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Republica 2017 Die unheimliche Macht der Algorithmen

Alle reden über Algorithmen, die aber kaum greifbar sind. Wie funktionieren sie eigentlich? Und wie werden sie in Zukunft unser Leben bestimmen? Eine Spurensuche auf der Digitalkonferenz Republica in Berlin.
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Wie werden Algorithmen in Zukunft unser Leben bestimmen? Ein Thema auf der Digitalkonferenz in Berlin. Quelle: Imago
Republica 2017

Wie werden Algorithmen in Zukunft unser Leben bestimmen? Ein Thema auf der Digitalkonferenz in Berlin.

(Foto: Imago)

Berlin„300.000.000 freie Stunden verbringen Menschen täglich auf Facebook.“ Beeindruckend und anschaulich beschreibt Vladan Joler, Direktor der Share Stiftung und Vorsitzender des Lehrstuhls für Neue Medien im serbischen Novi Sad, den Einfluss des sozialen Netzwerks auf das persönliche Leben des Einzelnen. Rund zwei Milliarden Menschen nutzen Facebook. Daraus ergibt sich eine unendliche Masse an Daten, die die Nutzer dem Zuckerberg-Imperium liefern – und aus denen wiederum ein unglaublich vielschichtiger Algorithmus entsteht, der die Nutzer beeinflusst.

Ein Algorithmus, über den viel gesprochen wird, der aber kaum greifbar ist. Auch auf der Republica und der parallel zur Digitalmesse stattfindenden Media Convention in Berlin sind Algorithmen eines der beherrschenden Themen. Grundsätzlich sind Algorithmen eine Handlungsanweisung, die zur Lösung eines Problems führt. Im analogen Leben wäre das etwa ein Backrezept – eine Anleitung für das „Problem“ Kuchen.

In der digitalen Welt gestaltet sich das häufig sehr viel komplexer. Experten wie Vladan Joler versuchen, Algorithmen zu illustrieren - im wahrsten Sinne des Wortes: Joler und sein Kollege Djorde Krivokapic projizieren eine Visualisierung an die Wand, die aussieht wie eine riesige Landkarte mit zahlreichen kleinen Orten und nahezu unübersehbaren Nebenstraßen. Und dennoch bleibt sowohl der Vortrag als auch die anschließende Diskussion sehr abstrakt. Was macht es so schwer, Algorithmen zu durchdringen? Und woher kommt die Angst vor ihnen? Eine richtige Antwort darauf weiß Joler auch nicht.

Das sind die zehn größten Datenschutzsünden
Digitale Sünder
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Jemand anderem die EC-Karten-Pin verraten, immer das selbe, einfallslose Passwort verwenden, das umstrittene Teilen von Kinderfotos über Facebook: Eine Forsa-Umfrage hat ermittelt, wie häufig welche Fahrlässigkeiten beim Datenschutz vorkommen. Dabei geben 27 Prozent an, ganz ohne Sünde zu sein. Die größte Gruppe stellen hier mit 43 Prozent die über 60-Jährigen – mit sinkendem Alter nimmt die Prozentzahl der Sündenlosen ab. Bei den 45- bis 59-Jährigen sind es noch 28 Prozent, dann folgen die 30- bis 44-Jährigen (18 Prozent) und von den 18- bis 29-Jährigen sind nur zehn Prozent ohne Sünde. Die Frauen (30 Prozent) stehen besser da als die Männer (24 Prozent). Doch wo wird am meisten gesündigt?

Quelle: Forsa-Studie „Die größten Sünden 2015 – Teil 5: Datensicherheit“ im Auftrag der Gothaer

(Foto: Imago)
Platz 10: Auf Spam-Mail antworten
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Aus Versehen auf die Mail von zwielichtigen Absendern, die auf krumme Geschäfte hoffen, geantwortet – das ist doch jedem schon einmal passiert, oder? Ein Prozent der Befragten haben auf eine Spam-Mail geantwortet – vor allem machen das Männer im Alter von 45 bis 59 Jahren oder über 60 Jahre.

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Platz 9: Einen Flug auf einem unbekannten Portal buchen
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Die Seite sieht aus wie mit Paint gemalt und liest sich wie frisch von Google übersetzt, aber dafür kostet der Flug nach New York und zurück auf auch nur 200 Euro. Gut, vielleicht ein leicht überzogenes Beispiel. Dennoch: Drei Prozent der Befragten haben sich schon einmal durch günstige Preise dazu hinreißen lassen, einen Flug auf einem unbekannten Portal zu buchen. Vor allem bei den Unter-30-Jährigen sind derartige Seiten beliebt (acht Prozent).

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Platz 8: E-Mail-Anhang von Unbekannten öffnen
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Vertrauen Sie keinen E-Mail-Anhängen von unbekannten Absendern. Denn öffnen Sie auch nur einen falschen Anhang, kann ihr Computer schon infiziert sein. Insgesamt fünf Prozent haben bereits diesen Fehler gemacht. „Dateianhang nicht öffnen“ lautet hier die Devise.

(Foto: Imago)
Platz 7: Anderen Personen die Pin verraten
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Auffällig ist, dass vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren besonders fahrlässig mit Daten umgehen. Den Pin-Code, für das Smartphone zum Beispiel, verraten 13 Prozent anderen Menschen (gesamt: sechs Prozent).

(Foto: Imago)
Platz 6: Virenscanner abbrechen
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Wenn man keine Anti-Virus-Software verwendet oder diese nicht regelmäßig aktualisiert, ist das System ungeschützt vor Hackern. Auch weil es oft zu schnell gehen soll: Zwölf Prozent der Jüngeren (18 bis 29 Jahre) haben schon einmal den Virenscan abgebrochen, weil er zum Beispiel ihren Computer verlangsamte (gesamt: sieben Prozent).

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Platz 5: Kinderbilder in sozialen Netzwerken teilen
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Wenn Eltern unbekümmert Bilder ihrer Kinder in sozialen Netzwerken posten, kann das gefährlich werden. Zehn Prozent der Befragten scheinen sich dieser Gefahr nicht bewusst zu sein.

(Foto: dpa)

Seine Darstellung zeigt zunächst die Verbindungen, die der Facebook-Algorithmus erfasst und nutzt. Vom Musikgeschmack eines Nutzers über seine politische Ausrichtung bis hin zu seiner sexuellen Orientierung. Doch was soll man damit anfangen? „Ich bin müde“, sagt Joler resigniert. Er habe Monate damit verbracht, diese Zusammenhänge überhaupt abzubilden – nun sollten sich andere damit beschäftigen.

Diese Art von Resignation als Antwort auf die Macht von Algorithmen stört Julia Powles. Es sei naiv, nur besorgt zu sein, ob Algorithmen etwa Wahlausgänge beeinflussten – sie beeinflussten unser tägliches Leben. „Facebook ist inzwischen das Internet“, sagt Powles. Die Wissenschaftlerin vom Technologie-Campus der Cornell University in New York forscht zum Verhältnis von Technologien und Recht, zu Daten und Privatsphäre. Es geht ihr um Datenschutz, Schutz des geistigen Eigentums und Mechanismen, die diesen Schutz sicherstellen. Außerdem würde in aktuellen Diskussionen immer wieder außer Acht gelassen, dass jeder selbst eine Rolle bei der Entwicklung von Algorithmen spiele – es gehe nicht bloß um technische Kniffe und Programmierungen. Ohne Nutzer gibt es nun mal keine Daten.

Doch was sind eigentlich diese Algorithmen? Jura-Professor Frank Pasquale von der Maryland University gibt folgende Erklärung: Ein Algorithmus sei eine Ansammlung von Schritten, die Eingaben in Ergebnisse umwandelt – zum Beispiel Daten in eine Auswertung, so Pasquale: „Es könnten zum Beispiel Schritte sein, um Wasser, Zucker, Mehl und Eier in einen Kuchen zu verarbeiten. Das Problem: Bei einem Kuchen wissen wir, was ein guter und was ein schlechter Kuchen ist“. Bei Algorithmen ist das schwieriger. Schließlich wüssten Menschen nie, was dahinter stecke, sagt Pasquale.

Bei Entscheidungen über Kreditwürdigkeit zum Beispiel bleibt der Mensch außen vor. Denn es gibt Ausnahmefälle: Kann ein Algorithmus den kurzfristigen Zahlungsausfall nach dem Tod eines Angehörigen berücksichtigen? Wie sehr zählen mentale oder körperliche Gesundheit bei der Berechnung einer entsprechenden Bewertung im Gesundheitssystem?

Solche Bewertungen seien wie Urteile und deshalb bräuchte es Schutz, meint Pasquale: „Ein Algorithmus kann keine genauen Aussagen darüber treffen, wie zuverlässig oder klug jemand ist.“ Erschreckend sei zudem, dass viele dieser Algorithmen Betriebsgeheimnisse seien und man deshalb nie erfahre, wie sie urteilten: „Es ist die Willkürjustiz des 21. Jahrhunderts – eine mittelalterliche Methode, die keinen Platz in einer modernen demokratischen Gesellschaft haben sollte.“

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