Ralph Dommermuth „Der Trend geht zur zweiten Sim-Karte“

United Internet, bekannt durch 1&1 oder GMX, hat starke Zahlen vorgelegt. Im Interview spricht Ralph Dommermuth, Chef und größter Anteilseigner, über Sim-Karten, Übernahmen und warum der Dax nicht wichtig ist.
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Der Chef von United Internet kann gute Zahlen vorweisen. Quelle: dpa
Ralph Dommermuth

Der Chef von United Internet kann gute Zahlen vorweisen.

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Der Internetmilliardär Ralph Dommermuth ist trotz Erkältung guter Dinge. Der Chef des im TecDax notierten Konzerns United Internet konnte eine erfreuliche Bilanz des vergangenen Halbjahres präsentieren. Umsatz, Ergebnis, Kundenzahlen – alles stieg, und zwar deutlich.

Herr Dommermuth, ihr bereinigter Gewinn hat im ersten Halbjahr um fast 50 Prozent zugenommen. Kann das so weiter gehen?
Ich sehe das wie Erich Honecker (lacht): Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Wir wollen in diesem Jahr 80.000 mehr Kunden gewinnen als die 800.000, die wir bisher prognostiziert haben. Aber natürlich ist es leichter auf niedriger Basis zu wachsen, mit zunehmender Größe wird es schwieriger. Außerdem hatten wir im ersten Halbjahr durch die Übernahme von Versatel auch unorganisches Wachstum. Trotzdem wollen wir beim Tempo nicht nachlassen.

Wird der Markt das denn hergeben?
Im DSL-Bereich sehen wir, dass das Wachstum abflacht. Jeder braucht nur einen Festnetzanschluss. Auch im Mobilfunk wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel. Aber wir partizipieren davon, dass mehr Sim-Karten im Umlauf sind. Der Trend geht zur zweiten Karte für Tablet und Notebook oder zum zweiten Mobilgerät. Das wird auch durch das Internet der Dinge noch weiter zunehmen.

Wie wollen Sie vom Internet der Dinge profitieren?
Wir bieten bereits jetzt in unserem DSL-Portfolio Geräte für die intelligente Stromsteuerung an. Ähnliches wird es auch für die Heizung geben. Unsere WLan-Router sind prädestiniert dafür, eine Steuerungsrolle übernehmen zu können. Wir wollen keine intelligenten Produkte wie Kühlschränke bauen, aber wir wollen die richtigen Werkzeuge anbieten, mit dem der Kunde alle Geräte ans Netzwerk anschließen kann.

Gilt das auch bei Unternehmenskunden?
Stand heute planen wir keine speziellen Produkte für Industrie-4.0-Anwendungen, aber schon jetzt schließen wir über unsere Tochter Versatel zahlreiche Maschinen direkt an.

Wie sich die Telekom-Konzerne an die Gurgel gehen
O2 gegen Telekom und Vodafone
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2012 wirbt die Telefónica-Marke O2 mit einem Testurteil von „Focus Money“, wo sie ein „Sehr gut“ im Preis-Leistungsverhältnis bekommen hat. Sie macht bei der Werbung keinen Unterschied zwischen Vodafone und Telekom. Beide werden gleich übersprüht.

Vergleichende Werbung ist Deutschland seit dem Jahr 2000 unter Beachtung einiger Richtlinien erlaubt.

Vodafone gegen Telekom
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Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone beruft sich 2013 auf eine bessere LTE-Netzabdeckung. Die Qualität des Netzes ist ein beliebter Vergleich bei Werbung, die gegen die Wettbewerber zielt.

Vergleichende Werbung muss sich auf das gleiche Produkt oder Dienstleistung für denselben Bedarf oder die gleiche Zweckbestimmung beziehen.

Telekom gegen O2
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Der Bonner Konzern betont immer wieder, das beste Netz zu haben. 2011 versucht die Telekom mit drei Testurteilen Kunden von Telefónica abzuwerben.

Telekom gegen O2 – zum Zweiten
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Später nahm die Telekom auch den Werbespruch von O2 aufs Korn. Aus „O2 can do“ machte sie kurzerhand „O2 can’t do“. Werbeexperten erklären, die Grenze zwischen erlaubter und unlauterer vergleichender Werbung ist sehr eng. Das Produkt oder das Angebot des Wettbewerbers darf nicht abgewertet werden.

Telekom gegen Vodafone – vor Gericht
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2011 erwirkten die Telekom eine einstweilige Verfügung gegen Vodafone: In einem Werbespot warb das Konkurrenz-Unternehmen damit, „schneller“ zu sein. In der korrigierten Version des Sports, die beinah umgehend viral verbreitet wurde, hieß es dann statt „ Ich will schneller sein“ schlicht „Ich will schnell sein“.

1&1 gegen Telekom
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2015 weidete 1&1 seinen Sieg über die Telekom in einem Werbespot genüsslich aus.

Sie haben mit home.pl den größten Webhoster Polens gekauft und prüfen nun einen Börsengang der gesamten Webhosting-Sparte, also den Bereich für die Unterbringung von Internetseiten. Was versprechen Sie sich davon?
Wir warten gerade auf die Genehmigung der Übernahme durch das polnische Kartellamt. Wir hoffen, dass diese noch im August kommt. Unser Webhosting-Segment arbeitet sehr profitabel, durch einen Börsengang wollen wir dessen Wert sichtbarer machen. Vor allem schaffen wir somit eine Akquisitionswährung, denn auch in Zukunft wollen wir weiter in Europa Anbieter kleinere Hoster kaufen, wenn sich dazu die Gelegenheit bietet In letzter Zeit haben wir gelernt, dass einige Verkäufer lieber mit einem Anteil am neuen Unternehmen partizipieren wollen, als Bargeld zu nehmen. Durch einen Börsengang erhöhen wir unsere Beweglichkeit bei Übernahmen. Der Aufsichtsrat hat der Prüfung zugestimmt. Angedacht ist ein Börsengang im Jahr 2017, aber Zeitdruck haben wir nicht.

Sie haben zuletzt ihren Anteil am Konkurrenten Drillisch erhöht. Es wird spekuliert, dass Sie das Unternehmen ganz übernehmen wollen?
Wir haben immer gesagt, dass wir die Grenze von 30 Prozent der Anteile nicht überschreiten wollen. Unseren Anteil von derzeit 20 auf vielleicht 25 Prozent der Aktien zu erhöhen, ist natürlich immer eine Option.

Mit einer Übernahme wäre United Internet ein heißer Kandidat für einen Platz im Dax. Reizt Sie das nicht?
Das ist mir nicht wichtig. Und das wäre auch nicht so leicht: Schließlich halte ich nach wie vor 40 Prozent am Unternehmen. Beim Dax wird nur der Anteil der am Markt verfügbaren Aktien bewertet, und der wäre zu gering. Mein Ziel ist es, die Firma weiterzuentwickeln und ich glaube nicht, dass man das im Dax besser könnte als im TecDax, wo wir gerade gelistet sind.

Wo sehen Sie noch Investitionsmöglichkeiten?
Wir wollen in diesem Jahr 80.000 Kunden mehr gewinnen als bisher geplant. Dieses Wachstum soll vor allem aus dem Mobilfunk kommen und kostet oft einige hunderte Euro pro Kunde an Marketing und Subventionen für Smartphones. Das wird bei uns sofort als Aufwand verbucht. Darüber hinaus schauen wir mit unserem Breitband-Festnetzanbieter Versatel immer nach Möglichkeiten das Netz zu verdichten, etwa indem wir Stadtnetze zukaufen. Wir führen immer wieder Gespräche, derzeit gibt es aber keine konkrete Planung.

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