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Russischer Internetkonzern „House of Cards“ auf Russisch? – Yandex geht den Netflix-Weg

Der größte russische Internetkonzern will eine eigene Mediensparte aufbauen. Eine Serie soll „Ministerium“ heißen – mit Anleihen bei Netflix.
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Der Internetriese Yandex musste sich bereits Attacken der Obrigkeit erwehren. Quelle: mauritius images
Roter Platz in Moskau

Der Internetriese Yandex musste sich bereits Attacken der Obrigkeit erwehren.

(Foto: mauritius images)

MoskauGibt es bald eine russische Version von „House of Cards“? Der russische Internetdienstleister Yandex jedenfalls bastelt am Aufbau seiner Mediensparte. Drei Filme und eine Neujahrsshow hat Yandex im vergangenen Jahr bereits gedreht, nun will das Unternehmen aber regelmäßig seinen Online-TV-Kanal mit eigenen Inhalten bestücken, um langfristig Zuschauer zu binden.

Yandex ist das mit Abstand größte Internetunternehmen in Russland. 1997 von Arkadi Wolosch und dem inzwischen verstorbenen Ilja Segalowitsch gegründet, hat der Konzern als Suchmaschine im russischen Internet einen Marktanteil von 60 Prozent, weit vor Konkurrent Google.

Das Angebot bei Yandex – seit 2011 an der Nasdaq notiert – geht aber inzwischen weit über eine reine Suchmaschine hinaus: Es gibt E-Mail- und Cloud-Dienste, Online-Übersetzer und –bezahldienste sowie Landkarten- und Streamingservices. Yandex.Taxi ist nach einer Kooperation mit Uber der wichtigste Taxidienst des Landes, gerade in Moskau floriert zudem das Geschäft mit verschiedenen Lieferservices von Yandex, sei es Mittagessen, Päckchen oder Schwerladungen.

Worum es bei der Medienproduktion genau geht, will das Unternehmen noch nicht verraten: Yandex sei bereit, „in verschiedenen Rollen aufzutreten – als Co-Investor für Projekte, die schon in Arbeit sind und als Auftraggeber für neue Projekte“, erklärte die Generaldirektorin der dafür zuständigen Tochtergesellschaft Yandex.Studio, Olga Filippuk in einer offiziellen Stellungnahme.

Dabei seien mehrere Medienformate für den Konzern interessant, der daher „Verhandlungen mit verschiedenen Firmen über die Produktion von Filmen, Serien und Shows unterschiedlicher Genres führt“, fügte sie hinzu. Details wurden noch nicht offenbart.

Dabei sind erste Projekte wohl schon festgelegt, wie die Tageszeitung „Wedomosti“ erfahren hat: Namentlich nennt das Blatt die Serie „Ministerium“, die Yandex mit dem Showman und Producer Alexander Zekalo auf die Beine stellen will. Zekalo hat in Russland große Bekanntheit durch die Produktion unterschiedlichster TV-Formate erlangt.

So ist er Produzent der Kinokurzserie „Gogol“, ebenso wie der Satire-Talkshow „Projector Paris Hilton“. 2016 war er der erste russische Produzent, dem es gelang, eine Krimiserie („Silver Spoon“) an Netflix zu verkaufen.

Konzeptionell gibt es wohl bei „Ministerium“ durchaus Anleihen an den Netflix-Erfolg „House of Cards“. So wird in der Serie das Thema Korruption durchgespielt, allerdings auf deutlich geringerer Ebene als im US-Vorbild. Laut „Wedomosti“ ist Yandex nicht bereit, mit sozialkritischen Themen und scharfen politischen Äußerungen anzuecken.

Der Konzern musste sich zuletzt schon einiger Attacken der Obrigkeit erwehren, um seine Unabhängigkeit zu bewahren. Im Herbst war bekannt geworden, dass die mehrheitlich staatliche Sberbank auf Anweisung der Regierung versucht hatte, ein größeres Anteilspaket zu erwerben.

Kurz litten die Yandex-Aktien unter der Nachricht, dass die Duma ein Gesetz berät, wonach auch Nachrichtensuchmaschinen wie Medien behandelt werden sollen und damit Ausländer nicht mehr als 20 Prozent an einem solchen Unternehmen besitzen dürfen. Grund sei die Unzufriedenheit des Kreml darüber, wie die Nachrichten bei Yandex aufgelistet seien, hieß es damals.

Nach den Spekulationen über eine staatliche Übernahmen meldete sich schließlich Firmengründer Wolosch zu Wort: „Ich plane auch weiterhin, Yandex zu führen und bin nicht gewillt, meine Anteile am Unternehmen zu verkaufen“, sagte er und sprach zugleich der Geschäftsführung sein Vertrauen bei der Ausweitung der Geschäftsfelder aus.

Allerdings hat Wolosch neben der russischen Staatsbürgerschaft seit 2016 auch einen maltesischen Pass. Wenn das Gesetz durchgeht, müsste sich Yandex daher von seinem Nachrichtensuchdienst trennen.

Finanziell wären die Folgen zu verkraften. Das Unternehmen ist 2018 deutlich gewachsen. Bei den Neunmonatszahlen weist Yandex einen Gewinn von umgerechnet 530 Millionen Euro aus. Der Cashflow liegt bei 1,25 Milliarden Euro. Damit lassen sich auch die Pläne zur Produktion von acht bis zehn hochwertigen Serien pro Jahr verwirklichen. Zumindest für das russische Fernsehen wird Yandex damit zum scharfen Konkurrenten.

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