Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Hochsicherheitsversion des Z10 von Blackberry.
Berlin Der kriselnde kanadische Smartphone-Hersteller Blackberry macht gute Geschäfte mit deutschen Behörden. 20 Behörden, darunter neun der 14 Ministerien, hätten bereits die Hochsicherheitsvariante des Blackberry-Modells Z10 bestellt, sagte der Chef des Düsseldorfer Sicherheitsspezialisten Secusmart, Hans-Christoph Quelle, der „Wirtschaftswoche“ laut eine Vorabmeldung vom Samstag. Secusmart rüstet die Blackberry-Handys mit einer zusätzlichen Chipkarte aus, die Daten und Gespräche verschlüsselt.
Die hoch sicheren Blackberry-Geräte sind seit Juli erhältlich, sie kosten 2500 Euro pro Stück. „Wenige Tage nach der Zulassung gab es bereits 1200 Bestellungen“, sagte Quelle. Konkurrent des Secusmart-Blackberry ist ein Gerät, das die Deutsche Telekom auf Basis des beliebten Samsung Galaxy S3 entwickelt hat. Das Simko 3 hatte kürzlich die Zulassung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik erhalten.
Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.
Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.
RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.
RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.
RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.
Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.
Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.
Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.
Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.
2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.
Ein Telekom-Sprecher konnte am Samstag auf Nachfrage keine Bestellzahlen nennen, er versicherte aber: „Die Nachfrage hat uns förmlich überrollt.“ Auch zahlreiche Unternehmen und ausländische Regierungen sind demnach an dem Gerät interessiert.
Beide Telefone dürfen für die Geheimhaltungsstufe VS-NfD eingesetzt werden. „Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch“ ist die unterste von insgesamt vier Vertraulichkeitsstufen des Staates. Es gibt auch „Verschlusssache - Vertraulich“, „Geheim“ und „Streng Geheim“.
Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.






9 Kommentare zu "Riesige Bestellungen: Regierung kauft bei Blackberry kräftig ein"
Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.
Wie üblich ist der Name hier wieder Programm.
Überlegen Sie auch manchmal bevor sie schreiben? Was hat dies bitte mit der Lehmann-Brother Pleite oder Griechenland zu tun.
Es werden in den Behörden nunmal abhörsichere Geräte gebraucht und die kommen eben von Blackberry.
Ob da jetzt Google, Apple, samsung oder Blackberry drauf steht, ist doch sowas von egal...
Ich bin mir sicher das Betriebssystem von BB ist jenem von Google / Android überlegen. Schade dass es mit BB jetzt so bergab geht. Aber gegen Mainstream ist nicht viel auszurichten!
Aber die Sache, dass fremde Behörden nur auf die Server zugreifen können nur weil sie sich in den USA oder in England befinden ist laut Blackberry doch eher "theoretischer Natur" *hust*. Es ist ja nicht so, dass in diesen Ländern Firmen gibt die von Geheimgerichten zu so etwas verpflichtet werden und dazu Schweigen müssen *hust*. Und einen Code knacken werden die auch niemals können *hust*
Hat das hier irgendjemand vergessen oder wieso kaufen die jetzt auf einmal bei Blackberry? War zwar erst 2005 aber daran kann sich warscheinlich nicht einmal mehr das Handelsblatt erinnern. Erwähnenswert wäre es im Artikel jedoch schon. Vielleicht kann man da ja in der Print Ausgabe nachholen.
http://www.handelsblatt.com/technologie/it-tk/it-internet/geheimhaltung-gefaehrdet-generaele-muessen-auf-blackberry-verzichten/2585712.html
Ausser, dass sämtliche Daten einmal auf Server in den USA und GB und zurück geschickt werden? Das erschien zB der Bundeswehr schon lange vor dem NSA Skandal als viel zu unsicher.
http://www.chip.de/news/Zu-unsicher-Bundeswehr-will-keine-Blackberrys_17914046.html
"Ich hatte alle aktuellen BlackBerry Geräte im Test und bin beim hervorragenden Q10 geblieben. Bin sehr zufrieden! "
Das ist doch mal eine Ansage.
Die Blackberries gehören immer noch zu den sichersten Geräten. Und mit der Erweiterung von Secusmart im SD Slot sind sie abhörsicher. Ist doch klasse. Ich hatte alle aktuellen BlackBerry Geräte im Test und bin beim hervorragenden Q10 geblieben. Bin sehr zufrieden!
Ach so geht das, man muss sich nur so ein Gerät bestellen und schon kann man auch als Otto-Normal nicht mehr abgehört werden? Die Billigheimer müssen weiterhin Apple, Google etc. dienen damit man weiß was so Sache ist?
Oder mach ich da jetzt einen Denkfehler?
Die Bundesregierung hat auch noch über Deutschlands dümmster Bank hunderte Millionen zu Lehman Bros. überwiesen, als die längstens pleite waren.
Danke, Frau Merkel. So geht Geld.
Da brauchen wir uns über Griechenland gar keine Sorgen mehr zu machen, das Geld ist bereits weg.