Republica 2018 Jan Böhmermann will das Internet zurückerobern

Seit seinem Schmähgedicht gilt Jan Böhmermann als Verfechter der Meinungsfreiheit. Die Erwartungen an den Auftritt des Satirikers bei der Republica sind daher hoch.
Update: 03.05.2018 - 14:49 Uhr Kommentieren
Der Satiriker spricht per Video-Schalte über sein Projekt „Reconquista Internet“. Quelle: dpa
Jan Böhmermann auf der Republika

Der Satiriker spricht per Video-Schalte über sein Projekt „Reconquista Internet“.

(Foto: dpa)

BerlinDie Bühne 1 ist auf der Republica den Promis vorbehalten. So verwundert es nicht, dass die Veranstalter Jan Böhmermann größte Podium freigeräumt hatten – obwohl der Satiriker nur per Videoleinwand zugeschaltet war.

Wer eine große Satire-Show erwartet hat, wurde enttäuscht. Böhmermann geht es an diesem Donnerstag nicht um Satire. Ihm geht es um die Rückeroberung des Internets.

Ende April veröffentlichten das öffentlich-rechtliche Medienangebot Funk und Böhmermanns Show „Neo Magazin Royale“ gleichzeitig ihre Recherchen zum rechtsextremen Troll-Server „Reconquista Germanica“.

Für die Dokumentation „Lösch dich!“ haben der Youtuber Rayk Anders und der Journalist Patrick Stegemann Personen begleitet, die undercover im Netz als Trolle Inhalte verbreitet haben. Beide sitzen unter der dem Böhmermann-Videokonterfei auf der Republica-Bühne.

Ihr Ziel war es, zu zeigen, dass Hass im Netz organisiert ist. Böhmermann will mit seiner Aktion „Reconquista Internet“ auf die organisierte Verbreitung von Hass reagieren. Er ruft zum Beispiel dazu auf, in Diskussionen rechte Parolen mit dem Grundgesetz zu trollen. „Das das so groß wird, hätte ich nicht gedacht“, sagt er auf der Republica.

So groß, dass über 40.000 Personen mitmachen wollten – und der Server unter der Last zusammenbrach. „Eine Armee ist es nicht“, sagt Böhmermann. „Eher ein demokratischer, nicht ganz transparenter Trägerverein.“

Rayk Anders betont: „Wir müssen die Zivilgesellschaft aktivieren und sagen, dass wir keinen Bock auf den Scheiß haben. Deswegen haben wir im Film ja auch Lovetrolling gestartet.“

Lovetrolling ist das Stichwort. Böhmermann macht ganz deutlich, was er verhindern will: „Es ist eine Kommunikationsspirale, die viele Leute betrifft, die sich für Dinge einsetzen, die eigentlich selbstverständlich sind – zum Beispiel unsere Verfassung.“ Die Menschen, die sich für positive Inhalte im Netz einsetzen, würden schnell desillusioniert, denn die Debatte im Internet werde mit der Wirklichkeit verwechselt.

Er sei allerdings nicht so desillusioniert, um zu sagen, dass Lovetrolling nicht die Lösung sei, sagt Böhmermann. „Wenn Leute im Netz Lärm machten, dann muss man Gegenlärm machen“, sagt er: „Es ist relativ einfach. Wir brauchen den Mut zu sagen, es reicht.“

Zum Schluss wird Böhmermann sogar noch einmal richtig pathetisch: „Macht mit, habt keine Angst, öffnet euch. Die Idee durchdenken und der Debatte auch Aktionen folgen lassen!“ Letzteres könnte als kleiner Seitenhieb auf die hier versammelte Digitalkaste verstanden werden, die auch sehr gerne debattiert – oft ohne aber am Ende konkrete Handlungsanweisungen zu geben.

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