam Ebeling ein Festgehalt von rund 1,1 Millionen Euro und Boni von 2,5 Millionen Euro. Dazu kamen Pensionsansprüche.

Pro Sieben Sat 1 sei in erster Linie immer noch ein Fernsehkonzern, stellte Ebeling klar. „Fernsehen hat die höchste Profitabilität.“ Sein Unternehmen nutze freie Werbezeiten, um eigene Onlineportale zu bewerben. Es gebe auch keine Alternative dazu, in neue Geschäftsfelder zu investieren. Wer nur auf eine Karte setze, der gehe ein hohes Risiko ein, da eine wegweisende, neue Technologie das gesamte Geschäft zerstören könne.

Auch bei einem weiteren Thema konnte der Konzernchef die Anleger beruhigen: „Wir wollen keine weitere Kapitalerhöhung machen“, erklärte Ebeling. Nach nur vier Rednern und nicht einmal zwei Stunden konnte Aufsichtsratschef Werner Brandt bereits zur Abstimmung über die Tagesordnung übergehen. Zuvor aber versprach er noch, die Kritik am Veranstaltungsort ernst zu nehmen: „Wir werden das berücksichtigen.“

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