Apples neue iPhones

Der Konzern hat keine Kunden, er hat Fans.

(Foto: AFP)

Produktvorstellung 1249 Euro für das iPhone XS Max – Apple erhöht die Eintrittsgebühr für seinen illustren Club

Größer, teurer und ein wenig besser: Mit der neuen iPhone-Generation erhöht Apple erneut den Preis pro Smartphone. Die Kunden dürften dennoch treu bleiben.
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CupertinoWo auch immer er steht, recken sich iPhones in die Höhe. Jeder will ein Selfie mit Tim Cook. „Vielen Dank, dass Sie gekommen sind“, begrüßt der Apple-Chef die Besucher in dem abgesperrten Areal des Steve Jobs Theater, in dem der Konzern nach der Präsentation am Mittwoch seine neuen Produkte aufgebaut hatte. Cook kommt den Wünschen nach – und lächelt in viele Kameras.

An Prominenz ließ es Apple bei seinem wichtigsten Termin des Jahres in Cupertino nicht fehlen. Neben Apples Chefdesigner Jony Ive und Fashion-Ikone Virgil Abloh von Louis Vuitton mischte sich auch Marissa Mayer unter die Journalisten in der „Hands-on-Area“, wie Apple den VIP-Bereich nennt. „Ich bin hier, um Freunde zu treffen“, sagte die Ex-Yahoo-Chefin dem Handelsblatt.

Natürlich, was denn sonst. „Gather round“ lautete das diesjährige Motto des Apple-Events – ein Wortspiel, das auch als Aufforderung zu verstehen ist: „Versammelt euch!“ Apple rief seine Jünger zusammen, gab sich offen und nahbar. „Believer“, trällerten die „Imagine Dragons“ ihren Pop-Hit kurz vor Beginn der Keynote ins Plenum.

Genau so wünscht es sich Apple. Der Konzern hat keine Kunden, er hat Fans. Von jeher beruht der Erfolg von Apple darauf, um das iPhone, sein wichtigstes Produkt, einen Klub treuer Mitglieder zu scharen. Erst mit dieser Strategie erreichte Apple als erste Firma überhaupt eine Börsenbewertung von mehr als einer Billion Dollar. Nach üppigen Aktienrückkäufen besitzt der Konzern auch an der Wall Street inzwischen viele „Believer“.

Mit den neuen iPhone-Modellen erhöht der wertvollste Konzern der Welt nun erneut die Eintrittsgebühr für den Apple-Klub: 1249 Euro werden für das neue iPhone XS Max aufgerufen. Das übersteigt noch den bereits happigen Preis des iPhone X aus dem vergangenen Jahr (1149 Euro). „Apple ist damit selbst in einem gesättigten Smartphone-Markt mit starker Konkurrenz in der Lage, mehr Umsatz zu erzeugen“, urteilt der Forrester-Analyst Thomas Husson.

Kein großer Wurf, aber sinnvolle Verbesserungen

„Heute werden wir iPhone X zum nächsten Level bringen“, erklärte Apple-Chef Cook die Idee dahinter. Die Bemerkung passt eher zum Preis. Die technischen Neuerungen in den Geräten sind eher logische, sinnvolle Verbesserungen statt das nächste große Ding. Einen Neuentwurf wie das iPhone X, das 2017 erstmals mit Gesichtserkennung und einem nahezu bildschirmfüllenden OLED-Display aufwartete, liefert selbst Apple nicht im Jahrestakt.

Doch einige wichtige Änderungen bringt das iPhone XS Max schon. Der OLED-Bildschirm wächst mit einem Durchmesser von 6,5 Zoll über das Vorgängermodell (5,8 Zoll) hinaus. Die neue Chip-Generation A12 Bionic bringt mit fünf Billionen Rechenoperationen pro Sekunde mehr Leistung, verspricht Apple. Die Chips dürften dem Konzern einen technologischen Vorteil verschaffen, der dem Kunden jedoch schwer zu vermitteln sein wird.

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Neben der Gesichtserkennung FaceID, die nun überall den Home-Button ersetzt, will Apple auch die iPhone-Kameras verbessert haben. Dank einer neuen Technologie, die sich Smart HDR nennt, wirken Porträts demnach lebendiger, die Schärfentiefe der Aufnahmen kann der Fotograf künftig in der Fotos-App nachjustieren. Das Gerät lässt sich zudem mit zwei Sim-Karten betreiben.

Das zweite neue Modell namens iPhone XS besitzt die Bildschirmmaße des iPhone X, bei einem Preis von 1149 Euro. Wie das iPhone XS Max kann es ab Freitag vorbestellt werden und ist ab dem 21. September in den Geschäften erhältlich.

Nach einer Phase des Booms, vor allem im Superjahr 2015 mit starken Wachstumsraten, steigen die Verkaufszahlen des iPhone mittlerweile nur noch moderat. Für die kommenden Jahre gehen Branchenanalysten wie Loup Ventures oder E-Marketer nur noch von einem Wachstum zwischen null und fünf Prozent aus, Gartner stellt sogar ein Minus von einem Prozent in Aussicht.

„Bislang bedrohen Apple die nachlassenden iPhone-Verkäufe nicht“, sagt Gene Munster von Loup Ventures. Die Zahl der weltweiten Mitglieder im Apple-Klub beläuft sich inzwischen auf etwa 1,3 Milliarden weltweit, vor allem dank der rund 805 Millionen aktiven iPhones, mit denen der Konzern mehr als die Hälfte aller Umsätze erlöst. Und wer dem Apfel-Verein einmal beitritt, verlässt ihn kaum noch. Loup Ventures sieht Apples Bindungsrate bei 90 Prozent.

Die Rechnung ist einfach: Tauschen Apple-Fans durchschnittlich alle 3,5 Jahre ihr Telefon für ein neues Gerät ein, so Munster, verkaufe Apple immerhin noch 207 Millionen iPhones im Jahr. Das sichere dem Konzern auf Jahre hin das Überleben.

„Apples nächste große Innovation wird frühestens 2020 kommen und voraussichtlich eine intelligente Brille sein“, prophezeit der Technologieberater Tim Bajarin, der Kontakte bis ins höchste Apple-Management pflegt. Ein solches Gerät, das digitale Zusatzinhalte in 3D ins Sichtfeld des Trägers einblendet, ein Datenträger für Augmented Reality, könnte unabhängig vom iPhone funktionieren und es irgendwann sogar ersetzen.

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Bis es so weit ist, mehrt Cook klug den Wert seines Klubs und setzt alles daran, die Mitglieder zu halten. „Apple wurde gegründet, um den Computer persönlicher zu machen!“, rief der Apple-Chef dem Publikum zu – vom Mac zum iPhone, zum iPad, zur Apple Watch. Nach ebendieser evolutionären Logik soll auch der Kunde zur nächsten iGeneration wechseln. Und immer weiter.

Das iPhone XR, die neue günstigere Smartphone-Variante für einen Preis von 849 Euro, statt mit dem teuren OLED-Display nur mit LCD-Oberfläche ausgestattet, soll dabei auch jene Kunden zum Upgrade motivieren, die weniger zahlen wollen. Mit dem Gerät wolle Apple „noch mehr Menschen“ erreichen, sagt Marketingchef Schiller.

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Nach Ansicht von Annette Zimmermann vom Marktforscher Gartner könnte die Rechnung aufgehen: „Viele Kunden, gerade aus dem Unternehmensumfeld, schrecken vor dem hohen Durchschnittspreis zurück. Das iPhone XR ist Apples kluge Reaktion darauf.“

Nebenher stärkt Apple die Bindung der Fans, indem es die weiteren Produkte der Apple-Familie konsequent weiterentwickelt. Die Apple Watch Series 4 soll zum „intelligenten Wächter“ für die Gesundheit der Menschen werden, schwebt es Chief Operating Officer Jeff Williams vor. Sie erkennt beispielsweise, wenn der Besitzer schwankt oder stürzt. Bewegt der Träger sich 60 Sekunden danach nicht, ruft die Uhr automatisch einen Rettungsdienst und sendet eine Nachricht mit dem Standort an eingetragene Notfallkontakte.

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Weitere neue medizinische Funktionen kommen hinzu. So nutzt sie eingebaute Elektroden und einen Herzfrequenzsensor, um den Herzrhythmus zu messen, zu analysieren und sogar vor einem Vorhofflimmern warnen zu können. Die neuen Uhren verkauft Apple ab 429 beziehungsweise 529 Euro für das internetfähige LTE-Modell. Apple-Chef Cook setzt große Hoffnungen in die Uhr, das erste Produkt, das allein unter seiner Führung entstand. Im Mai sagte er, die Produktkategorie besitze nun die Größe einer „Fortune-300-Firma“.

Die neuen Produkte sichern der wertvollsten Firma der Welt ein solides Wachstum. Ein langfristiger Ersatz für das nächste große Ding sind sie jedoch nicht. „Stabilität ist keine Option für die digitalen Plattformen“, warnt Forrester-Analyst Husson. „Sie müssen sich immer wieder neu erfinden, Apple ist da keine Ausnahme.“

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1 Kommentar zu "Produktvorstellung: 1249 Euro für das iPhone XS Max – Apple erhöht die Eintrittsgebühr für seinen illustren Club"

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  • Wer mag schon gerne Mitglied in so einem illustren Club sein?
    Für ein Smartphone über 1.000 Euro hinzublättern, das kaum besser ist als eines für 300, zeigt den Realitätsverlust - da braucht man schon einen gewissen "Glauben" oder zumindest eine Ideologie.

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