Putin-Kritiker Garri Kasparow „Der KGB vergiftet unsere virtuelle Atmosphäre“

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Konzerne und ihre Doppelmoral
Die fünf Schattenseiten des Silicon Valley
1. Brutale Personalpolitik
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Zu viel Harmonie schade dem wirtschaftlichen Erfolg, lautet etwa das Credo bei Amazon. Berichte ehemaliger Mitarbeiter in der „New York Times“ zeigen, was das bedeutet: nach Mitternacht berufliche Mails, die zu beantworten sind; Appelle, weniger leistungsfähige Kollegen zu verpetzen. Im Bild: Amazon-Chef Jeff Bezos.

Stress und hohe Arbeitsbelastung
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Ein früherer Marketing-Mitarbeiter von Amazon sagte: „Fast alle Leute, mit denen ich zusammenarbeitete, sah ich an ihrem Tisch sitzen und weinen.“

2. Eintönige Führungskultur
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Im Silicon Valley herrscht eine homogene Truppe: weiß, männlich, Mittelklasse. Die Atmosphäre in vielen Start-ups sei gar frauenfeindlich, sagt manch eine Investorin.

Weiß, männlich, Mittelklasse
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Die Investorin Nnena Ukuku, deren Eltern aus Nigeria stammen, sagte dem Handelsblatt: „Das Einzige, was schlimmer ist, als in der Technologiewelt eine Frau zu sein, ist eine schwarze Frau zu sein.“ Schwarze Gründer würden gar nicht ernst genommen.

3. Prekäre Selbstständigkeit
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Die „Uberisierung“ der Wirtschaft, in der Fahrer, Kuriere oder Putzkräfte nicht mehr angestellt sind, sondern Unternehmer, lässt die "Sharing Economy" boomen.

Ärger mit den Behörden
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Hotels und Taxi-Gewerbe werden damit überflüssig. Das schafft Unabhängigkeit, verlagert aber das unternehmerische Risiko. Das Modell sorgt auch bei Behörden für Unmut, die sich um Steuersummen in Millionenhöhe geprellt sehen.

4. Das Ende der Privatsphäre
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Das Valley feiert die Philosophie ständiger Verfügbarkeit und Arbeitsbereitschaft. Google oder Facebook holen ihre Programmierer morgens mit dem Bus zu Hause ab. Auf dem „Campus“ servieren sie kostenlose Bio-Mahlzeiten.

Plattformen wie Google oder Facebook werden missbraucht, um Hass und Fake-News zu verbreiten. Können Maßnahmen – wie etwa die von Justizminister Heiko Maas vorgeschlagenen Bußgelder – im Kampf gegen verbotene Inhalte helfen?
Kasparow: Es ist ein erster Schritt. Facebook und Google können sich mit den Fällen von Hassreden beschäftigen. Aber wenn es um einen von ausländischen Staaten unterstützten Angriff geht, dann ist es nicht der Job von Facebook eine Lösung zu finden, sondern Aufgabe der Regierung. Europäische Regierungen haben genug Ressourcen – sie sollten anfangen, diese zu nutzen.

Vlcek: Und es geht nicht nur um die sozialen Netzwerke. Schauen wir auch auf das Internet der Dinge. Das ist eine andere wichtige Plattform, die Hacker nutzen, um Gesellschaften und Demokratien anzugreifen. Und das Problem dabei ist: Die Industrien machen ihre Geschäfte seit Jahrhunderten und müssen sich jetzt der Herausforderung stellen, ihre Produkte zu vernetzen. Und sie wissen nicht unbedingt, wie das geht. Denn sie sind keine Software- und Sicherheitsexperten. Vom Auto bis zum Kühlschrank kann dann alles gefährlich werden.

Sie meinen Attacken auf vernetzte Geräte mit dem Versuch, sie zum Teil eines Bot-Netzes zu machen. Wie zum Beispiel das Netzwerk Mirai, das im vergangenen Jahr mit seinem Angriff auf den Verzeichnisdienst DynDNS die Webseiten von Twitter oder Netflix lahmgelegt hat?
Vlcek: Genau, das ist eine enorme Bedrohung. Regierungen haben Regularien für alles, aber keine Regeln für vernetzte Geräte. Wir brauchen Standards in Produktion und Entwicklung. Es braucht 15 Minuten für einen Hacker, um in Ihre Kaffeemaschine einzudringen. Und als Teil eines Bot-Netzes kann er damit die Infrastruktur attackieren.
Kasparow: Unsere Daten sind weniger geschützt als Spielzeug. Und auf diese Daten wird Jagd gemacht. Und das könnte große Auswirkungen auf das reale Leben haben, nicht nur auf Ihren Netflix-Account.

Herr Kasparow, Herr Vlcek, vielen Dank für das Interview.

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5 Kommentare zu "Putin-Kritiker Garri Kasparow: „Der KGB vergiftet unsere virtuelle Atmosphäre“"

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  • Putin ist nicht ohne Grund in der Gay-Szene sehr beliebt!

  • Völlig richtig, was in dem Artikel steht. Putins Russland ist ein Witz. Dass er nun auch noch die Wahlen im Westen mit seinen ständigen Hackerangriffen stört und weltweit versucht, rechtsradikale Spinner wie Trump an die Macht zu bringen, ist fürchterlich. Putin muss endlich abtreten. Dann bleibt ihm auch mehr Zeit fürs Privatleben mit seinen jugendlichen Sportfreunden.

  • @Enrico Caruso, 09.05.2017, 19:34 Uhr

    "Es ist traurig zu sehen, wie man diesen intelligenten Menschen offenbar für eine politische Sache einspannen konnte."

    Schon mal auf die Idee gekommen, dass es Leute geben könnte, die aus eigenem Antrieb und aus eigener Überzeugung handeln?

  • Es ist traurig zu sehen, wie man diesen intelligenten Menschen offenbar für eine politische Sache einspannen konnte. Was er da von sich gibt, sind Beschuldigungen (man könnte auch sagen:Hass) ohne jegliche Belege gegen das System des vom Volk gewählten russischen Präsidenten. Billig!

    Und ohne Facebook & Co, die angeblich ständig "Fake News" verbreiten, wüssten wir bis heute kein Wort über die Ausschreitungen an Sylvester 2015/16. Klar, dass vielen das ganz Recht wäre, auch unter den Kommentatoren, die sich hier regelmäßig zu Wort melden.

  • Kasparow bringt es auf den Punkt:

    „ Moderne Propaganda will keine Ideen verbreiten, sie will das kritische Denken zerstören und demokratische Willensbildung unterwandern. Sie wollen (…) Zweifel streuen. Es ist der Traum eines jeden Diktators: Die Wahrheit zu schwächen. Wenn die relativ wird, müssen sie sich vor nichts mehr fürchten.“
    „Aber: Die Aufmerksamkeit für solche Aktionen ist gestiegen – das hat die Wahl in Frankreich bewiesen.“

    Ebenso aufschlussreich wie für die meisten Menschen wohl auch beruhigend die Antwort auf die Frage „Aber wir brauchen weiterhin Menschen, um zu entscheiden, was wahr oder falsch ist?“:
    Vlcek: „Absolut. Beim derzeitigen Stand der Technik geht es nicht um intelligente Algorithmen. Es geht darum, menschliche Intelligenz, Algorithmen und Daten zusammenzubringen.“


    Zu Kasparows Aussage: „… wenn es um einen von ausländischen Staaten unterstützten Angriff geht, dann ist es nicht der Job von Facebook eine Lösung zu finden, sondern Aufgabe der Regierung. Europäische Regierungen haben genug Ressourcen – sie sollten anfangen, diese zu nutzen.“
    und
    Vlceks: „Und es geht nicht nur um die sozialen Netzwerke. Schauen wir auch auf das Internet der Dinge. Das ist eine andere wichtige Plattform, die Hacker nutzen, um Gesellschaften und Demokratien anzugreifen. Und das Problem dabei ist: Die Industrien machen ihre Geschäfte seit Jahrhunderten und müssen sich jetzt der Herausforderung stellen, ihre Produkte zu vernetzen. Und sie wissen nicht unbedingt, wie das geht. Denn sie sind keine Software- und Sicherheitsexperten (...)“

    Ob die Europäischen Regierungen da wirklich mehr Ressourcen haben als die Industrien?

    Fest steht:

    Der vergleichsweise kleinen Zahl an Menschen, die man zu den Hackern zählen muss steht eine wesentlich(!) größere Zahl gegenüber, die nicht nur technisch mindestens genauso fähig sind, sondern deren Handeln vor allem von redlichen, mit dem Wohl der Allgemeinheit bzw. der ganzen Gesellschaft kompatiblen Motiven bestimmt ist.

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