SAP-Chef McDermott zu Trump „Amerika wird seine ursprüngliche Identität wiederfinden“

SAP-Chef Bill McDermott kritisiert die Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump – ohne diesen zu erwähnen. Den eigenen Mitarbeitern verspricht er: „Wir sind immer für Euch da.“
24 Kommentare
„Wir alle sind stolz darauf, dass Ihr unsere Nachbarn, Kollegen und Freunde seid“, schrieb er an die Adresse der eigenen Mitarbeiter. Quelle: Reuters
SAP-Chef McDermott

„Wir alle sind stolz darauf, dass Ihr unsere Nachbarn, Kollegen und Freunde seid“, schrieb er an die Adresse der eigenen Mitarbeiter.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfSAP-Chef Bill McDermott hat sich in einer internen E-Mail von den neuen Einwanderungsregeln der USA distanziert. „Als Amerikaner bin ich stolz auf die Vielfalt, die unsere Gesellschaft in besonderem Maße auszeichnet und zu der Einwanderer aus der ganzen Welt beigetragen haben“, schrieb er in einer Nachricht, die dem Handelsblatt vorliegt. „Amerika wird seine ursprüngliche Identität wiederfinden – jener Traum, der allen die gleichen Chancen bietet.“

McDermott reagierte damit auf eine Anordnung des neuen US-Präsidenten Donald Trump, Besuchern aus sieben muslimischen Staaten die Einreise für mindestens 90 Tage zu verbieten. Das gilt selbst dann, wenn sie ein Visum oder eine Arbeitserlaubnis haben. Wie viele SAP-Mitarbeiter von der neuen Regelung betroffen sind, teilte das Unternehmen am Montag zunächst nicht mit, die Personalabteilung soll sich um alle Fälle kümmern. Zuvor hatten sich bereits etliche Technologiekonzerne wie Google, Twitter und Apple gegen die Maßnahme gestellt.

McDermott kritisierte Trump nicht direkt. Er betonte aber, dass SAP die Menschenrechte schütze und achte und jede Diskriminierung ablehne. Zudem sicherte er zu, dass SAP die Mitarbeiter unterstützen werde: „Ich sage allen Familien in Angst, die nach Ihrem Platz in der Welt fragen: Wir sind immer für Euch da und stehen zu Euch. Ihr seid genau da, wo Ihr hingehört. Wir alle sind stolz darauf, dass Ihr unsere Nachbarn, Kollegen und Freunde seid.“

An die Adresse der betroffenen SAP-Mitarbeiter schrieb McDermott: „Ihr macht Euch Sorgen? Dann bleibt stark. Ihr seid frustriert? Dann gebt nicht auf. Bitte wendet Euch bei Fragen an Stefan und unser HR-Team. Sie unterstützen Euch jederzeit.“ Personalchef Stefan Ries und die Personalabteilung sollen sich um betroffene Mitarbeiter kümmern.

Bisher hatte sich McDermott mit Kritik an Trump zurückgehalten. „In der Wahlkabine stimmt jeder ab, und wenn die Entscheidung gefallen ist, sollte man den gewählten Kandidaten unterstützen“, sagte er dem Handelsblatt im November. Und kurz nach dem Amtsantritt des Bauunternehmers ließ er wissen, dass er „hoffnungsfroh“ sein und SAP die Regierung unterstützen wolle.

Das Silicon Valley stellt sich gegen Trump
Donald Trump
1 von 11

US-Präsident Donald Trump macht Ernst: Bereits im Wahlkampf hatte der Republikaner angekündigt, ein Einreiseverbot für Muslime zu verhängen. Viele hielten das vermutlich für ein leeres Wahlkampfversprechen. Doch Trump hat vergangene Woche massive Einreisebeschränkungen verfügt, um „radikale islamische Terroristen“ aus dem Land fernzuhalten.

Proteste gegen Trump
2 von 11

Vorerst sind von dem Einreiseverbot alle Flüchtlinge und viele Menschen aus muslimischen Ländern betroffen. Doch es regt sich vieler Orten Protest: Wie in Seattle gehen in den Vereinigten Staaten nun viele Menschen auf die Straße, um dagegen zu protestieren.

Google
3 von 11

Und auch große Tech-Konzerne melden sich zu Wort, denn bei ihnen sind auch Mitarbeiter von dem US-Einreiseverbot betroffen. Als Reaktion hat Google seine Mitarbeiter aus dem Ausland zurückgerufen. Mehr als 100 Google-Mitarbeiter sollen davon betroffen sein. Sie sollen sich derzeit beruflich oder privat im Ausland befinden und aus muslimischen Ländern stammen.

Konzerne wie Google könnten wegen des Einreiseverbots auch Probleme bei der Rekrutierung von neuen Talenten bekommen. Eine Google-Sprecherin teilte am Freitag mit: „Wir sind besorgt über die Auswirkungen dieser Anordnung und über alle Vorschläge, die Einschränkungen für Google-Mitarbeiter und ihre Familien mit sich bringen könnten, oder die Schranken aufbauen, die große Talente an der Einreise in die USA hindern könnten.“

Sundar Pichai
4 von 11

Auch der Google-Chef Sundar Pichai meldete sich in einer Mitteilung an seine Mitarbeiter zu Wort: „Es ist schmerzlich zu sehen, wie sich diese Anordnung persönlich auf unsere Kollegen auswirkt.“ Man habe die Position des Konzerns zu Einwanderungsfragen immer öffentlich bekannt gemacht und werde das auch weiterhin tun.

Sergey Brin
5 von 11

Auch Google-Mitgründer Sergey Brin vertritt diese Position: Wie das Tech-Nachrichtenportal „The Verge“ berichtet, hat sich Brin den Protesten am Flughafen von San Francisco angeschlossen. Demnach kommentierte er seine Anwesenheit nicht, da er privat daran teilnahm. Wie Google-Chef Pichai stammt auch Mitgründer Brin aus einer Einwandererfamilie.

Mark Zuckerberg
6 von 11

Facebook-Chef hat sich auf seiner Facebook-Seite zu Wort gemeldet: „Die Vereinigten Staaten sind eine Nation von Einwanderern, und wir sollten stolz darauf sein“, schrieb Mark Zuckerberg. Er verwies auch auf die Herkunft seiner Ur-Großeltern, die aus Deutschland, Österreich und Polen gekommen seien. Die Eltern seiner Frau Priscilla seien als Flüchtlinge aus China und Vietnam in die USA gekommen. Die Erlasse zur Einwanderung beunruhigten ihn, schrieb Zuckerberg. Der Facebook-Chef setzte sich schon 2013 für eine Reform des Einwanderungsgesetzes ein.

Tim Cook
7 von 11

Im Dezember hatte sich Tim Cook noch zusammen mit anderen Tech-Chefs mit Donald Trump in New York getroffen. Das US-Einreiseverbot verurteilt der Apple-Chef ebenfalls: Diese Politik sei keine, die der Konzern unterstütze, heißt es in einer E-Mail an seine Mitarbeiter, die dem „Business Insider“ vorliegt. Man sei bereits in Kontakt mit betroffenen Mitarbeiter, um diese zu unterstützen. Apple hätte es ohne Einwanderung nicht gegeben, schreibt Cook (Apple-Gründer Steve Jobs hatte einen syrischen Vater). Cook beendete sein Schreiben mit den Worten Martin Luther Kings: „Wir mögen zwar in unterschiedlichen Schiffen gekommen sein, aber wir sitzen alle im selben Boot.“

Startseite

Mehr zu: SAP-Chef McDermott zu Trump - „Amerika wird seine ursprüngliche Identität wiederfinden“

24 Kommentare zu "SAP-Chef McDermott zu Trump: „Amerika wird seine ursprüngliche Identität wiederfinden“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nun befindet sich Trump also auch im Konflikt mit der amerikanischen Justiz, die seine Anordnungen wieder zurück nimmt. Im Krieg mit den Medien befindet er sich auch. Handelskiege mit Mexiko und China stehen vor der Tür, wahrscheinlich auch mit Deutschland. Ist es das, was er unter "America great again" versteht?

  • Dass Trump brandgefährlich ist, habe ich hier schon mehrmals geschrieben. Es macht sogar den Anschein, dass er immert kürzester Zeit die ganze Welt auf den Kopf stellen wird, aber schon nach einer Woche hat er die halbe Welt gegen sich und das amerikanische Volk. Das nennt sich doch sicher "Regieren mit Weitsicht", oder gelinde ausgedrückt , ein neuer amerik .Präsident, versehen mit Dummheit hoch 10!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 
     

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @Herr Mark Hoffmann

    Ihr Problem: Die wirtschafltichen Kenntnisse sind sehr beschränkt. Wünsche Ihnen angenehmes abwandern

  • @Eduardo Lopez
    Wenn es ihnen lieber ist, dann sagen Sie dazu von mir aus auch abwandern statt auswandern. Ich hoffe, ihrer Kleinkarriertheit, ist damit genüge getan. Danke!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @ Herr Mark Hofmann,
    Wenn es diesen SAP oder anderen Weltkonzernen der USA nicht passt, dann können die auch gerne aus den USA auswandern.

    SAP oder anderen Weltkonzernen ....aus den USA auswandern - die wandern nicht aus, die verlagern die Unternehmensaktivitäten. Der Begriff "auswandern" bezieht sich natürliche Personen, gelle.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Frau Ingwer, Sie nerven. Das glaubt Ihnen doch kein Mensch mehr, dass Sie sich wirklich für Trump begeistern. Nehmen Sie doch einfach zur Kenntniss, dass das Entsetzen über Trump weite Teile der Gesellschaften weltweit vereint. Gleich drei Artikel lese ich zur Zeit auf der ersten Seite vom Handelsblatt, die von Protesten gegen Trump berichten. Alle Zeitungen weltweit tun dies. Auf was für eine irrsinnige Begeisterung stützt sich ihre Hoffnung, Trump könnte für Deutschland etwas Gutes bewirken? Sollen wir eine Mauer durch die Sahara bauen, um die Zentralfrikaner aufzuhalten?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%