Pro Sieben Sat 1 Zusammenrücken, um zu sparen

Pro-Sieben-Chef Thomas Ebeling verabschiedet sich mit einem Konzernumbau. Mit der Zusammenlegung von zwei Sparten will er jährlich 50 Millionen Euro sparen. Die Anleger reagieren positiv auf die Pläne.
Update: 06.12.2017 - 12:26 Uhr Kommentieren

Schlechte Vorzeichen für den Dax

MünchenDeutschlands größte Sendergruppe rückt enger zusammen: Statt vier werde es künftig nur noch drei Sparten geben, teilte Pro Sieben Sat 1 an diesem Donnerstag mit. In der neuen, sogenannten Entertainment-Division bündelt Vorstandschef Thomas Ebeling die bislang getrennten TV-Sender sowie Digitalangebote wie die Online-Videothek Maxdome. So soll es gelingen, die Inhalte des Konzerns besser über alle Verbreitungswege anzubieten. Vor allem aber sollen die Kosten bis 2020 um jährlich 50 Millionen Euro sinken.

Damit nicht genug: Ebeling kündigte zudem an, Partner für den Online-Handel zu suchen. Zum Konzern gehören unter anderem das Vergleichsportal Verivox und die Partnervermittlung Parship. Es werde bereits mit Investoren über eine Minderheitsbeteiligung gesprochen, so Pro Sieben Sat 1. Ziel sei es, das Portfolio auszubauen und schneller zu wachsen. Abschlüsse seien vermutlich im zweiten Quartal 2018 zu erwarten.

Die Börse reagierte ausgesprochen positiv auf die Pläne. Mit einem Kursplus von knapp drei Prozent war Pro Sieben Sat 1 am Donnerstag der mit Abstand größte Gewinner im Dax. Die Ankündigungen des Medienkonzerns dürften die strukturellen und nicht gerechtfertigten Bedenken einiger Investoren mildern, urteilte Daniel Kerven von JP Morgan. Der Analyst verwies dabei unter anderem auf geplante Kostensenkungen und mittelfristige Ziele, die für ein in der Medienbranche außerordentliches Wachstum sprächen - bei einer günstigen Aktienbewertung.

„Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm. Das ist unsere Kernzielgruppe.“
„Ein bisschen fettleibig, ein bisschen arm“
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Als Thomas Ebeling, Chef des Medienkonzerns Pro Sieben Sat1, im November 2017 mit Analysten spricht, referiert er über TV-Zuschauer – die des eigenen Hauses inbegriffen. „Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.“

Das Problem: Wegen Gewinnwarnungen im Jahr steht Ebeling bereits vorher unter Druck, sodass das Zitat seine Kritiker stärkt.

Matthias Müller
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Bei VW gab es eine verdorbene Unternehmenskultur.

„Einige Leute wollen einfach keine Verantwortung übernehmen für ihren Mist“
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Der Ex-CEO des Mitfahrdienstes Uber, Travis Kalanick, ist für sein aggressives Auftreten bekannt. Ein Zoff mit einem der Fahrer des Unternehmens in London wurde im Februar 2017 öffentlich. Das Video sorgte weltweit für Schlagzeilen. Der Fahrer hatte sich über geringen Verdienst beschwert, der Uber-Boss polterte zurück und gab dem Fahrer die Verantwortung: „Sie beschuldigen für alles in ihrem Leben jemand anderen.“

„Es war meine moralische Pflicht, dieses Angebot anzunehmen“
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Der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, hatte Aktien des eigenen Unternehmens im großen Stil gekauft und geriet deswegen im Jahr 2017 heftig unter Druck. Die Papiere habe er erworben, als er schon eine Fusion mit dem Londoner Rivalen LSE plante. Daher habe er Insiderinformationen verbotenerweise genutzt, so der Vorwurf.

Der Aufsichtsrat hatte ihm jedoch das Aktienoptionsprogramm angeboten. „Wenn ein Angebot des Aufsichtsrats erfolgt, ist man in einer moralischen Pflicht, ein solches auch anzunehmen“, sagte er dem Handelsblatt.

Lloyd Blankfein
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Banker als Verrichter von „Gottes Werk“.

„Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint‘“
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Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte als Chef des Aluminiumkonzerns Arconic im Frühjahr 2017 auf dem Podium einer Finanzkonferenz mit einem Scherz auf den Einstieg des aggressiven Investors Elliott reagiert: „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint.‘“ Fast alle Gäste im Saal lachten. Nur zwei im Publikum verzogen keine Miene: Sie arbeiteten für den Angreifer Elliott.

Ein außergewöhnlicher Brief Kleinfelds an Elliott-Chef Paul Singer führte letztlich zu Kleinfelds Ablösung bei Arconic.

Victory-Zeichen
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In einem Gerichtsprozess 2004 zeigte der damalige Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, das Victory-Zeichen. Es drückte Überheblichkeit gegenüber dem Gesetz aus und kratzte erheblich am Ruf Ackermanns.

Ebeling selbst wird die Verträge mit neuen Partnern wahrscheinlich nicht mehr unterschreiben. Der Manager hat jüngst angekündigt, dass er nach der Bilanzpräsentation Ende Februar vorzeitig aufhört. Dieser Entscheidung waren turbulente Wochen vorangegangen.

Erst musste der Konzernlenker die Prognose zurücknehmen, dann verunglimpfte er seine Zuschauer in einer Telefonkonferenz mit Analysten. So hatte Ebeling in dem Analystengespräch zur Veröffentlichung der Quartalszahlen am 9. November eine der Kernzielgruppen der Senderkette als „Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen“, bezeichnet. Letztlich war er dann nicht mehr zu halten.

Das sind die beliebtesten Streamingdienste der Deutschen
Die großen Anbieter
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Amazon Prime oder Netflix sind wohl mit die bekanntesten Anbieter von Video-on-Demand (VoD, Video auf Abruf). Und die entwickeln sich prächtig – zeigt eine Erhebung des Online-Portals „Netzsieger“. Machten die Anbieter 2016 einen Umsatz von 801 Millionen Euro, soll der 2017 noch einmal weiter wachsen: Auf bis zu 945 Millionen Euro. Wer davon am meisten profitiert.

Quelle: Netzsieger

Platz 9: Select Video
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Das Video-on-Demand-Angebot der Vodafone-Tochter Kabel Deutschland liegt auf einem geteilten neunten Platz im Ranking. Der Zugang zum Dienst ist speziell auf Kunden von Vodafone Kabel Deutschland zugeschnitten, die kriegen den Zugang zum Portal bei Vertragsabschluss gratis oben drauf. Ähnlich wie beim ungleich erfolgreicheren Amazon Prime gibt es in der digitalen Videothek dann sowohl kostenfreie als auch -pflichtige Angebote. Bisher schafft es der Netzanbieter aber nur auf zwei Prozent Marktanteil.

Platz 9: Unitymedia
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Auch den anderen neunten Platz nimmt ein Kabelnetzbetreiber ein. VoD-Optionen bietet Unitymedia dabei sowohl über die Unitymedia Videothek, als auch über Kooperationen mit dem Pay-TV-Sender Sky und der Video-Plattform Maxdome an. Der Marktanteil: Ebenfalls zwei Prozent.

Platz 7: Watchever
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Gute Kritiken, ein breites Offline-Programm, Werbung bei „Bild“ und mit Til Schweiger: All das konnte Watchever, dem VoD-Dienst des größten französischen Medienkonzerns Vivendi, nicht retten. Ende 2016 wurde der hoch-defizitäre Dienst, der nur auf drei Prozent Marktanteil kam, eingestellt. Auch zu den angekündigten Eigenproduktionen für das Portal kam es nie.

Platz 7: Videoload
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Ebenfalls auf gerade einmal drei Prozent Marktanteil kommt Videoload – dabei ist das wenig bekannte Portal immerhin das VoD-Angebot der Deutschen Telekom. Das exklusiv in Deutschland verfügbare Angebot arbeitet anders als viele Konkurrenten ohne Abo-Funktion, stattdessen können über das Portal Serien und Filme geliehen oder gekauft werden.

Platz 6: iTunes
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iTunes gehört mit rund acht Prozent Marktanteil zu den beliebtesten VoD-Anbietern Deutschlands – der Apple-Dienst landet damit auf Platz sechs. Auf der Plattform können Filme sowohl gekauft, als auch ausgeliehen werden. Auch Serien bietet iTunes seinen Nutzern an.

Platz 5: Google Play
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Auch Tech-Gigant Alphabet bietet eine eigene Plattform für Medieninhalte: Mit zehn Prozent Marktanteil landet der Google-Dienst auf Platz 5. Zu den Verlierern des Erfolgs der Anbieter von Video-on-Demand gehören vor allem Deutschlands Videotheken: Laut Netzsieger gab es hierzulande 2016 gerade einmal noch 933 Videotheken. Auch die Kinobesucher würden weniger: So reduzierte sich die Zahl der verkauften Kinotickets von 2003 bis 2016 um 32 Millionen.

Dass Vorstandschef Ebeling Anfang 2018 aufhört, nahmen viele Anleger in den vergangenen Wochen erleichtert zur Kenntnis, der Aktienkurs stieg. Zudem tauchten zuletzt Gerüchte auf, die Gruppe könne vom US-Kabelkonzern Comcast geschluckt werden. Dafür gab es jedoch keine Bestätigung.

„Entertainment“ wird größter Bereich
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