Protestbrief an den Boulevard Österreich gegen „Österreich“

Die Nationalmannschaft des Alpenlandes probt den Aufstand gegen das Boulevardblatt des Verlegers Wolfgang Fellner. Die Spieler werfen der Zeitung vor „wenig bis schlecht“ zu recherchieren.
Update: 14.11.2013 - 18:49 Uhr Kommentieren
Österreichs Nationalelf fühlt sich von der Boulevardpresse ungerecht behandelt. Quelle: dpa

Österreichs Nationalelf fühlt sich von der Boulevardpresse ungerecht behandelt.

(Foto: dpa)

WienDie österreichische Nationalelf mit Bayern-Star David Alaba revoltiert gegen das Boulevardblatt „Österreich“. Aus dem spanischen Camp Orihuela schickten alle Spieler im rot-weiß-roten Trikot einen Offenen Brief an die Tageszeitung des Verlegers Wolfgang Fellner. „Es ist uns klar, dass wir mit diesem Schreiben ein Tabu brechen – nämlich jenes, ein Medium massiv zu kritisieren. Das tut niemand unüberlegt, weil in Folge naturgemäß mit verschärft unfairer ,Berichterstattung‘ zu rechnen ist.“ Der Inhalt des Briefes der Nationalelf ist in der österreichischen Pressegeschichte einmalig. Die Spieler beschweren sich in starken Worten über die „schlecht bis gar nicht recherchierten Artikeln“ und noch schlimmer über „Exklusivinterviews, für die niemand von uns jemals interviewt worden ist“.

Die Kritik ist ein Faustschlag für die Wiener Tageszeitung, die Wolfgang Fellner 2006 gegründet hatte und heute größtenteils gratis verteilt wird. Denn mit dem Aufstand der populären Spieler wird das Renommee der Boulevardzeitung nachhaltig beschädigt. In der Führungsspitze befürchtet man natürlich, dass der eine oder andere Leser verloren geht, noch schlimmer auch Anzeigenkunden.

Offiziell hat sich Verleger Fellner noch nicht geäußert. Vertraute des Medienunternehmers sagen: „Der Vorwurf der unseriösen Berichterstattung ist grober Unsinn. Gerade in die Kompetenz unserer Sportredaktion haben wir investiert.“ Sollten die Spieler der Nationalelf personelle Konsequenzen erwartet haben, wird sie Fellner enttäuschen, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Sportredaktion wird von Wolfgang Ruiner, dem ehemaligen Sportchef von „Bild“ in München geleitet.

Bei „Österreich“ vermutet man hinter den von allen Spielern offenen Brief vielmehr eine Intrige der Wettbewerber. „Es ist eine Auseinandersetzung, bei der die eigentlichen Akteure im Hintergrund bleiben“, sagte Oliver Voigt, CEO der Mediengruppe Österreich, dem Branchenblatt „Horizont“. In Unternehmenskreisen von „Österreich“ wird vor allem Helmut Brandstätter, der Chefredakteur der Wiener Tageszeitung „Kurier“ genannt. Der frühere Chef des Nachrichtensenders N-TV schrieb bereits Anfang November: „Das Gratisblatt Österreich wird zwar immer weniger gelesen, aber der Inhalt reicht, um ein ganzes Land zu beschädigen.“

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