Serie – Globale Konkurrenten im Check (1) Warum die schwachen Quartalszahlen Netflix nicht aufhalten können

Netflix wächst schwächer als erwartet. Doch ein schwaches Quartal dürfte den Boom nicht stoppen: Denn die Konkurrenz kann trotz neuer Angebote nicht mithalten.
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Der Streaming-Dienst bleibt trotz eines schwachen zweiten Quartals auf Expansionskurs.
Netflix

Der Streaming-Dienst bleibt trotz eines schwachen zweiten Quartals auf Expansionskurs.

San Francisco, New YorkNetflix-Chef Reed Hastings hat es auf zwei ganz bestimmte Endgeräte seiner Kunden abgesehen. „Wir wollen die eine App sein, die fast jeder auf seinem Homescreen hat, ob das auf dem Smartphone ist oder dem Fernseher“, sagte der 57-Jährige zur Veröffentlichung der Zahlen des Medienkonzerns für das zweite Quartal.

Diesem Ziel rückt Netflix nun immer näher. Die Plattform hat sich vom einfachen DVD-Verleih in einen globalen Fernsehsender verwandelt. Das weltgrößte Netzwerk für Internet-TV versorgt inzwischen 130 Millionen Haushalte in mehr als 190 Ländern, doppelt so viele Menschen wie noch 2014. Nutzer streamen durchschnittlich zwei Stunden täglich, darunter Netflix-Eigenproduktionen wie „Stranger Things“ oder „The Crown“, Dokumentationen und Spielfilme.

Unter dem Strich steht auch im abgelaufenen Quartal wieder ein Reichweitenwachstum von 18 Prozent und ein Umsatzplus von 43 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn pro Aktie lag bei 85 Cent, insgesamt betrug er 384 Millionen Dollar. Allerdings wuchs die Mitgliederzahl erstmals seit fünf Quartalen weniger stark als erwartet. Netflix gewann nur 5,2 Millionen neue Fans hinzu, weniger als die 6,2 Millionen, die das Unternehmen zuvor in Aussicht gestellt hatte.

Anleger an der Wall Street reagierten enttäuscht auf die Zahlen. Die Aktien von Netflix gaben nach Veröffentlichung der Quartalszahlen um bis zu 14 Prozent nach. Karsten Weide vom amerikanischen Marktforscher IDC sieht die grundsätzliche Erfolgsgeschichte von Netflix jedoch „nicht angetastet“, weil Nutzerdaten immer wieder schwanken und Netflix sich in seinen Prognosen schon vielfach unterboten hatte. Und selbst ein geschwächtes Netflix ist noch stärker als die alte Konkurrenz.

Höher bewertet als Disney

Hastings’ erst 20 Jahre alte Firma ist mit 180 Milliarden Dollar höher bewertet als das 1923 gegründete Disney, das nur auf 158 Milliarden Dollar kommt. Auch Comcast mit Traditionsmarken wie Universal Studio steht mit 155 Milliarden Dollar schlechter da.

Das Unternehmen aus Los Gatos hat die Gesetzmäßigkeiten des Marktes verschoben. Heute schauen Menschen zwischen zwölf und 24 Jahren nur noch halb so viel Bezahlfernsehen wie 2010. Netflix verbraucht ein Fünftel der weltweiten Internet-Bandbreite. „Netflix ist die vielleicht beste Erfolgsgeschichte der Technologie-Industrie“, sagt Doug Anmuth von JP Morgan. Firmen mit einer derartigen globalen Reichweite bei gleichzeitig nach wie vor hohen Wachstumschancen, vor allem im internationalen Raum, sehe er selten.

Ein mageres Quartal fällt da nach Ansicht der Analysten nicht stärker ins Gewicht. „Netflix wird langfristig ein führender Produzent in vielen der größten internationalen Märkte sein“, glaubt John Blackledge von der Investmentbank Cowen Group.

Die Zahl der neuen Fans außerhalb der USA wird für die Plattform dabei zur wichtigsten Kennzahl. „Der amerikanische Heimatmarkt ist weitestgehend saturiert“, sagt der Portfolio-Manager Dan Morgan von Synovus Trust. Das zeigt auch die jüngste Entwicklung im abgelaufenen Quartal: In Amerika gewann Netflix nur 670.000 neue Mitglieder hinzu statt der erwarteten 1,19 Millionen.

International hingegen begeisterte der Konzern 4,47 Millionen neue Abonnenten. Der ehrgeizige Expansionskurs von Netflix zahlt sich aus. Im Januar 2016 war der Dienst in 130 neuen Ländern gleichzeitig gestartet. „Die globale Expansion brauchte etwas Zeit, um sich zu beschleunigen“, sagt der JP-Morgan-Analyst Anmuth. „Aber nun sehen wir ein starkes Wachstum bei den internationalen Abonnenten.“ Anders als früher verdiene die Firma in den internationalen Märkten inzwischen Geld, sagt Dan Morgan von Synovus Trust.

Der Hype um Netflix-Serien wie die Comedy-Serie „Unbreakable Kimmy Schmidt“ oder den Psycho-Streifen „13 Reasons Why“ begeistert auch die Wall Street. Innerhalb der sogenannten FAANG-Aktien zählt Netflix zu den klaren Gewinnern.

Der Index setzt sich aus den vier an der Nasdaq-Börse gelisteten Internetgiganten Facebook, Amazon, Netflix und der Google-Mutter Alphabet zusammen. Während die Apple-, Facebook- und Alphabet-Aktien im Jahresvergleich nur niedrig zweistellig Bereich wuchsen, stieg der Netflix-Kurs um über 106 Prozent.

Einige Analysten begegnen diesem Kurssprung allerdings skeptisch und warnen vor kurzfristigen Rückschlägen. Milton Berg, Chefstratege der Beraterfirma Milton Berg Advisors, warnt schon vor einem Netflix-Hype. „Die Nachfrage nach der Aktie ist zu hoch, zu spekulativ“, sagt er. Derzeit kauften zu viele unerfahrene Investoren das Papier, die dazu tendierten, die Aktie schnell wieder abzustoßen. „Der Aufstieg von Netflix wird nicht anhalten.“

Netflix wagt ein Preisexperiment
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