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Relaunch BR-Talkshow „Münchner Runde“ sorgt wegen hohen Beraterkosten intern für Ärger

Die ARD-Tochter will die Talkshow attraktiver machen und hat dafür Berater engagiert. Zwei dieser Berater sollen 170.000 Euro für ihre Arbeit bekommen haben.
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Die Talk-Sendung „Münchner Runde“ soll runderneuert werden. Quelle: dpa
Bayerischer Rundfunk

Die Talk-Sendung „Münchner Runde“ soll runderneuert werden.

(Foto: dpa)

Wien Die Talkshow „Münchner Runde“ ist das politische Hochamt des Bayerischen Rundfunks. Am Mittwoch endet die Sommerpause der Sendung, und geht es los mit den Politikergesprächen – und zwar besser, zeitgemäßer und jünger als je zuvor – so lautet der Plan. Thomas Hinrichs, seit fünf Jahren Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks, will das angestaubte Format runderneuern. Das ist auch bitter notwendig. Denn das Durchschnittsalter der Zuschauer bei der „Münchner Runde“ beträgt stolze 73 Jahre. Das ist selbst für ARD-Verhältnisse jenseits von Gut und Böse.

„Mit einem neuen, modernisierten Sendungskonzept“ sollen laut Hinrichs „auch neue Zielgruppen“ erreicht werden. Die „Münchner Runde“ bekommt nicht nur ein neues Studiodesign, sondern soll zudem auch durch umfangreiche Aktivitäten in den sozialen Netzwerken verjüngt werden. „Soziale Medien ermöglichen den Dialog mit dem Publikum. Dieses kann sich aktiv an einer Diskussion beteiligen. Diese Möglichkeiten will die ,Münchner Runde‘ künftig bei der Sendungsvorbereitung, aber auch für die Nachbereitung stärker nutzen“, kündigt Hinrichs an.

„Es geht darum, ein neues, junges Publikum zu finden, ohne den älteren Zuschauer zu vergraulen“, sagt Rundfunkrat und Filmproduzent Harald Stocker zur Strategie der ARD-Tochter. „Der BR muss nicht bei jeder Zielgruppe so erfolgreich wie die privaten Konkurrenten sein. Das Durchschnittsalter darf aber nicht steigen.“ Derzeit erzielt die Talkshow „Münchner Runde“ nur noch einen Marktanteil von sechs Prozent. Als Zielkorridor nennen BR-Insider aber zehn Prozent.

Doch nun gibt es Aufregung im Hochhaus des Bayerischen Rundfunks unweit des Münchener Bahnhofs. Denn für zwei Berater für die Modernisierung der „Münchner Runde“ sollen 170.000 Euro ohne große Gegenleistung geflossen sein, heißt es in den Reihen der ARD-Tochter.

Der bayerische Regisseur Rolf Sturm („Verstehen Sie Spaß?“, „Die Harald Schmidt Show“) und der frühere ORF-Programmentwickler und Ex-Chefredakteur des österreichischen Privatsenders Servus TV, Robert Altenburger, (Altenburger Media Consulting) sollen dieses Jahr 130.000 Euro bekommen. 40.000 Euro gab es bereits vorher für das deutsch-österreichische Expertentandem.

„Der BR hat für den Relaunch der ,Münchner Runde‘ auch auf die Expertise externer Berater zurückgegriffen. Dies ist weder im BR noch in der Branche ungewöhnlich. Die Berater haben bereits an anderer Stelle erfolgreich für die ARD gearbeitet“, sagte Hinrichs dem Handelsblatt. So hat das Tandem das TV-Nachmittagsformat „Wir in Bayern“ modernisiert.

Berater arbeiten nicht mehr für den BR

Zu den gezahlten Honoraren an Sturm und Altenburger äußerte sich der Vertraute des BR-Intendanten und ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm nicht. „Der BR behandelt Vertragsdetails vertraulich“, bemerkte er nur. Doch die Summe von insgesamt 170.000 Euro sei „so nicht richtig“. Ob sie darunter oder darüber liegt, wollte Hinrichs nicht verraten.

Regisseur Rolf Sturm wollte auf Anfrage ebenfalls keine Honorarsumme nennen. Durch einen entsprechenden Vertrag mit dem BR seien ihm die Hände gebunden, meinte der studierte Philosoph. „Zu den Zahlen kann ich nichts sagen. Ich habe eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben“, sagte Medienberater Altenburger.

Die beiden Berater werden künftig aber nicht mehr für den BR arbeiten, informierte Hinrichs. Es habe sich „nach vollbrachter Beratungsleistung keine Notwendigkeit für einen Folgeauftrag“ ergeben. An einer weiteren Zusammenarbeit mit dem BR ist Medienberater Sturm trotz der internen Kritik interessiert. „Ich stehe selbstverständlich dem BR weiter zur Verfügung“, sagte der Regisseur.

Sturm und Altenburger hätten zwar regelmäßig an Sitzungen teilgenommen und viel versprochen, aber letzten Endes kein Konzept für einen umfassenden Relaunch der „Münchner Runde“ abgeliefert, sagen die Kritiker im Sender. Sturm bestätigte das Versprechen, ein Dossier von „Maischberger“ besorgen zu wollen. Diese Handakte für den Moderator konnte aber von der Redaktion von „Maischberger“ nicht beigebracht werden.

Deshalb hat Sturm am Ende ein Musterdossier selbst geschrieben. Allerdings hätte Chefredakteur Christian Nitsche fünf Wochen darauf warten müssen, berichtet er selbst. Hinrichs entgegnete unterdessen auf die Vorwürfe, dass die Berater viel versprochen, aber kein Konzept abgeliefert hätten: „Nein, das ist falsch.“

Mit seiner Kritik an der Talkshow „Münchner Runde“ hält Regisseur Sturm nicht hinterm Berg. „Es ist grundsätzlich ein weiter Weg, nahezu eine Verdoppelung des Zuschaueranteils zu erreichen“, warnt der Regisseur. Er kritisierte den Sendezeitpunkt der Talkshow um 20.15 Uhr. Das gebe es sonst nirgendwo im deutschen Fernsehen. Auch sei die Gesprächsrunde mit nur 45 Minuten Sendezeit zu kurz.

Die „Münchner Runde“ ist als Sendeformat für den Bayerischen Rundfunk strategisch wichtig. „Die ,Münchner Runde‘ ist das einzige Gesprächsformat im Bayerischen Fernsehen, um Menschen zu einem demokratischen Diskurs in Bayern zusammenzuführen“, heißt es in der Chefetage. „Ein vernünftiger und anständiger Diskurs im Fernsehen soll nun auch in die digitale Welt überführt werden.“

Wenn das klappen soll, braucht die Talkshow spannende Themen. Für nächsten Mittwoch soll es eine Nachlese der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg geben und den Konsequenzen für die Bundespolitik und die Große Koalition nachgegangen werden. Das wirkt drei Tage nach den Wahlen abgestanden. „Die 17,50 Euro an Rundfunkgebühren müssten eigentlich garantieren, dass ich aktuell informiert werde“, äußert sich ein BR-Insider.

Mehr: Dem Telekom-Digitalfernsehen liefern ARD und ZDF Programme für vier Kanäle. Gebührenzahler werden mit diesem Bezahlangebot zweimal zur Kasse gebeten, schreibt der Medien-Kommissar Hans-Peter Siebenhaar.

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