Pro Sieben Sat 1 Fußball-EM bremst den Dax-Durchstarter

Dax-Aufsteiger Pro Sieben Sat 1 ist im zweiten Quartal kräftig gewachsen. Allerdings hat die Fußball-EM bei ARD und ZDF die Dynamik der Münchener gebremst. Beeindruckend bleibt das Comeback des Medienkonzerns dennoch.
Der TV-Konzern macht sich immer unabhängiger vom klassischen Werbegeschäft. Quelle: dpa
Pro-Sieben-Stars Joko und Klaas

Der TV-Konzern macht sich immer unabhängiger vom klassischen Werbegeschäft.

(Foto: dpa)

MünchenDen 21. März haben sie in der Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring bis heute nicht vergessen. Seit diesem Tag ist der TV-Konzern als erster Vertreter der deutschen Medienbranche im Dax notiert. Darauf sind auch die Angestellten stolz: Fast die Hälfte aller Mitarbeiter hat diesen Sommer Belegschaftsaktien gekauft, die Vorstandschef Thomas Ebeling zum ersten Mal angeboten hat.

Als wolle er die Entscheidung der Frankfurter Börse noch einmal rechtfertigen, hat Ebeling an diesem Donnerstag beeindruckende Quartalszahlen vorgelegt: Zwischen April und Ende Juni sind die Erlöse um 15 Prozent auf 886 Millionen Euro geklettert. Ein solch sattes Plus dürften nur wenige andere Dax-Konzerne dieses Frühjahr erreicht haben.

Allerdings: Zu Jahresbeginn war das Unternehmen noch viel dynamischer unterwegs. Im ersten Quartal sind die Erlöse mehr als ein Fünftel geklettert. Dass es jetzt nicht mehr ganz so stark aufwärts ging, lag an den deutschen TV-Sendern, dem wichtigsten Umsatzbringer der Gruppe. Die Einnahmen der TV-Sparte stiegen im zweiten Quartal lediglich um ein Prozent auf 541 Millionen Euro.

Der Grund dafür: Im Juni lief die Fußball-EM bei der Konkurrenz von ARD und ZDF. Das drückte den Marktanteil von 29,4 Prozent im Mai auf 25 Prozent im Juni. Entsprechend geringer fielen die Werbeeinnahmen aus. Dass Pro Sieben Sat 1 bei seinen klassischen TV-Sendern überhaupt wächst, ist indes bemerkenswert. Da die Menschen immer mehr Zeit im Internet verbringen, befürchtet die Fernsehbranche schon seit Jahren schwindende Reklameeinnahmen. Doch bislang ist das Geschäft äußerst robust.

Diese Fernsehserien werden am häufigsten geklaut
Sherlock
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Die ursprünglich von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Detektivgeschichten versetzen die Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss in der BBC-Serie „Sherlock“ in einen modernen Kontext. Sie lassen Sherlock Holmes, gemeinsam mit seinem Assistenten Dr. Watson, im heutigen London ermitteln. Die Reihe hat treue Anhänger, doch einige Serienjunkies sehen es nicht ein, für das Krimivergnügen zu bezahlen. Allein für die Serie „Sherlock“ schätzen Insider den wirtschaftlichen Schaden auf rund 173,7 Millionen US-Dollar. Wer illegal die Serien herunterlädt, ist darüber hinaus zunehmend an höherer Qualität interessiert, wie „torrentfreak.com“ mitteilt. Die Experten der Spezialwebseite haben die am häufigsten geklauten Fernsehserien ermittelt. Die meisten illegalen Downloads seien allerdings immer noch in geringer Qualität von 480p – was einer Videokassette entspricht. Dennoch steige die Zahl der Serienanhänger, die unerlaubt Folgen im Internet herunterladen. Fachleute erwarten eine weitere Zunahme. Bei einigen Serien gebe es „torrentfreak.com“ zufolge derzeit schon mehr „Piraten“ als traditionelle Zuschauer.

Quelle: „Digital Media Unmonetized Demand and Peer-to-Peer File Sharing Report“ der Tru Optik Data Corp /Statistisches Bundesamt
Quelle: „torrentfreak.com“

Modern Family
2 von 10

Die Comedy-Serie „Modern Family“ lief in den USA das erste Mal am 23. September 2009 bei ABC. Sie beschäftigt sich mit den Familien von Jay Pritchett, seines Sohns Mitchell Pritchett und seiner Tochter Claire Dunphy. Weil auch diese Serie sehr beliebt ist, laden sie Fans unerlaubt aus dem Internet herunter. Experten haben ermittelt, dass sich der wirtschaftliche Schaden für „Modern Family“ auf 183,6 Millionen Euro beläuft.

Arrow
3 von 10

Die Actionserie „Arrow“ handelt von Oliver Queen (gespielt von Stephen Amell), einem Milliardär und Großindustriellen, der seine Heimatstadt Starling City von Verbrechern befreien will. Deshalb nimmt er die Geheimidentität Arrow an und führt ein geheimes Doppelleben. Die Erstausstrahlung in den Vereinigten Staaten erfolgte 2012 beim Sender The CW und in Deutschland 2013 auf Vox. Wirtschaftlicher Schaden: 244,5 Millionen US-Dollar.

Orange is the New Black
4 von 10

Die Webserie „Orange is the New Black“ von Jenji Kohan wird seit Juli 2013 von Netflix per Streaming veröffentlicht. Sie basiert auf dem Buch „Orange Is the New Black: My Year in a Women's Prison“ von Piper Kerman. In Deutschland ist die Serie seit dem 16. September 2014 ebenfalls über Netflix abrufbar. Wirtschaftlicher Schaden: 396,8 Millionen US-Dollar.

House of Cards
5 von 10

Francis „Frank“ Underwood alias Kevin Spacey ist der kongeniale Hauptdarsteller der US-amerikanischen Fernsehserie „House of Cards“, die seit Februar 2013 in den USA von Netflix per Streaming veröffentlicht wird. Der Politthriller entstand als erweiterte US-Adaption der gleichnamigen BBC-Serie, die wiederum auf dem Roman „Ein Kartenhaus“ basiert. Wirtschaftlicher Schaden: 238,8 Millionen US-Dollar.

Suits
6 von 10

In der Anwaltsserie „Suits“ spielen Patrick J. Adams, Rick Hoffman und Gabriel Macht (von links) die Hauptrollen. Die Erstausstrahlung war am 23. Juni 2011 beim US-Kabelsender USA Network und die deutschsprachige Erstausstrahlung am 7. Januar 2013 bei Vox. Aufgrund illegaler Downloads summiert sich der wirtschaftliche Schaden für die Serie auf rund 192,3 Millionen US-Dollar.

Breaking Bad
7 von 10

Wie aus einem gewöhnlichen Bürger ein Schwerkrimineller wird, zeigt die US-Serie „Breaking Bad“. Die Premiere war am 20. Januar 2008. Hauptdarsteller ist Bryan Cranston, der für seine schauspielerische Leistung in der Rolle des Chemielehrers Walter White drei Emmys erhielt. Der wirtschaftliche Schaden soll Experten zufolge bei rund 4283,9 Millionen US-Dollar liegen.

Das größte Plus verbuchte im Frühjahr freilich die Digitaldivision. In diesem Bereich hat Ebeling das gesamte Internet-Geschäft gebündelt, dazu gehört zum Beispiel das Online-Videoportal Maxdome. Hier ist der Umsatz um 43 Prozent auf 263 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Ein großer Teil des Zuwachses stammt aus Übernahmen in den vergangenen Monaten, zum Beispiel des Vergleichsportals Verivox. Auch die kleinste Sparte, die Filmproduktion, gedeiht prächtig: Um knapp 42 Prozent auf 77 Millionen Euro sind die Einnahmen geklettert.

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