Retourkutsche der Telekom „Bist du bei 1&1 oder was?“

In einem Werbespot feierte der Telekom-Anbieter 1&1 ausgiebig, bei einem Netztest vor der Deutschen Telekom auf Platz eins gelandet zu sein. Jetzt revanchiert sich Deutschlands größter Telekomkonzern.
„Bist du bei 1&1 oder was?“ Quelle: Screenshot Youtube
Telekom-Spot

„Bist du bei 1&1 oder was?“

(Foto: Screenshot Youtube)

DüsseldorfEs sind Kleinigkeiten wie diese, die das voyeuristische Herz erfreuen: Die Deutsche Telekom liefert sich mit Konkurrent 1&1 einen öffentlichen Schlagabtausch – ausgetragen über die Werbung.

Alles begann im August mit einem Test der Zeitschrift „Connect“, die das Breitbandnetz der Telekommunikationsanbieter überprüfte. Die Untersuchung gilt in der Branche als Benchmark. Viele werben gerne damit, besonders die Telekom, die ganz oft oben auf dem Treppchen landete. Doch in diesem Jahr gab es einen Überraschungssieger: 1&1.

Das überraschte sogar die Tester. Denn die Tochter von United Internet hat gar kein eigenes Netz. Sie mietet Kapazitäten von Wettbewerbern an – wie der Telekom. Doch kamen die Tester zu dem Schluss, dass 1&1 die Netze besonders gut und mit eigener Hardware zusammenschalte.

Genüsslich feierte 1&1 den Sieg über die große Deutsche Telekom. Das Unternehmen schaltete Anzeigen, in denen es die Bonner auf den zweiten Platz verwies. In einem Werbespot der Werbeagentur Jung von Matt wurde eine Preisverleihung nachgestellt, bei der die Telekom sich vorher schon als Sieger sieht, und dann doch nicht auf die Bühne gerufen wird.

Man habe sich über den Testsieg sehr gefreut, sagte 1&1-Chef Martin Witt im August dem Handelsblatt „Das wollen wir überall bekannt machen und mit einem Augenzwinkern gegenüber unserem Hauptwettbewerber feiern, der übrigens auch gerne vergleichende Werbung bei Testsiegen schaltet.“

Bei der Telekom reagierte man hingegen schmallippig: „Unsere Kunden wissen, dass die Deutsche Telekom das beste Netz hat“, erklärte ein Sprecher. „Bei zahlreichen Netztests für Mobilfunk wie Festnetz liegen wir ganz vorn. Dass nun ein Wettbewerber mit von uns eingekauften Netzleistungen einmal den ersten Platz in einem Festnetztest belegt, ist neu. Sich dann gleich für das beste Netz zu feiern, ist ein wenig dreist.“

Doch nun hat die Telekom zurückgefeuert: In einem Werbespot sollen Schulkinder Hilfe für eine Lehrerin anrufen. Ein Mädchen erklärt, sie habe kein Netz. Daraufhin fragt ihn der Sohn der Familie Heins, mit der die Telekom derzeit wirbt: „Bist du bei 1&1 oder was?“ – „Ja“, erklärt die Mitschülerin traurig, woraufhin er sich mit einem „uäh“-Kommentar zweifelnd abwendet.

Auf der Videoplattform Youtube gehen die Meinungen darüber, welches Unternehmen dem anderen am besten die Narrenkappe aufgesetzt hat, auseinander. Nutzer „MAX“ etwa schreibt: „Sehr gute Werbung! Und der Sidekick an 1&1, perfekt!“ „Stef An“ hingegen erklärt: „Ziemlich peinliche (Unterstufe)Reaktion auf den soliden 1&1-Spot.“

Wie und ob der Schlagabtausch weitergeht, wird sich zeigen. Klar ist jedoch: Beide Unternehmen haben bereits gewonnen – und zwar Aufmerksamkeit.

Wie sich die Telekom-Konzerne an die Gurgel gehen
O2 gegen Telekom und Vodafone
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2012 wirbt die Telefónica-Marke O2 mit einem Testurteil von „Focus Money“, wo sie ein „Sehr gut“ im Preis-Leistungsverhältnis bekommen hat. Sie macht bei der Werbung keinen Unterschied zwischen Vodafone und Telekom. Beide werden gleich übersprüht.

Vergleichende Werbung ist Deutschland seit dem Jahr 2000 unter Beachtung einiger Richtlinien erlaubt.

Vodafone gegen Telekom
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Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone beruft sich 2013 auf eine bessere LTE-Netzabdeckung. Die Qualität des Netzes ist ein beliebter Vergleich bei Werbung, die gegen die Wettbewerber zielt.

Vergleichende Werbung muss sich auf das gleiche Produkt oder Dienstleistung für denselben Bedarf oder die gleiche Zweckbestimmung beziehen.

Telekom gegen O2
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Der Bonner Konzern betont immer wieder, das beste Netz zu haben. 2011 versucht die Telekom mit drei Testurteilen Kunden von Telefónica abzuwerben.

Telekom gegen O2 – zum Zweiten
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Später nahm die Telekom auch den Werbespruch von O2 aufs Korn. Aus „O2 can do“ machte sie kurzerhand „O2 can’t do“. Werbeexperten erklären, die Grenze zwischen erlaubter und unlauterer vergleichender Werbung ist sehr eng. Das Produkt oder das Angebot des Wettbewerbers darf nicht abgewertet werden.

Telekom gegen Vodafone – vor Gericht
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2011 erwirkten die Telekom eine einstweilige Verfügung gegen Vodafone: In einem Werbespot warb das Konkurrenz-Unternehmen damit, „schneller“ zu sein. In der korrigierten Version des Sports, die beinah umgehend viral verbreitet wurde, hieß es dann statt „ Ich will schneller sein“ schlicht „Ich will schnell sein“.

1&1 gegen Telekom
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2015 weidete 1&1 seinen Sieg über die Telekom in einem Werbespot genüsslich aus.

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