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Hyunsuk Kim

Er ist einer der drei Chefs von Samsungs Elektroniksparte und lässt sich gerne „HS“ nennen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Samsung-Electronics-CEO HS Kim Ein Mikrofon für jeden Raum – Samsung will alle Geräte vernetzen

Ob Smartphone, Fernseher oder Kühlschrank: Samsung Electronics will alle Produkte vernetzen – und nutzt dafür künstliche Intelligenz.
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BerlinViele Menschen haben einen digitalen Assistenten zu Hause. Alexa, Siri und der namenlose Helfer von Google spielen Musik, beantworten Fragen und erinnern an die kochenden Nudeln auf dem Herd. Geht es nach Samsung, nehmen bald indes nicht nur Lautsprecher, sondern auch Kühlschränke, Fernseher und vielleicht sogar Klimaanlagen Kommandos entgegen.

„Die Menschen gewöhnen sich an Sprachassistenten, das ist ein Trend, der sich ausbreitet“, sagt HS Kim, einer der drei Chefs der Elektroniksparte, in einem exklusiven Gespräch mit dem Handelsblatt. „Aber wenn sie im Schlafzimmer sind, wollen sie nicht erst in die Küche gehen, um den Lautsprecher zu nutzen.“ Warum also nicht die Klimaanlage nehmen? Die werde in seiner Heimat Korea häufig ohnehin schon mit Sprachbefehlen gesteuert.

Wo Samsung überall Mikrofone einbaue, sei noch nicht beschlossen, betont Kim. Doch sein Gedankenspiel zeigt, welche Bedeutung künstliche Intelligenz (KI) im Allgemeinen und Sprachsteuerung im Speziellen für den koreanischen Konzern hat. Auf der Elektronikmesse IFA in Berlin stellt er die Technologie in den Mittelpunkt seines Auftritts: Sie kommt in immer mehr Produkten zum Einsatz, ob bei der Verbesserung des Fernsehbildes oder bei der Abkürzung des Waschgangs.

Hyunsuk Kim, der sich HS nennen lässt, hat bei Samsung Electronics eine wichtige Doppelrolle. In einem Triumvirat verantwortet er das Geschäft mit Unterhaltungselektronik, das Fernseher, Haushaltsgeräte und Medizintechnik umfasst. Gleichzeitig leitet er die Forschungsabteilung des Konzerns mit mehr als 60.000 Mitarbeitern. Man könnte auch sagen: Er lässt ergründen, welche Technologien den Markt verändern könnten – und führt sie selbst ein. An die Spitze der mächtigen Elektroniksparte trat er im März.

Samsung geht es dank der boomenden Chipsparte blendend. Allerdings schwächelt das Geschäft mit Smartphones und Fernsehern – in beiden Segmenten ist der koreanische Konzern Marktführer. Im zweiten Quartal fiel der Umsatz um 4,1 Prozent auf umgerechnet 44,7 Milliarden Euro, der Nettogewinn um 0,1 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Mit einer Gewinnmarge von 25 Prozent ist der Konzern aber sehr profitabel.

Seit einigen Jahren arbeitet Samsung daran, alle Geräte zu vernetzen. Je besser die Smartphones und Fernseher, Waschmaschinen und Saugroboter zusammenspielen, so die Hoffnung, desto treuer sind die Kunden der Marke mit dem blauen Logo. Im Januar kündigte HS Kim daher auf der Elektronikshow CES eine Strategie vor, um alle Lösungen lückenlos zu integrieren. KI spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Abnehmer Millenials

Dass die Nutzer ihre Geräte vernetzen wollen, steht für den Manager außer Frage. 65 bis 75 Prozent aller Samsung-Produkte würden von Millenials gekauft, die mit dem Internet aufgewachsen ist – er selbst zählt mit 57 nicht mehr dazu. „Sie sind sehr beschäftigt, haben eine anstrengende Arbeit, ein anstrengendes Privatleben.“ Daher sei Bequemlichkeit sehr wichtig. „Sie wollen, dass die Geräte ihnen Arbeit abnehmen.“

Künstliche Intelligenz komme bei Samsung schon länger zum Einsatz, betont Kim – etwa bei der Bilderkennung auf Smartphones. Nun gehe es aber darum, Dienste über mehrere Geräte zu verknüpfen. Wer beispielsweise unterwegs Musik hört, soll diese zu Hause einfach auf dem Fernseher oder Lautsprecher weiter abspielen können, „oder selbst auf dem Kühlschrank“. Und wer im Auto nach Hause fährt, soll mit einem Kommando die Klimaanlage auf Wohlfühltemperatur einstellen können.

Damit die Nutzer nicht auf dem Smartphone herumtippen müssen, soll die Technik ihre Absichten vorausahnen. Für derartige Szenarien brauche es Software, die den Kontext erkennen könne, sagt Kim: „Unsere Vision von künstlicher Intelligenz besteht darin, die Bequemlichkeit und Bedienung unserer Hardwareprodukte zu verbessern.“ Das unterscheide Samsung von anderen Firmen, die mithilfe der Technologie zum Beispiel autonome Autos entwickeln oder die Internetsuche verbessern.

Um sich für die Zukunft zu rüsten, investiert Samsung Electronics massiv. Im vergangenen Jahr wendete der weltgrößte Hersteller von Smartphones, Fernsehern und Chips umgerechnet zwölf Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung auf. Damit steht er in einer Rangliste der Beratung Strategy& auf Platz vier.

Dieses Budget wird weiter wachsen: In den nächsten drei Jahren steckt das Konglomerat 19 Milliarden Euro in künstliche Intelligenz, den neuen Mobilfunkstandard 5G, Autokomponenten und Biotechnologie. In den fünf Forschungszentren für künstliche Intelligenz sollen bis 2020 rund 1000 KI-Experten arbeiten. Die Expertise am Standort Deutschland nutzt der Konzern bislang nicht – „ich werde die Möglichkeiten erkunden lassen“, sagt Kim aber.

Spielen statt telefonieren – mit diesem Flaggschiff will Samsung aufholen

Diese Initiative ist ambitioniert, aber spät. Ein Beispiel: Nach Einschätzung des Marktforschers Canalys werden in diesem Jahr rund 100 Millionen Lautsprecher mit Sprachsteuerung verkauft – ein Großteil davon stammt von Amazon, Google und Apple.

Samsung bringt erst in der zweiten Jahreshälfte in Korea und den USA ein Modell mit dem virtuellen Assistenten Bixby auf den Markt. Deutsch beherrscht er noch nicht.

Kim sieht sich jedoch nicht in Konkurrenz zu den anderen Konzernen. „Ein einzelnes System kann nicht alle Bereiche abdecken“, ist er überzeugt. Die Überschneidungen seien nicht sehr groß. Daher seien Kooperationen sinnvoll. Samsung sei grundsätzlich zu allen wichtigen Trends in Diskussionen mit anderen Firmen. Zum Stand der Verhandlungen äußerte sich der Manager jedoch nicht.

Nicht nur für Samsung ist KI von zentraler Bedeutung. Auf der IFA kündigte der südkoreanische Rivale LG eine Strategie für die Zukunftstechnologie an. Auch viele andere Elektronikhersteller setzen Technologien wie Bild- oder Spracherkennung ein. Auf der Elektronikmesse ist etwa ein Saugroboter zu sehen, der Socken und Kabel auf dem Boden erkennen sollen. Es gibt Smartphones, die den Akku effizienter nutzen. Oder Waschmaschinen, die das Material der Wäsche identifizieren und möglichst schonend behandeln sollen.

Künstliche Intelligenz lässt viele Menschen allerdings nicht an optimierte Fernsehbilder denken, sondern Roboter wie den „Terminator“ – oder zumindest Maschinen, die ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. HS Kim weiß um diese Bedenken. „Wir müssen den Menschen das Gefühl geben, dass sie die Kontrolle über die Zukunft haben, an der wir arbeiten.“

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