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Ralf Dommermuth im Interview United-Internet-Chef fordert niedrigere Hürden für 5G

Der United-Internet-Chef über Änderungen im Vergabeverfahren für den neuen Mobilfunkstandard – und warum er sein Unternehmen im Nachteil sieht.
19.11.2018 - 06:48 Uhr Kommentieren
Der Vorstandsvorsitzemde von United Internet kämpft um den Mobilmarktzugang seines Konzerns. Quelle: Reuters
Ralf Dommermuth

Der Vorstandsvorsitzemde von United Internet kämpft um den Mobilmarktzugang seines Konzerns.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf United Internet hat die überarbeiteten Regeln für den neuen Mobilfunkstandard 5G kritisiert. Die Bundesnetzagentur mache neuen Anbietern den Einstieg in den Markt schwer, sagte Konzernchef Ralph Dommermuth dem Handelsblatt. Er erwägt daher, nicht in die Auktion einzusteigen: „Es sieht momentan nicht besonders gut aus.“ Er werde aber die finalen Bedingungen abwarten, die am 26. November beschlossen werden.

Die Auflagen der Netzagentur sehen keine Pflicht zum National Roaming vor, das Neueinsteigern pauschal ermöglichen würde, die Netze der etablierten Konkurrenten gegen eine Miete zu nutzen – lediglich Verhandlungen sind obligatorisch. Wie diese genau ablaufen sollen, ist bislang aber offen.

Das kritisiert Dommermuth: „Ohne ein klares Regelwerk gibt es keine Chancengleichheit“, sagt er. „Denn auf welcher Basis sollen ansonsten Preisverhandlungen zwischen uns und dem Oligopol der drei größten europäischen Telekommunikationsgesellschaften laufen?“

Lesen Sie hier das vollständige Gespräch mit Ralf Dommermuth:

Herr Dommermuth, die Ausschreibungsbedingungen für die Versteigerung der 5G-Mobilfunklizenzen haben sich verändert. Ist das aus Ihrer Sicht einer Verbesserung oder eine Schlechterstellung?
Es gibt weitergehende Regeln für die Versorgung von Verkehrswegen – und das ist gut und richtig. Bei den Rahmenbedingungen für einen Neueinstieg hat sich hingegen nicht viel getan.

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    Die Netzagentur spricht jedoch von einem „stärkeren Bekenntnis zu mehr Wettbewerb“. Wie müsste der aus der Sicht eines potenziellen neuen Wettbewerbers im Mobilfunkbereich aussehen?
    Wenn die Bundesnetzagentur sich nicht zu einem in vielen anderen Ländern üblichen, verpflichtenden National Roaming durchringen möchte, sondern stattdessen kommerzielle Einigungen vorschreibt, dann brauchen wir zumindest klare Regeln. Denn auf welcher Basis sollen ansonsten Preisverhandlungen zwischen uns und dem Oligopol der drei größten europäischen Telekommunikationsgesellschaften laufen? Geht es bei den Preisen für National Roaming um Herstellungskosten plus einen angemessenen Gewinnaufschlag für den Netzbetreiber? Oder um Retail-Preise abzüglich Kosten für unsere Wertschöpfung und einen üblichen Gewinn? Oder orientieren wir uns an anderen europäischen Märkten?

    Wo sehen Sie das größte Problem bei dieser Art von Ungewissheit?
    Ohne ein klares Regelwerk gibt es keine Chancengleichheit. Denn wenn ein Neueinsteiger im Vorfeld der Frequenzauktion den Kalkulationsrahmen für National Roaming nicht zumindest grob abschätzen kann, dann kann er kein optimales Gebot abgeben. Welche Kosten soll er für die Mitnutzung vorhandener Netze während der Jahre des Netzaufbaus annehmen?

    Das klingt, als stecke eine Modellrechnung dahinter.
    Monatlich nur drei Euro Unterschied pro Kunde ergeben beispielsweise bei zehn Millionen Kunden 360 Millionen Euro jährliche Mehr- oder Minderkosten. Kapitalisiert man diese, dann ergibt sich eine Milliardensumme, die bei der Frequenzversteigerung eingesetzt werden könnte. Oder eben nicht – je nachdem, welche Annahmen der Neueinsteiger trifft.

    Sie sehen die etablierten Anbieter da im Vorteil?
    Die vorhandenen Netzbetreiber können den Betrieb ihrer Netze für die Jahre des Übergangs bis zur flächendeckenden 5G-Versorgung genau kalkulieren und auf dieser Basis einen genauen Business-Plan aufstellen und ein optimales Gebot ermitteln.

    Wie hoch ist aktuell die Wahrscheinlichkeit, dass Sie als vierter Anbieter neben den großen Drei, Telekom, Vodafone und Telefonica, in die Frequenz-Auktion einsteigen?
    Es sieht momentan nicht besonders gut aus, aber bis zum 26. November ist ja noch etwas Zeit. Wir warten die endgültigen Bedingungen ab, analysieren alles genau und entscheiden dann. So haben wir es von Anfang an gesagt.

    Was hätten die deutschen Kunden konkret davon, wenn United Internet als vierter Netzanbieter starten würde?
    Unsere Kunden schätzen die Qualität unserer Produkte, unsere Innovationen und unseren vielfach ausgezeichneten Service. Und unsere günstigen Preise. Unser Angebot an Deutschland ist, dass wir von Anfang an ein echtes 5G-Netz bauen, auf Basis eines speziellen 5G-Antennenrasters. Diese Antennen schließen wir an unser Glasfasernetz an, welches zu den leistungsfähigsten in Deutschland zählt. Anschließend gäbe es in Deutschland einen harten Wettbewerb um echtes 5G, zum Wohle von Bürgern und Unternehmen. Denn durch unseren Markteinstieg käme das Oligopol sicher in Bewegung. Und könnte sich nicht nur auf das Schließen von Funklöchern konzentrieren, was ja mit herkömmlicher Technik funktioniert. Die bisherigen Anbieter müssten ebenfalls kraftvoll in den 5G-Ausbau investieren!

    Herr Dommermuth, wir danken für das Gespräch.

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