SAP-Chef Bill McDermott Der Typ, der nie aufgibt

Beinahe wäre Bill McDermott bei einem tragischen Unfall gestorben. Trotz der schweren Verletzungen will der US-Amerikaner als SAP-Chef weitermachen. Seine Biografie zeigt: Dieser Mann gibt nicht so schnell auf.
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Der SAP-Chef ist ein Kämpfertyp. Quelle: AFP
Bill McDermott

Der SAP-Chef ist ein Kämpfertyp.

(Foto: AFP)

Das Haus steht in Flammen. Der zwölfjährige Bill McDermott packt seinen kleinen Bruder und rettet ihn hinaus. Auch seine Mutter und die Schwester schaffen es – der Vater ist auf Nachtschicht. Das Haus ist nicht mehr zu retten. Jahrelang musste die Familie sparen, um endlich den kleinen Mietwohnungen im New Yorker Stadtteil Queens zu entfliehen und sich den Traum der eigenen vier Wände zu erfüllen. Nun geht alles in Rauch auf.

Bill McDermott wuchs nicht in ärmlichen Verhältnissen auf, wie der Amerikaner in seiner im Frühjahr erschienenen Autobiografie „Mein Weg zu SAP“ schreibt, aber „in manchen Monaten reichte das Geld einfach nicht, um die Rechnungen zu bezahlen“. Emotionale Tiefschläge prägen die Kindheit des heutigen SAP-Chefs: Sein Bruder Jamie starb, als Bill sieben war. Der Brand belastete das Familienleben über Jahre hinweg. Doch Bill McDermott lernte früh, sich nicht entmutigen zu lassen und immer weiter zu kämpfen.

Diese Fähigkeit braucht der Top-Manager auch jetzt wieder. Wie am Mittwoch bekannt wurde, war McDermott Anfang Juli im Haus seines Bruder ausgerutscht und auf ein Glas gefallen. Er überlebte nur knapp, verlor aber ein Auge. Die Öffentlichkeit bekam davon zunächst nichts mit. In der Zeit nach dem Unfall war bei SAP nicht viel los. Die Bekanntgabe der Quartalszahlen erledigte McDermott per Telefon.

Der Aufsichtsrat geht davon aus, dass der Amerikaner als Chef von SAP weitermacht. Doch man kann leicht erahnen, was das unter solchen Umständen bedeutet: Dax-Chef zu sein, bringt Geist und Körper in einen Grenzbereich. Das zeigt auch der Kreislaufkollaps von BMW-Chef Harald Krüger zum Start der IAA am Dienstag.

Schafft McDermott das? Wenn nicht er, wer dann – lautet die Antwort, wenn man sich seine Biografie ansieht.

Zwischen SAP und Hoffenheim
Die Anfangszeiten
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Dietmar Hopp kam am 26. April 1940 in Heidelberg zur Welt. Zunächst studierte er Nachrichtentechnik in Karlsruhe, arbeitete dann als Software-Entwickler für IBM in Stuttgart. Gemeinsam mit seinen vier IBM-Kollegen Klaus Tschira (l.), Hasso Plattner (2.v.l.), Hans-Werner Hector (r.) und Claus Wellenreuther gründete Hopp (2.v.r.) im Jahr 1972 dann das Softwareunternehmen „Systemanalyse und Programmentwicklung“ GbR, aus dem 1988 die SAP AG wurde. Angefangen hat alles mit neun Mitarbeitern. „Ich habe damals die Mannschaftsaufstellung und die gesamte Organisation gemacht“, sagte Hopp später.

Erste Erfolge
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Zu Beginn arbeiteten neun Mitarbeiter für SAP. Sie entwickelten Programme, die Lohnabrechnung und Buchhaltung per Großrechner ermöglichten. Beim ersten Kunden, der Imperial Chemical Industries (ICI) in Östringen, wurde die Software direkt auf den Rechnern installiert und in der Finanzbuchhaltung eingesetzt. Auch heute noch ist Software zur Steuerung sämtlicher Geschäftsprozesse eines Unternehmens wie Buchführung, Controlling, Vertrieb, Einkauf oder Produktion das Kernprodukt des Unternehmens. Schon Ende des ersten Geschäftsjahres erwirtschaftete SAP 620.000 D-Mark Umsatz.

10-jähriges Firmenbestehen
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SAP wurde größer und größer: Im Jahr 1982 feierte das Unternehmen sein zehnjähriges Bestehen. Zum damaligen Zeitpunkt arbeiteten bereits mehr als 250 Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit der SAP-Software. Das Unternehmen erzielte einen Umsatz von rund 24 Millionen D-Mark und beschäftigte erstmals über 100 Mitarbeiter. Während Hasso Plattner (l.), Klaus Tschira (2.v.l.), Dietmar Hopp (2.v.r.) und Hans-Werner Hector (r.) weiter im Amt blieben, schied Gründungsmitglied Claus Wellenreuther nach zehn Jahren SAP aus dem Unternehmen aus.

Börsengang 1988
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1988 zählte das Unternehmen rund 940 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 245 Millionen D-Mark erwirtschafteten. Im August wurde das Unternehmen dann in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, gleichzeitig wurde das Grundkapital der Gesellschaft in zwei Schritten von fünf Millionen DM auf 60 Millionen DM erhöht. Am 4. November des Jahres folgte dann der Gang an die Börse und die SAP AG wurde unter anderem an der Frankfurter und der Stuttgarter Börse gelistet – hier Mitgründer Hasso Plattner an der Kurstafel.

Kooperationsabkommen mit Microsoft
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Hoher Besuch bei SAP: Bill Gates (Mitte), der Gründer von Microsoft, stattete der Firmenzentrale im badischen Walldorf 1996 einen Besuch ab und wurde von den SAP-Mitgründern Klaus Tschira (l.) und Henning Kagermann (r.) begrüßt. Der US-Konzern und der deutsche Software-Hersteller hatten zuvor ein Abkommen abgeschlossen. Ziel war es, das SAP-System R/3 auf Windows NT zu portieren, SAP kauft zudem Anteile am Dokumentenmanagement-Anbieter IXOS.

25-jähriges Firmenbestehen
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SAP wuchs auch in der Folgezeit rasant. 25 Jahre nach der Gründung überstieg das Geschäftsergebnis von Steuern erstmal die Milliarden-Grenze. Das sorgte auch in der Politik für Aufsehen: Beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen begrüßte Hopp (l.) als Vorstandschef im April 1997 Erwin Teufel, Ministerpräsident von Baden-Württemberg (2.v.l.) und Bundeskanzler Helmut Kohl (rechts) mit seiner Frau Hannelore (2.v.r.).

Hopp wird Vorsitzender des Aufsichtsrates
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Raus aus dem operativen Geschäft: Im Mai 1998 schied Hopp (l.) aus dem Vorstand aus und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats. Zweiter Vorstandssprecher neben SAP-Mitgründer Hasso Plattner (M.) wurde Henning Kagermann (r.). Zu diesem Zeitpunkt hatte SAP mehr als als 15.000 Kunden und mehr als 19.000 Mitarbeiter, Umsatz des Geschäftsjahres 1998 betrug 4,3 Milliarden Euro. Am 3. August 1998 folgte der Gang an der New Yorker Börse. Weitere sieben Jahre später trat Hopp auch aus dem Aufsichtsrat zurück, Hasso Plattner blieb damit der einzige noch im Unternehmen aktive SAP-Gründer.

Seine Lehrerin riet den Eltern, nicht zu viel von Bill zu erwarten. Er könne wohl Mechaniker oder Lastwagenfahrer werden. Doch das reichte dem jungen Bill nicht: Mit elf Jahren begann er, sein eigenes Geld zu verdienen. Für einen Zeitungsjungen war er zwar noch recht jung, dafür aber schnell überaus erfolgreich. Das Erfolgsrezept: „Um gute Trinkgelder zu bekommen, musste ich dafür sorgen, dass die Leute ihre Zeitungen so bekamen, wie sie sie wollten.“ Top-Service bis ins Detail und mit dem Blick, was die Kunden wirklich interessiert. Das lernte Bill McDermott damals von 6 bis 9 Uhr morgens vor dem Gang in die Schule.

Die nächste Stufe erklomm McDermott mit 15: Eine Supermarktkette eröffnete im Viertel eine Filiale. Bill McDermott war zwar mit Abstand der jüngste in der Warteschlange der Bewerber, überzeugte aber mit seiner energiegeladenen Art und bekam den Job. Zunächst sammelte er Einkaufswagen auf dem Parkplatz ein, dann wurde er zum Regalbetreuer befördert und so ging es weiter. Nebenbei nahm er als Tellerwäscher einen Zweitjob an. „Allein wach zu bleiben, war Schwerstarbeit“, schreibt McDermott über diese Zeit.

Mit 17 machte sich der Teenager selbstständig und investierte das verdiente Geld, um einen Deli zu kaufen. Das gewaltige Risiko lohnte sich, mit geschicktem Marketing wurde der Laden zum Renner. Später lief das Studium parallel zum geschäftlichen Teil. Als er den Laden später verkaufte, reichte der Erlös, um seinen Eltern ein Haus „an einem schönen Platz“ am Strand zu kaufen.

Die Zeit der Selbstständigkeit war für McDermott vorbei, aber auch in einem Großkonzern machte er sich gut. Bis 1984 wurde er einer der erfolgreichsten Verkäufer beim Drucker-Hersteller Xerox. Dort machte McDermott Karriere und wechselte im Jahr 2000 zum Marktforschungsunternehmen Gartner. Doch die „verlockenden Chancen“ erfüllten sich nicht. Beruflich war er in eine Sackgasse geraten. Und gleichzeitig bekam seine Frau Julie die Diagnose Brustkrebs: „Im Alter von 38 Jahren, als ich geglaubt habe, mein Leben im Griff zu haben, hatte ich einen Tiefschlag hinnehmen müssen.“

McDermott wechselte aus lauter Not zu Siebel Systems nach Kalifornien, wurde dort aber alles andere als glücklich. Nach einem Jahr schied er dort aus und war zum ersten Mal seit seinem elften Lebensjahr arbeitslos.

Doch an dem Punkt, wo andere aufgegeben hätten, legte McDermott erst richtig los – und hatte Glück. Hasso Plattner war auf ihn aufmerksam geworden und die Gespräche im Haus des SAP-Gründers verliefen gut. 2002 wurde McDermott CEO von SAP America, 2010 Co-Chef des Gesamtkonzerns und seit 2014 ist er alleiniger Chef.

Zweifellos stellt er sich selbst in seiner Autobiografie ein stückweit heroischer dar als es in Wirklichkeit war, aber aufgeben scheint fürwahr nicht zu den Eigenschaften von Bill McDermott zu gehören. Er kann das jetzt, wenige Tage nach seinem 54. Geburtstag, wieder gebrauchen.

  • gie
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2 Kommentare zu "SAP-Chef Bill McDermott: Der Typ, der nie aufgibt"

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  • Bild 14: 7,3 Mio. Dollar = 6,7 Mrd. Euro?

    Habe ich etwas Spektakuläres an den Kapitalmärkten verpasst? ;-)

  • Erst einmal möchte ich meine Freude zum Ausdruck bringen, dass der SAP die Sache trotzdem überlebt hat. Meine aller besten Genesungswünsche.

    "Nomen est Ohmen", hoffentlich ist das kein Zeichen, dass auch SAP böse auf die Nase fallen wird. Denn auch der Firma SAP wünsche ich, dass sie das aktuelle Doppel-Top überwinden kann.

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