Sanjay Brahmawar Führungswechsel bei der Software AG – Woran der neue Chef arbeiten muss

Ende einer Ära: Karl-Heinz Streibich hat die Software AG in schwierigen Zeiten stabilisiert – dem Nachfolger hinterlässt er aber große Aufgaben.
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Software AG: Woran der neue Chef Sanjay Brahmawar arbeiten muss Quelle: Bloomberg
Sanjay Brahmawar

Der neue Chef erbt bei der Software AG große Aufgaben.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfGroße Emotionen lässt sich Karl-Heinz Streibich nicht anmerken, es geht schließlich ums Geschäft. Trotzdem ist diese Telefonkonferenz für den Manager etwas Besonderes: Nach 15 Jahren und 60 Diskussionen mit den Finanzanalysten verabschiedet sich der Vorstandschef der Software AG in den Ruhestand. Er kommt nur noch einmal in sein Büro in der Zentrale des IT-Konzerns in Darmstadt.

Am Ende dieser Ära ist das Unternehmen finanziell kerngesund und strategisch klug aufgestellt – anders als am Anfang. Trotzdem hinterlässt der Manager seinem Nachfolger Sanjay Brahmawar große Aufgaben. So entwickelt sich die Sparte mit der Digitalisierung von Geschäftsprozessen nicht so, wie Anleger und Analysten es wünschen. Die Wachstumsmaschine stottere, monierte die Großbank Barclays in einem Report. Nach der Vorlage der Zahlen am Mittwoch sank der Aktienkurs um bis zu sechs Prozent.

Als Streibich 2003 von der Telekom-Tochter T-Systems zur Software AG kam, war das Unternehmen in einer schwierigen Lage. In den Jahren zuvor hatten die Unternehmen massiv in die Technik investiert, es war die Zeit des Dotcom-Booms oder Y2K-Panik. Doch der Boom endete für den IT-Konzern abrupt: Das Geschäft mit Datenbanksystemen für Großrechner schrumpfte, ambitionierte Produkte floppten, neue Konzepte waren nicht in Sicht.

Das Managementteam senkte die Kosten und baute über die Jahre mehrere neue Geschäftsfelder auf. Die Software AG ist heute führend bei der Systemintegration, die die verschiedenen Programme und Systeme in einem Unternehmen verknüpft. Sie bietet die Automatisierung von Geschäftsprozessen an. Und sie hat Lösungen, um die großen Datenmengen zu analysieren, die heutzutage entstehen.

Die Digital Business Platform (DBP), in der viele dieser Lösungen zusammengefasst sind, hat im zweiten Quartal 107 Millionen Euro erwirtschaftet, dazu kommen Erlöse aus der Beratung. Zwei Drittel des Geschäfts trägt die Sparte somit bei. Der Gesamtumsatz schrumpfte leicht auf 205 Millionen Euro – der starke Euro machte sich bemerkbar. Dank der Kostendisziplin stieg das Nettoergebnis auf 42 Millionen Euro.

Der Konzern investiert in ein Zukunftsgeschäft

„Streibich war der richtige Mann fürs Unternehmen, er hat den Boden dafür bereitet, dass es sich so stabil entwickelt“, sagt Mirko Maier, Analyst bei der LBBW. Der Manager habe schon früh eine Vision für die Digitalisierung der Wirtschaft entwickelt. Mit klugen Zukäufen und weitsichtigen technologischen Entscheidungen sei es ihm gelungen, den Konzern darauf auszurichten – und so für die Zukunft zu rüsten.

Zumal die Software AG derzeit in ein Zukunftsgeschäft investiert: die Vernetzung von Maschinen, Fahrzeugen und anderen Geräten, die Experten unter dem Begriff Internet der Dinge zusammenfassen. 2017 übernahm der Konzern für 49 Millionen Euro das deutsche Start-up Cumulocity, das darauf spezialisiert ist. Dieses Jahr kommt für 35 Millionen Euro die belgische Firma Trendminer hinzu, deren Software Maschinendaten übersichtlich analysiert.

Streibich erhofft sich starkes Wachstum – die Marke von 100 Millionen Euro sei bei dynamischen Wachstum innerhalb weniger Jahre erreichbar, sagte er dem Handelsblatt im Januar. Bisher ist das Geschäft noch klein, im zweiten Quartal steuerte der Bereich „Cloud & IoT“, in den noch andere Dinge einfließen, 5,3 Millionen Euro bei, was allerdings einem Plus von 52 Prozent entspricht.

Allerdings konnte Streibich nicht alle Versprechen einlösen. Das Unternehmen erreichte mehrfach die eigenen Prognosen nicht, was bei Analysten und Anlegern zu Verstimmungen führte – der Aktienkurs entwickelte sich daher im Vergleich zu vielen anderen IT-Anbietern unterdurchschnittlich. In den vergangenen Jahren kamen zwischenzeitlich sogar Gerüchte auf, SAP wolle die Software AG übernehmen.

Nach 15 Jahren und 60 Diskussionen mit den Finanzanalysten verabschiedet sich der Vorstandschef der Software AG in den Ruhestand. Quelle: PR
Karl-Heinz Streibich

Nach 15 Jahren und 60 Diskussionen mit den Finanzanalysten verabschiedet sich der Vorstandschef der Software AG in den Ruhestand.

(Foto: PR)

Das abgelaufene Quartal steht dafür exemplarisch. Die Digital Business Platform habe die Schwäche vom Jahresanfang ausgeglichen, mehr aber nicht, monierte etwa Barclays. Und die Sparte fürs Internet der Dinge wachse nicht stark genug. Die Stärke resultiere aus dem Altgeschäft mit den Datenbanken. Die Zahlen seien daher „besorgniserregend“.

LBBW-Analyst Maier sieht es nicht ganz so negativ. „Das Geschäft mit der Digitalisierung von Unternehmen hat sich nicht so entwickelt, wie sich die Software AG das vorgestellt hat“, bilanziert er aber. „Aus Sicht des Kapitalmarktes ist es wichtig, dass die neuen Angebote einen verstetigten Umsatzstrom beisteuern – das würde den Aktienkurs beflügeln.“

Das Unternehmen selbst sieht in den Analysen einige Missverständnisse. „Wir haben die Hausaufgabe, den Analysten zu erklären, worauf sie bei unseren Zahlen zu achten haben“, sagt Finanzchef Arnd Zinnhardt. Bei den großen Geschäftsabschlüssen verkaufe die Software AG nicht nur Lizenzen, sondern vereinbare zusätzlich nutzungsabhängige Vergütungen, die sie über die Zeit verbuche. „Ich garantiere Ihnen: Am Ende des Tages werden wir damit mehr Geld verdienen“, so Zinnhardt gegenüber Handelsblatt.

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Daher sei fürs langfristige Geschäft der Anteil jährlich wiederkehrender Erlöse wichtig, zusammengefasst als Annual Recurring Revenue (ARR). In der Sparte „Cloud & IoT“ seien beispielsweise für die nächsten zwölf Monate Umsätze in Höhe von 25 Millionen Euro vorvermerkt. Künftig soll die Kennzahl auch beim Ausblick eine wichtige Rolle spielen, wie der Konzern beim Kapitalmarkttag mitgeteilt hat.

Das Unternehmen sieht sich also für die nächste Welle der Digitalisierung vorbereitet. „Die Früchte von Streibichs Arbeit wird sein Nachfolger ernten, wenn er die Umsetzung richtig angeht“, ist LBBW-Analyst Maier überzeugt.

Dass sich Sanjay Brahmawar mit den neuen Geschäftsfeldern auskennt, ist unstrittig: Er ist Geschäftsführer einer IBM-Einheit, die Technologien an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Vernetzung entwickelt, und verantwortete zuvor das Geschäft mit europäischen Industrieunternehmen. Auch Ausdauer dürfte er haben: Als Hobbys nennt er Laufen, Rad fahren und Golf.

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