Pro Sieben Sat 1 übernimmt Erlebnisgeschenke-Anbieter Jochen Schweizer wagt den Absprung

Stuntman, Unternehmer und Juror der Gründershow „Höhle der Löwen“: Jochen Schweizer ist einer der größten Erlebnisgeschenke-Anbieter in Deutschland. Jetzt sichert sich Fernsehriese Pro Sieben Sat 1 die Mehrheit an Schweizers Firma.
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Der Unternehmer ist selber Extremsportler. Quelle: PR
Jochen Schweizer

Der Unternehmer ist selber Extremsportler.

(Foto: PR)

MünchenDer Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 übernimmt eine Mehrheit am Erlebnisgeschenke-Anbieter Jochen Schweizer. Die Firma soll mit der Pro Sieben Sat 1-Beteiligung mydays unter dem Dach der Jochen Schweizer mydays Holding GmbH zusammengeführt werden, wie der Medienkonzern am Mittwoch mitteilte.

An der neuen Gesellschaft soll Pro Sieben Sat 1 mit 90 Prozent und Jochen Schweizer mit zehn Prozent beteiligt sein. Die Jochen Schweizer GmbH betreibt innerhalb der gleichnamigen Gruppe das Geschäft mit Erlebnisgeschenken wie Tandemsprünge und Ballonfahrten und wird bei der Transaktion mit 108 Millionen Euro bewertet.

Die beiden Firmen würden sich gut ergänzen, heißt es bei Pro Sieben Sat 1. Die Marke Jochen Schweizer stehe eher für Adrenalin, Mydays sei eher softer und emotionaler. Jochen Schweizer habe als Pionier der Erlebnis- und Eventbranche in Deutschland sein Unternehmen als starken Player etabliert, erklärt Vorstandschef Thomas Ebeling. Der Manager ergänzte: „Seit 2015 setzen wir mit Mydays ebenfalls auf dieses Segment, haben den Markt verstanden und signifikantes Wachstum mit unserer Reichweitenstärke erzielt.“

Das Geschäft mit dem Nervenkitzel
Motorpower
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Ob Supersportler, Oldtimer, Truck, Motorrad, Quad, Panzer oder Segway. Auf der Straße, auf der Rennstrecke, auf dem Nürburgring oder in Hockenheim. Der Erlebnisgeschenke-Anbieter Jochen Schweizer, der seit Jahrzehnten ungewöhnliche Erlebnisse verkauft und als Wegbereiter des Bungeespringens in Deutschland gilt, hält so gut wie jedes fahrbare Gerät seine für Kunden bereit.

Baggern
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Die meisten Männer haben vermutlich nie vom Baggerfahren geträumt. Bis Jochen Schweizer es als Insigne der Männlichkeit auf den Markt brachte und Frauen ihre Männer zum Geburtstag damit beschenkten. Die Fahrt auf dem Baugerät gehört mit Oldtimer- oder Rennautofahren, Fliegen mit diversen Fluggeräten, House-Running und Tandem-Fallschirmsprüngen zu den Angeboten des Unternehmers.

Essen und Wellness
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Erlebnisse sind bei Jochen Schweizer aber nicht zwangsläufig mit Adrenalin und Nervenkitzel verbunden. Von romantischen Dinnern – wahlweise bei Kerzenschein oder auch im Dunkeln – über ein Wellnesswochenende im Luxus-Spa bis hin zu Sightseeing-Touren und Theater-Besuchen befinden sich auch einige entspannte Unternehmungen im Angebot.

Für Promi-Jäger
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Auch einige Bekanntheiten haben das Vermarktungspotential des Anbieters erkannt. Neben Koch-, Golf- und Yoga-Kursen sorgen Wrestling-Training, Heli-Flug oder ein Survival Camp mit Überlebenskünstler Bear Grylls wiederum für das geforderte Abenteuer.

Indoor-Skydiving
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Vor Kurzem erst eröffnete Schweizer, bekannt auch aus der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“, in Taufkirchen bei München eine Arena, die jährlich 300.000 Besucher anlocken soll. Sie können „Indoor-Skydiving“ probieren, also im Windkanal fliegen oder auf einer künstlichen Welle surfen. Im Sommer kommen Hochseilgarten, Seilrutschen und Abenteuerspielplatz hinzu.

Jochen Schweizer Arena
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Bayerns Wirtschaftsministerium lobt: „Die Tourismusregion München und Oberbayern und die beteiligten Unternehmen profitieren insgesamt von einem attraktiven, ganzjährigen und wetterunabhängigen Freizeit- und Tourismusangebot und neuen Gästen.“

Der Klassiker: Bungee-Jumping
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Warum Menschen auf solche Angebote anspringen? „Das Prinzip, das dahinter steckt, ist das, was man Aktion nennt“, sagt der Soziologe Ronald Hitzler von der Technischen Universität Dortmund. Nervenkitzel wie im Kino, mit einer winzigen Unsicherheit: Es könnte auch schiefgehen. Die meisten Lebensbereiche seien sehr sicher, sagt Hitzler. „Mit einem Bürostuhl können Sie nicht mal mehr umfallen.“

Pro Sieben Sat 1 investiert schon seit Jahren in neue Bereiche außerhalb des angestammten Geschäfts mit TV-Werbung. Die Reklameeinnahmen wachsen aber kaum noch, mit zahlreichen Beteiligungen vor allem im Digitalbereich will Ebeling sein Unternehmen fit machen für die Zukunft. Zum Portfolio gehört ein buntes Feld von Online-Firmen, von der Partnervermittlung Parship bis zum Erotikversender Amorelie. Nur noch knapp 60 Prozent vom Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen mit dem Fernsehen. Allerdings sind die Wachstumsfelder deutlich weniger profitabel als das TV-Geschäft. Vergangenes Jahr erzielte Pro Sieben Sat 1 einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro und einen Gewinn von 402 Millionen.

Durch den Zusammenschluss konsolidiert sich der Markt für Erlebnisse und Gutscheine in Deutschland. Dass Jochen Schweizer derzeit an der Spitze steht, hat viel mit dem Unternehmensgründer zu tun. Der Extremkajak-Fahrer, Ex-Stuntman und leidenschaftliche Fallschirmflieger hat das Bungee-Jumping in Deutschland populär gemacht.

Weiter steigerte er die Markenbekanntheit seines Unternehmens als Juror und Investor bei der Startup-Show „Höhle der Löwen“. Die Präsenz zur besten Sendezeit zahlte sich aus: Laut einer GfK-Studie kennen 70 Prozent der 20- bis 59-Jährigen die Marke – 30 Prozentpunkte Abstand zum Verfolger Mydays, mit dem man nun unter ein Dach kommt.

Sein jüngstes Baby wird Schweizer behalten: Die Arena im Süden von München, die kürzlich eröffnet wurde. Erlebnishungrige können auf einer stehenden Welle surfen und beim Indoor-Skydiving den Fallschirmsprung simulieren. In Kürze wird der Außenbereich unter anderem mit einer Abseilstation und einem „Flying Fox“ eröffnet. Doch Schweizer hat weitere Expansionspläne. Geplant sei unter anderem ein „ungewöhnliches Hotel mit Kongresshalle“, teilte das Unternehmen mit.

Die Gutscheinanbieter lebten lange auch gut davon, dass viele Beschenkte den Gutschein gar nicht erst anbieten. Wenn alle Kunden auf einen Schlag das bereits bezahlte Erlebnis auf einen Schlag in Anspruch nehmen würden, käme manch Anbieter in bilanzielle Schwierigkeiten. Jochen Schweizer hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt betont, durch einfache Buchbarkeit wolle er den Anteil der Nichteinlösungen reduzieren – denn auf lange Sicht profitiere man von zufriedenen Kunden mehr als vom Nichteinlösen.

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