Prognosen von Gartner, Capgemini und Deloitte IT-Vertriebler auf Wolke Sieben

Zwar geht es mit der Digitalisierung zunächst langsam voran. Doch weil die Daten-Unsicherheit steigt, wächst die Nachfrage nach sicheren Cloud-Anwendungen. Welche IT-Bereiche sonst noch Potenzial haben.
Durch die Digitalisierung und die zunehmende Vernetzung aller Lebensbereiche steigt die Nachfrage nach IT-Sicherheitsangeboten. Quelle: dpa
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Durch die Digitalisierung und die zunehmende Vernetzung aller Lebensbereiche steigt die Nachfrage nach IT-Sicherheitsangeboten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Digitalisierung ist überall. Das Haus, das Auto, die Arbeit, die Gesundheitsvorsorge, die Industrie ohnehin - all diese Bereiche sollen digitalisiert werden. Davon versprechen sich Unternehmen, Verbände und Politiker unisono mehr Effizienz, mehr Geschäft, mehr Komfort.

Gute Zeiten für die IT-Industrie, könnte man meinen, schließlich bietet sie das Grundgerüst für diese Entwicklung an. Und so sollen die weltweiten Ausgaben für IT im laufenden Jahr auch auf 3,54 Billionen Dollar steigen, prognostizieren die Analysten des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner. Das sind allerdings nur 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr, das besonders schwach war. 2015 wurde laut Gartner 4,5 Prozent weniger für IT ausgegeben als im Vorjahr. Das entspricht einer Summe von 216 Milliarden Dollar.

Die 10 führenden IT-Dienstleister Deutschlands
Platz 10: Dimension Data
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Auf dem zehnten Platz landet Dimension Data (unser Bild zeigt die Firmenbroschüre) mit einem Umsatz von 440 Millionen Euro (2013: 224 Millionen). Die Zentrale des globalen Unternehmens liegt im südafrikanischem Johannesburg, in Deutschland ist Bad Homburg der Hauptstandort.

Das Managementberatungs-Unternehmen Lünendonk hat die zehn führenden IT-Service-Unternehmen in Deutschland zusammengestellt. Dazu hat es den Umsatz von mehreren Branchenvertretern im Jahr 2014 verglichen.

Platz 9: BWI Informationstechnik
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Auf Rang neun liegt die BWI Informationstechnik mit 643 Millionen Euro Umsatz (2013: 642 Millionen). Die Gesellschaft mit Rechtsform GmbH wurde im Jahr 2006 von Bundeswehr (49,9 Prozent Anteil), Siemens (50,05 Prozent) und IBM (0,05 Prozent) gegründet, um die nichtmilitärische Informations- und Kommunikationstechnik der Bundeswehr zu betrieben und zu modernisieren. Die BWI hat ihren Firmenhauptsitz in Meckenheim (Bild).

Platz 8: Fiducia
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Die Fiducia besetzt mit einem Erlös von 734 Millionen Euro den achten Rang (2013: 733 Millionen). Das Kerngeschäft der 1924 gegründeten Aktiengesellschaft sind IT-Dienstleistungen für Volksbanken und Raiffeisenbanken. Unter anderem betreibt die Fiducia ein Hochsicherheits-Rechenzentrum im Raum Karlsruhe (Bild).

Platz 7: GAD eG
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Auf Platz sieben liegt die GAD eG mit einem Umsatz von knapp 774 Millionen Euro (2013: 761 Millionen). In IT-Fragen betreut sie Volks- und Raiffeisenbanken, Zentralinstitute sowie weitere Unternehmen in der genossenschaftlichen FinanzGruppe, etwa Schwäbisch Hall, Union Investment und R+V. Ihren Firmensitz hat die eingetragene Genossenschaft in Münster (Bild).

Platz 6: Atos
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Auf Rang sechs landet Atos (unser Bild zeigt die Homepage des Unternehmens) mit einem Erlös von 992 Millionen Euro (2013: 1,1 Milliarden). Die als Societas Europae registrierte Firma bedient unter anderem Kunden aus den Bereichen Verteidigung, Finanzdienstleistungen, produzierendes Gewerbe und Medien.

Platz 5: HP
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Hewlett Packard Deutschland Services erwirtschaftete 1,34 Milliarden Euro, das entspricht dem fünften Rang (2013: 1,37 Milliarden). Die Zentrale der US-Firma liegt im kalifornischen Palo Alto (Bild), die deutsche Hauptniederlassung befindet sich in Böblingen.

Platz 4: Computacenter
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Computacenter belegt mit einem Erlös von 1,45 Milliarden Euro Platz vier (2013: 1,5 Milliarden). Das Unternehmen berät Organisationen hinsichtlich ihrer IT-Strategie. Zudem errichtet und betreibt es Netzwerk- und Rechenzentren. Die deutschen Geschäftstellen der britischen Firma befinden sich in Kerpen, Berlin und Ratingen.

Die Analysten rechnen damit, dass erst 2019 wieder das Niveau von 2014 erreicht wird. Einer der Gründe für den Rückgang und das schwache Wachstum soll der starke Dollar gewesen sein, der die US-Konzerne belastet habe. Einer der stärksten Treiber der IT-Branche sind Clouds. Diese vergleichsweise neue Form der IT, bei der Software und Daten dezentral gespeichert werden, führt zum einen zu einer verstärkten Nachfrage nach Systemen für große Datacenter. Rund 75 Milliarden Dollar, drei Prozent mehr als im Vorjahr, sollen Kunden für Server ausgeben. Zum anderen werden auch Serviceleistungen deswegen stärker nachgefragt: Die Analysten rechnen mit einem Zuwachs von 3,1 Prozent auf 940 Milliarden Dollar in diesem Jahr.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich Vertriebler auch generell auf ein gutes Jahr freuen. Laut ersten Ergebnissen der IT-Trend-Studie der Unternehmensberatung Capgemini steigen die IT-Budgets bei 37 Prozent der Unternehmen, bei knapp 15 Prozent sogar im zweistelligen Bereich. Im vergangenen Jahr bekam nur ein Drittel der IT-Abteilungen mehr Geld. Allerdings ist auch der Anteil derjenigen, die weniger Geld bekommen, leicht um knapp zwei Prozent auf 21,3 Prozent gestiegen.

Die Beratungsgesellschaft Deloitte prognostiziert für das laufende Jahr, dass der Trend zur Cloud eine große Chance für deutsche Rechenzentren bietet. Das Unternehmen sieht ein Wachstumspotenzial von 20 Prozent. Einer der Hauptgründe dafür ist der Datensicherheitsaspekt: Die Unsicherheit nach Skandalen wie der NSA-Abhöraffäre sei gestiegen, deshalb wachse die Nachfrage nach sicheren Cloud-Anwendungen, erklärte Deloitte-Partner Andreas Gentner.

Der Aspekt der Sicherheit von Daten und Anwendungen spielt jedoch nicht nur in Deutschland eine immer größere Rolle. Gerade durch die Digitalisierung und die zunehmende Vernetzung aller Lebensbereiche, das sogenannte Internet der Dinge, steige die Nachfrage nach IT-Sicherheitsangeboten, sagt Gartner-Analyst Richard Gordon. Langfristig sieht er jedoch besonders einen Trend: Es werde immer mehr Geld mit Software statt mit Hardware verdient, erklärt er.

Wer beim Datenschutz gute Noten bekommt
Kontrolleure des Überwachungsstaats
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Ist Datenschutz schon in Deutschland eine heikle Sache, sieht es in den USA noch viel kritischer aus: Die dortigen Ermittlungsbehörden wie die NSA haben durch den Patriot Act, der nach den Anschlägen des 11. September 2001 erlassen und kürzlich leicht abgemildert wurde, viel umfassendere Rechte und Befugnisse zur Abfrage von Daten von Privatpersonen. Und diese nutzen sie auch, während die Gesetze und Regulierungen im Bereich Datenmanagement und Datenschutz mit den technologischen Entwicklungen nicht mithalten können. Die Nichtregierungsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) will mit ihrem regelmäßigen Datenschutz-Report „Who has your back“ auf dieses Problem aufmerksam machen. EFF untersucht 24 große IT- und Telekomunternehmen daraufhin, wie sie mit dem Thema Datenschutz umgehen.

Den Ermittlern ihre Grenzen aufweisen
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Der Report bewertet einerseits, ob sich Firmen gegen teils willkürliche staatliche Überwachung wehren. Zudem wird die Transparenz bewertet, die Firmen darüber herstellen, ob und wie staatlichen Ermittlungsbehörden bei ihnen Zugriff auf Nutzerdaten fordern. Die EFF hat über vier Jahre die Praktiken großer Internet- und IT-Konzerne beobachtet und analysiert, ob die Firmen ihren Fokus eher auf den Schutz der Nutzerdaten oder eher auf die Kooperation mit staatlichen Ermittlern legen. Dabei konnten sie in den vergangenen vier Jahren eine Entwicklung feststellen.

Er stieß Veränderungen mit an
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Während das Thema Datenschutz vor vier Jahren bei kaum einem Unternehmen auf der Agenda stand, hat nun – einige Snowden-, Wikileaks-Enthüllungen und Spähaffären später – laut EFF ein Umdenken eingesetzt: Viele Firmen veröffentlichen Reports über ihren Umgang mit Nutzerdaten und über Regierungsanfragen nach Nutzerdaten.

Aktuelle Anforderungen
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Die EFF hat die Entwicklungen damit aufgefangen, dass sie die Firmen nun unter anderem in der Kategorie des industrieweiten Standards vorbildlicher Praktiken bewerten.

Ihre Kriterien im Überblick:

1. Unter dem erwähnten industrieweiten Standard verstehen die Aktivisten etwa, dass die Firma den Staat bei einer Datenanfrage nach einer offiziellen Vollmacht für den spezifischen Fall fragt. Außerdem wird erwartet, dass das Unternehmen einen Transparenzreport über staatliche Anfragen veröffentlicht und dass die Firma deutlich macht, wie sie mit den Regierungsanfragen formell verfährt.

2. In einer weiteren Kategorie wird geprüft, ob Internetfirmen die jeweiligen Nutzer einzeln informieren, wenn sie beziehungsweise ihre Daten von Regierungsanfragen betroffen waren. Als Best Practice Beispiel gelten die Firmen, die ihre Nutzer schon vor der Weitergabe über solche staatlichen Anfragen informieren, sodass diese sich juristisch zur Wehr setzen können.

Facebook sperrte unliebsame Nutzer
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3. Die Aktivisten checkten auch, ob Firmen bekannt machen, wie lange sie Nutzerdaten speichern. Es wurde dabei nicht bewertet, wie lange die Unternehmen IP-Logins, Übersichten über individuellen Datentransfer und auch eigentlich bereits gelöschte Daten speichern und für Ermittlungen verfügbar halten – es geht nur um die Transparenz.

4. Regierungen und staatliche Ermittlungsstellen fragen nicht nur Nutzerdaten an, teils verlangen sie von Internet- und Telekomkonzernen auch, unliebsame Nutzer zu blockieren oder Nutzeraccounts zu schließen. Für diese Praxis war zuletzt insbesondere Facebook kritisiert worden, das einige Insassen von Gefängnissen an der Eröffnung eines Accounts hinderte. Auch Informationen darüber honorierten die Aktivisten mit einer positiven Bewertung, wobei ihnen besonders Twitter in dieser Kategorie mit einem umfangreichen Report über Lösch-Gesuche positiv auffiel.

5. Unternehmen bekamen auch eine positive Bewertung, wenn sie sich im öffentlichen Diskurs gegen staatlich geduldete oder gar intendierte Hintertüren in Software und Netzwerken stellen. 21 von 24 untersuchten Firmen nehmen mittlerweile eine solche kritische Position gegenüber dem Überwachungsstaat ein.

Die besten Firmen: Adobe – 5 Sterne
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Adobe hat laut den Aktivisten in den vergangenen Jahren alle Best Practice Standards übernommen, die in der Branche etabliert sind. Adobe verlangt von Ermittlungsbehörden eine explizite Erlaubnis, Daten von Nutzern anzufordern und bekennt sich zudem öffentlich dazu, keine Hintertüren in die eigene Software einzubauen. „Alle Regierungsanfragen für Nutzerdaten müssen bei uns durch den Vordereingang kommen“, schreibt Adobe in seinem Transparenzreport. Die EFF wertet eine solche starke Position gegen die früher gängige Praxis als bemerkenswert – unabhängig von der Wahrhaftigkeit.

Apple – 5 Sterne
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Triumph für Tim Cook. Apple erfüllt alle Kriterien der Aktivisten für möglichst große Transparenz im Bereich Datensicherheit. Der IT-Konzern lässt allerdings einige Hintertürchen offen, neben den Verpflichtungen zur Verschwiegenheit, die ihm etwa durch Gerichte in Einzelfällen auferlegt werden können. Apple behält sich vor, Nutzer nicht über eine Datenabfrage zu informieren, wenn dies nach Einschätzung des Unternehmens gefährlich für das Leben oder die Unversehrtheit von Personen werden könnte. Dies lässt Raum zur Deutung.

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