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Rainer Beaujean Wie der neue Pro-Sieben-Chef den Sender umkrempeln will

Die Börse setzt große Hoffnungen auf den neuen CEO von Pro Sieben Sat 1. Aber nicht nur die Anleger sind erleichtert über den Abgang von Max Conze.
27.03.2020 - 15:23 Uhr Kommentieren
Der neue Chef von Pro Sieben Sat 1 will sich verstärkt auf das Kerngeschäft konzentrieren. Quelle: ProSiebenSat.1 Media SE
Rainer Beaujean

Der neue Chef von Pro Sieben Sat 1 will sich verstärkt auf das Kerngeschäft konzentrieren.

(Foto: ProSiebenSat.1 Media SE)

München Es war ein Einstand nach Maß für Rainer Beaujean: Um zeitweise elf Prozent ist der Aktienkurs von Pro Sieben Sat 1 am Freitagmorgen in die Höhe geschossen.

Im Tagesverlauf bröckelte der Kurs zwar ab, dennoch waren die Münchner in einem schwachen Umfeld mit Abstand der Spitzenreiter im Nebenwerteindex MDax. Die Investoren waren sichtlich erfreut, dass der bisherige Finanzvorstand nun an die Spitze des Medienkonzerns vorrückt.

Am Donnerstagabend hatte Aufsichtsratschef Werner Brandt den bei Anlegern unbeliebten Vorstandsvorsitzenden Max Conze rausgeworfen. In seinen nicht einmal zwei Jahren bei Deutschlands größter privater TV-Gruppe hat es der Ex-Chef des Staubsaugerherstellers Dyson nie verstanden, das Vertrauen der Aktionäre zu gewinnen.

So sank der Aktienkurs während seiner kurzen Amtszeit auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Damit nicht genug: Conze vergraulte mit seiner eher ruppigen Art das gesamte Top-Management und viele Führungskräfte auf den unteren Ebenen.

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Standort erkennen

    Beaujean hingegen trauen die Anleger offenbar zu, das schlingernde Unternehmen wieder in die Spur zu bringen. Denn der Diplom-Kaufmann weiß, wie deutsche Konzerne ticken.

    Einst führte er die Internet-Tochter der Telekom, T-Online; vor seinem Wechsel zu Pro Sieben Sat 1 im vergangenen Sommer war der 51-Jährige Chef des Verpackungsherstellers Gerresheimer. „Seine 20 Jahre Vorstandserfahrung werden dem Unternehmen gerade in dieser kritischen Zeit sehr zugute kommen“, sagt Brandt.

    Der neue Vorstandssprecher muss sofort an zwei Fronten aktiv werden. Auf der einen Seite kündigte er noch am Donnerstagabend einen Strategieschwenk an. „Wir werden uns jetzt unter Führung des neuen Vorstandsteams wieder stärker auf unser Kernsegment Entertainment und auf nachhaltig profitables Geschäft konzentrieren“, erläuterte Beaujean.

    Das heißt: Die aufstrebende E-Commerce-Sparte NuCom spielt langfristig keine Rolle mehr. In ihr hat der Konzern Beteiligungen wie das Vergleichsportal Verivox gebündelt, den Parfumversand Flaconi oder auch Jochen Schweizer, einen Anbieter von Erlebnisgutscheinen.

    Conze wollte den Konzern damit diversifizieren, auf mehrere Säulen stellen. Zuletzt kündigte er an, für knapp eine halbe Milliarde Euro eine Online-Partnervermittlung in den USA zu übernehmen und so auch die deutsche Tochter Parship zu stärken.

    Dialog mit Großaktionären

    Experten kritisieren indes die Neuausrichtung am Freitag. Der Entschluss, das NuCom-Portfolio auf den Prüfstand zu stellen, erscheine ihm „unzeitgemäß“, urteilte UBS-Analyst Richard Eary. Denn Pro Sieben Sat 1 kämpft seit längerem mit schrumpfenden Einnahmen im Kerngeschäft mit TV-Werbung.

    Entscheidend werde nun sein, ob Beaujean durch die Veräußerungen der Firmen Werte freisetzen könne und ob es ihm gelinge, das Unterhaltungssegment zu stärken. Auf der anderen Seite muss Beaujean schnell den Dialog mit den neuen Großaktionären suchen.

    Die italienische Berlusconi-Holding Mediaset ist vergangenes Jahr in großem Stil eingestiegen. Der Medienkonzern will eine europäische TV-Allianz unter Beteiligung von Pro Sieben Sat 1 schmieden und hält inzwischen knapp ein Fünftel der Anteile. Conze hat diese Pläne stets vehement abgelehnt und stattdessen viel Geld in seine eigene Streamingplattform Joyn gesteckt.

    Dann sind da noch die Osteuropäer. Die Metro-Investoren um den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky haben jüngst den Kursverfall genutzt und ihren Anteil an dem Fernsehkonzern aufgestockt. Die Czech Media Invest, hinter der neben Kretinsky Patrik Tkac und der Slowake Roman Korbacka stecken, halten jetzt rund zehn Prozent der Anteile. Ob sie strategische Ziele verfolgen, muss Beaujean jetzt ausloten.

    Neue Köpfe im Vorstand

    Unter Conze wäre der Vorstand demnächst auf nur noch zwei Personen geschrumpft, ihn selbst und Beaujean. Denn der bisherige Vize-Chef Conrad Albert verlässt den Konzern in diesen Tagen, nachdem er sich mit Conze überworfen hatte. In einem Interview hatte Albert von einer „Vorstands-Soap-Opera“ gesprochen.

    Beaujean setzt nun auf ein dreiköpfiges Team: Der bisherige Co-Chef der Fernsehsparte, Wolfgang Link, soll das Kerngeschäft Unterhaltung führen. Der 52-jährige erfahrene TV-Macher stieß vor elf Jahren zu der Gruppe.

    Die bisherige Personalchefin Christine Scheffler, 51, behält ihre Zuständigkeit, allerdings nun im Vorstand. Sie kam vergangenes Jahr in die Zentrale nach Unterföhring.

    Um die Finanzen wird sich Beaujean weiterhin selbst kümmern. „Dieses Unternehmen hat weit mehr Potenzial als ihm derzeit extern beigemessen wird“, sagt er.

    Allein schon sein Wechsel auf den Chefsessel könnte den Börsenwert jedenfalls steigern.

    Mehr: Pro Sieben Sat 1 wirft Vorstandschef Max Conze raus

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