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Pro Sieben Sat 1 Streaming-Dienst Joyn startet am Dienstag mit ARD und ZDF

Der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 startet seinen neuen Dienst in der kommenden Woche. Die Aktionäre kritisieren dagegen die Vorstandsbezüge.
Update: 12.06.2019 - 13:29 Uhr Kommentieren
Pro Sieben Sat 1: Joyn startet am Dienstag mit ARD und ZDF Quelle: dpa
Pro-Sieben-Chef Max Conze

Aktionäre kritisieren die hohe Vergütung für den Manager.

(Foto: dpa)

MünchenDer Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 startet seine neue Streaming-Plattform Joyn am kommenden Dienstag. Vorstandschef Max Conze sagte am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München, ab 18. Juni könnten die Zuschauer „deutsches TV gebündelt in einer App schauen“, mit ARD und ZDF. Joyn biete kostenlos gut 50 Programme, solle in zwei Jahren zehn Millionen Zuschauer erreichen und den Rückgang der Werbeerlöse im traditionellen Fernsehen ausgleichen.

Den kostenpflichtigen US-Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Prime will Conze vor allem auch mehr eigenproduzierte Filme und Live-Shows entgegensetzen. Die notwendigen Investitionen finanzieren die Aktionäre mit einem Verzicht bei der Dividende: Sie wird im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert.

Mit dem Verfall des Aktienkurses seien die Aktionäre allerdings zu recht unzufrieden, räumte Conze ein. „Bei meinem Amtsantritt am 1. Juni 2018 lag der Kurs bei etwa 25 Euro. Jetzt sind wir bei etwa 15 Euro.“ Er bitte aber um Geduld, der Konzernumbau sei kein Sprint, die Investitionen belasteten auch den Gewinn, „Ausdauer ist gefragt“.

Joyn wird nach Einschätzung des TV-Konzerns erst in einigen Jahren eine schwarze Null schreiben. „Wir erwarten, dass Joyn in vier bis fünf Jahren den break-even erreicht“, sagte Conze. Im laufenden Jahr erwartet er einen Anlaufverlust von 100 Millionen Euro, der je zur Hälfte auf die Anteilseigner Pro Sieben Sat 1 und Discovery entfällt. Nach Abzug gegenläufiger Effekte werde das Konzernergebnis von Pro Sieben mit voraussichtlich 30 Millionen Euro belastet.

Den überraschende Einstieg des Mediaset-Konzern des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bei Pro Sieben Sat 1 streifte Conze nur kurz. „Wir freuen uns über dieses Finanzinvestment“, sagte er und sah es als „Vertrauensbeweis in unsere Strategie“.

Im Ringen um ein junges Publikum verbündet sich Pro Sieben Sat 1 mit Facebook. Im Rahmen einer umfangreichen Kooperation werde der deutsche Fernsehkonzern zahlreiche Videoclips seiner Sendungen wie „Germany's next Topmodel“ und „Galileo“ für die Videoplattform Facebook Watch liefern, teilten die Partner am Mittwoch mit.

Facebook kündigte an, sein Videoangebot weltweit mit mehreren Kooperationen auszubauen. Pro Sieben Sat 1 ist dabei nach eigenen Angaben einziger europäischer TV-Partner des weltgrößten sozialen Online-Netzwerks.

Pro Sieben Sat 1 erwartet damit zusätzliche Erlöse von seinem neuen Kunden. Im Rennen um junge Zuschauer und Werbeerlöse sind Internetgiganten wie Facebook und Youtube die schärfsten Konkurrenten von Fernsehkonzernen.

Aktionärsvertreter kritisierten dagegen die kräftig erhöhten Vorstandsbezüge scharf. Den Börsenwert zu halbieren und dann die Vorstandsgehälter um 60 Prozent zu steigern, erscheine wie „der blanke Wahnsinn“, sagte Elisa Haralampides von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (Sdk) auf der Hauptversammlung.

Drei Millionen Euro Antrittsprämie für den vor einem Jahr gekommenen Vorstandschef Max Conze seien angesichts des heutigen Zustands der Firma jedenfalls „nicht nachvollziehbar“.

Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wetpapierbesitz sagte, sie könne die sehr erheblichen Zahlungen nicht ganz verstehen. Conze lege den Fokus auf die richtigen Entwicklungen, aber ProSiebenSat.1 erkaufe sich seine Qualitäten „vielleicht ein bisschen zu teuer“.

Der Deutsche-Börse-Aufsichtsrat Johannes Witt sagte als Privataktionär von Pro Sieben Sat 1, obwohl Gewinn, Dividende und Aktienkurs schrumpften, habe Conze in den ersten sieben Monaten 5,5 Millionen Euro erhalten. Das Jahresgehalt von Conzes Stellvertreter Conrad Albert sei auf 3,7 Millionen Euro verdoppelt worden.

Keine Kritik gab es dagegen an der Dividendenkürzung um rund 40 Prozent. Bergdolt sagte, das sei zwar happig, aber es sei „viel wichtiger, das das Unternehmen nun die Kurve kriegt und investiert“.

Mehr: Auf der Hauptversammlung muss Max Conze die verunsicherten Anteilseigner beruhigen. Lesen Sie hier, was für Fragen der Einstieg des Großaktionärs Mediaset aufwirft.

  • dpa
  • rtr
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