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Sattelberger will 2000 Verwaltungsstellen am Hauptsitz streichen Telekom stutzt die Zentrale

Kurz nach der schwierigen Einigung mit der Gewerkschaft Verdi über die Ausgliederung von 50 000 Mitarbeitern steht die Deutsche Telekom erneut vor einem Personalabbau. In der Zentrale des Bonner Unternehmens soll jede dritte der 6000 Stellen gestrichen werden, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Telekom selbst wollte sich am Mittwoch nicht äußern.
  • Sandra Louven und Ulf Sommer
Die Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger will offenbar massiv in der Verwaltung sparen. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger will offenbar massiv in der Verwaltung sparen. Foto: dpa

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Die rund 2000 betroffenen Stellen stammen aus dem Ressort des neuen Personalchefs Thomas Sattelberger, der seit Anfang Mai im Amt ist. Die Kürzung im Personalbereich ist aber offenbar nur der Auftakt für Einsparungen in der Verwaltung. Ziel ist es, die Zentrale insgesamt zu verschlanken. Vorstandschef René Obermann hatte in den vergangenen Monaten mehrfach betont, dass er auch andere Bereiche der Zentrale auf ihre Effizienz überprüfe und bei Bedarf verkleinern werde. Er wolle den „Weg der Effizienzsteigerung“ weiter gehen, sagte Obermann bei der Präsentation der Quartalszahlen in der vergangenen Woche.

Obermann kommt es bei den Eingriffen in der Zentrale offenbar nicht nur darauf an, die Personalkosten zu senken. Er will auch die Strukturen ändern und die Verwaltung trotz geringeren Personals gegenüber den einzelnen Konzernbereichen stärken. Bei der Telekom gibt es nicht nur eine Zentrale, sondern gleich 20 mit insgesamt 20 000 Beschäftigten. Jede Sparte wie Mobilfunk oder Geschäftskunden besitzt eine eigene Verwaltung, hinzu kommen noch zentrale Standorte, die quer über das Bundesgebiet verteilt sind. Durch eine stärkere Bündelung etwa der Personalabrechnung und -buchhaltung am Hauptsitz in Bonn könne die Telekom erhebliche Synergien erzielen, heißt es in Unternehmenskreisen. Durch das Outsourcing von Bereichen wie der Aus- und Weiterbildung könne Obermann zudem Kosten flexibler gestalten.

Die Telekom leidet vor allem in Deutschland unter sinkenden Umsätzen und Gewinnen. Grund hierfür sind massenhafte Kundenverluste im klassischen Telefongeschäft und ein harter Preiskampf auf dem mittlerweile gesättigten Mobilfunkmarkt. Der Konzernchef will deshalb die Kosten bis zum Jahr 2010 um jährlich 4,7 Mrd. Euro reduzieren. Insgesamt will die Telekom bis Ende kommenden Jahres 32 000 Mitarbeiter über Angebote wie Abfindungen oder Vorruhestandsregelungen abbauen.

Die Gewerkschaft reagierte zunächst gelassen auf die Pläne. „Wenn sich die Telekom darüber Gedanken macht, wie sie die Effizienz steigern und Doppelarbeit vermeiden kann, kann man das nicht von vorneherein ablehnen“, sagte Verdi-Bundesvorstand und stellvertretender Telekom-Aufsichtsratschef Lothar Schröder dem Handelsblatt. Dieser Prozess könne aber nicht über eine Kopf-Zahl laufen, sondern muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Für die Beschäftigten haben die geplanten Kürzungen in der Zentrale nach Ansicht von Experten eine wichtige symbolische Bedeutung. „Sie zeigen der Belegschaft, dass Obermann den Rotstift nicht nur bei den einfachen Mitarbeitern ansetzt“, sagt ein Berater.

Aus dem Umfeld des Konzerns heißt es, Pläne für Kürzungen im Personalressort gebe es bereits seit einiger Zeit. So habe Sattelbergers Vorgänger Heinz Klinkhammer ein ähnliches Programm unter dem Namen „[email protected]“ entworfen. Man habe seinerzeit aber nicht zu viele Baustellen gleichzeitig aufmachen wollen und sich zunächst um den Umbau im Servicebereich gekümmert.

Die Telekom ist nicht der einzige deutsche Konzern, der in der Zentrale den Rotstift ansetzt. Nachdem viele Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Produktion auf Rendite getrimmt haben, gehen sie nun an die Verwaltung, um die Margen zu erhöhen. So hat Daimler-Chrysler angekündigt, in den kommenden Jahren seine Verwaltung weltweit zu straffen. Dadurch fallen bis 2008 weltweit etwa 6000 Arbeitsplätze weg. Beim Energie- und Chemiekonzern RAG und den Tochtergesellschaften Degussa, Steag und RAG Immobilien wird bis 2009 in den Verwaltungen nach Schätzungen aus Branchenkreisen knapp die Hälfte der 4300 Stellen gestrichen. Die Allianz baut bei den inländischen Versicherungs- und Vertriebstöchtern mehr als 5000 Stellen ab.

Nach einer Untersuchung der Managementberatung A.T. Kearney werden in Deutschland in den kommenden fünf bis zehn Jahren allein in den Schlüsselindustrien knapp 120 000 der 152 000 Arbeitsplätze in der Verwaltung wegfallen. Analysiert wurden in der Studie rund 150 Top-Unternehmen in den Segmenten Automobil, Stahl, Pharma, Energie, Chemie und Telekommunikation, die gemeinsam mindestens 60 Prozent des Umsatzvolumens ihrer jeweiligen Branche repräsentieren. Der größte Anteil am Stellenabbau entfällt demnach auf Automobilfirmen (41 Prozent) und die Versorger (23 Prozent). Sie haben mehr als die Hälfte des Strukturwandels zu tragen.

Drastische Schrumpfkur

Abbau: Die Telekom hat seit ihrer Privatisierung im Jahr 1995 jährlich rund 10 000 Mitarbeiter abgebaut. Gleichzeitig wuchs die Mitarbeiterzahl in einigen Sparten - etwa durch Zukäufe im Ausland. Heute hat der Konzern weltweit knapp 250 000 Mitarbeiter, davon 160 000 in Deutschland.

Ausgliederung: Im Juli dieses Jahres gliederte die Telekom 50 000 Service-Mitarbeiter in neue Einheiten aus. Für diese Bereiche vereinbarte der Konzern mit der Gewerkschaft Verdi nach einem mehrwöchigen Streik niedrigere Löhne und gleichzeitig längere Arbeitszeiten.

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