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SAP-Übernahmeziel Qualtrics Wie der Mormone Ryan Smith zum Tech-Star wurde

Mit Qualtrics übernimmt SAP für acht Milliarden Dollar ein Software-Unternehmen aus Utah. Dahinter steht ein Gründer mit ganz eigenen Werten.
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SAP übernimmt Qualtrics: Wie Ryan Smith zum Tech-Star wurde Quelle: Qualtrics
Ryan Smith, Qualtrics-Gründer

Mit Qualtrics übernimmt SAP für acht Milliarden Dollar ein Software-Unternehmen aus Utah.

(Foto: Qualtrics)

New York Ryan Smith war zwölf Jahre alt, als ihn seine Mutter mit seinen Geschwistern an einer Straßenecke in ihrer Heimatstadt Provo in Utah absetzte und sagte: „Kommt nicht nach Hause, bevor ihr einen Job gefunden habt.“ Heute ist Ryan Smith 40 Jahre alt und verkauft sein Unternehmen Qualtrics für acht Milliarden Dollar an den deutschen Softwarekonzern SAP.

Seine Mutter war nicht irgendeine Mutter, sondern eine Unternehmerin mit einem Doktortitel zum Thema Informationssysteme. Und Provo ist nicht irgendeine amerikanische Kleinstadt, sondern eine der wichtigsten Zentren der Mormonen – gleich nach Salt Lake City, das nur 70 Kilometer entfernt liegt. In Provo liegt das größte Trainingszentrum für Missionare der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“.

Hier in den Bergen von Utah, zwei Flugstunden vom Silicon Valley ist Qualtrics groß geworden. Wie die Mehrheit der Bevölkerung im Bundesstaat Utah ist auch Smith Mormone. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder. Sein Lieblingsgetränk ist die Limonade „Mountain Dew“ – Alkohol ist streng verboten. Vor dem Essen, das er in Provo fast ausschließlich zu Hause mit seiner Familie einnimmt, wird gebetet. Familie wird groß geschrieben.

Auch Qualtrics selbst ist im Schoße der Familie geboren. Im Jahr 2002 hat Ryan das Unternehmen zusammen mit seinem Vater – einem Marketingprofessor – und seinem Bruder Jared – einem frühen Google-Mitarbeiter – gegründet. Die Idee war, ein Programm zu schreiben, das Universitätsforschern Umfragen erleichtert. Die Zentrale war zunächst der Keller des Elternhauses.

Aus dem Keller-Unternehmen ist heute – ganz ohne Wagniskapital – ein Unternehmen mit 400 Millionen Dollar Umsatz und 9.000 Kunden geworden. Schließlich eignete sich die Umfragesoftware auch für andere Zwecke. Unternehmen können heute direktes Feedback bei ihren Kunden abfragen und verarbeiten.

Eigentlich wollte Smith Qualtrics am 15. November 2018 an die Börse bringen. „Wir sollten am Donnerstag die Börsenglocke läuten. Dann kam ich zum Wochenende nach Hause, und die Dinge haben sich schnell entwickelt“, erzählt Smith mit einem Grinsen Bloomberg TV. Im Studio sitzt er in schwarzer Fliegerjacke neben dem SAP-Chef. Der Walldorfer Konzern zahlt für Qualtrics mit acht Milliarden Dollar das Doppelte des angestrebten Börsenwerts.

„Zusammen definieren SAP und Qualtrics einen neuen Standard“, so SAP-Chef Bill McDermott zur Übernahme. „Beide Unternehmen treibt der gemeinsame Innovationsgeist in Sachen Mission, Strategie und Kultur.“

Smith macht klar, dass das Geld nicht der wichtigste Anreiz für den Verkauf ist: „Wir haben uns nie für den Finanzmarkt optimiert. Wir waren das Unternehmen, das zehn Jahre lang aus eigener Kraft gewachsen ist.“ Und das Wichtigste: „Wir waren immer cashpositiv.“

Damit unterscheidet sich Smith von den meisten Technologieunternehmen des Silicon Valley. Er selbst fliegt zwar auch immer wieder dorthin, um Kunden zu treffen. Aber er hat es sich zur Regel gemacht, nicht mehr als 36 Stunden in der Gegend rund um San Francisco und San José zu verbringen.

„Es ist nicht so, als wäre ich anti-Silicon-Valley“, sagte er einmal. „Ich bin einfach pro-Utah.“ Tatsächlich sponsert Qualtrics die Heimatregion – für wohltätige Zwecke bis zum Jazzfestival.

Arbeit und Bescheidenheit

Aber Utah steht auch für ein anderes Auftreten als das der oft überheblichen Techies aus dem Valley. Dan Ariely, ein Verhaltensökonom der Duke University, hat den Utah-Ansatz einmal so beschrieben: „Es gibt dort viel weniger Arroganz. Statt zu sagen: ,Wir sind hier, um die Welt zu erobern‘, hat man das Gefühl, sie wollen einfach nur gute Arbeit machen.“

Bescheidenheit und gute Arbeit machen – das sind Werte, die bei den Mormonen groß geschrieben werden. Sie haben in Utah etwa die erfolgreiche Billig-Fluglinie Jetblue und die Hotelkette Marriott gegründet. Auch Bohrmaschinenhersteller Black & Decker wurde oft von Mormonen geführt. In Marriott-Hotels liegt neben der Bibel auch das „Book of Mormon“ im Nachttisch.

Jetblue-Gründer David Neeleman war bekannt dafür, dass er seine größeren Kinder oft mit zu Terminen brachte. Sogar als CEO flog er bei Jetblue in der letzten Reihe, wo sich die Rücklehnen nicht nach hinten stellen lassen. Damit zeigte er: Es ist wichtiger, dem Kunden zu dienen als dem CEO.

SAP überrascht mit Qualtrics-Übernahme – Aktie stürzt ab

Ryan Smith denkt selbst viel darüber nach, was er macht und wie er sich verbessern kann. Als persönliche Assistentin hat er eine Statistikerin. Er weiß genau, wie viel Zeit er in Meetings, mit Interviews oder mit seinen Kindern verbringt oder wie viele Nächte er außer Haus war. Mit der gleichen Detailversessenheit führt er die Firma. Das passt zum Produkt: Schließlich geht es bei Qualtrics darum, Unternehmen zu verbessern – durch Umfragen bei Kunden, aber auch bei Mitarbeitern.

Qualtrics ist nicht das einzige Technologieunternehmen in Utah. Hier wurde schon der Softwarekonzern Novell gegründet, der bis in die Neunzigerjahre führend war. Hier sind auch Start-ups wie die erfolgreiche DNA-Test-Firma Ancestry.com entstanden.

Wegen der lebendigen Gründerszene wird die Gegend rund um Provo und Salt Lake City auch gerne Silicon Slope genannt – in Anlehnung an Silicon Valley. Hier an den Hügeln (slopes) von Utah fühlt sich Smith zu Hause. Und von hier aus wird er Qualtrics wohl auch nach der Übernahme durch SAP weiterführen.

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