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Serie – Globale Konkurrenten im Check (13) Die internationale Konkurrenz setzt Vodafone zunehmend unter Druck

Der scheidende Konzernchef Colao hat Vodafone global aufgestellt. Doch nicht überall läuft es gut für den britischen Mobilfunkriesen.
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International wird der Wettbewerb härter, der Aktienkurs fällt. Quelle: AFP
Vodafone-Geschäft in London

International wird der Wettbewerb härter, der Aktienkurs fällt.

(Foto: AFP)

London/DüsseldorfWenn Vodafone-Chef Vittorio Colao Optimismus verbreiten will, greift er zu seinem Handy. „Die Nachfrage nach Daten wird in den kommenden Jahren weltweit explodieren“, erklärt der gebürtige Italiener, während er demonstrativ mit dem Gerät in der Luft herumwedelt. Ob Flugzeuge oder Fahrräder – alles werde in Zukunft mit dem Internet verknüpft.

„Wir alle werden mehr Bandbreite, mehr Daten, mehr Speicher in der Cloud und ein höheres Übertragungstempo benötigen“, schwärmt Colao. Er meint damit Privatpersonen genauso wie Unternehmen, die auf Digitalisierung setzen. Deswegen habe Vodafone unter seiner Führung in den vergangenen Jahren so viele Milliarden in den Ausbau der Netze investiert.

Die Kleinaktionäre, die an diesem Morgen in London in die dunkle Veranstaltungshalle gekommen sind, wirken jedoch nicht überzeugt. „Umsatz, Gewinn, alles mies“, schimpft einer. Zuletzt war der Gewinn von Vodafone jedoch gestiegen, nach einem Minus in den Jahren zuvor erzielte das Unternehmen ein positives Ergebnis von 2,8 Milliarden Euro.

Und der Umsatz von 46,6 Milliarden Euro liege nur deswegen unter dem des Vorjahres von 47,6 Milliarden, weil man das niederländische Geschäft in ein Joint Venture eingebracht habe und nun konsolidiere, verteidigt sich das Management. Organisch sei man sehr wohl gewachsen. Außerdem sei der Cashflow deutlich höher, und zwar 4,0 Milliarden Euro nach 3,3 Milliarden.

Aber viele Analysten sehen die Daten trotzdem kritisch. „Vodafone hat wenig gute Bereiche zu bieten“, sagt Josh Hallett vom Analysehaus Redburn. Zwar sei das Geschäft in Deutschland robust. „Aber in Indien gibt es große Probleme. Und auch in Spanien und Italien läuft das Geschäft nicht gut.“

Bernstein-Analyst Dhananjay Mirchandani sieht Südeuropa als Herausforderung für Vodafone. Wettbewerber wie der französische Mobilfunkkonzern Iliad oder der spanische Mobilfunkdiscounter Másmóvil setzten die Briten unter Druck. „Das Geschäft in Italien wird sich vermutlich weiter verschlechtern“, schreibt Mirchandani in einer Analyse. „In Spanien zwingt Másmóvil Vodafone dazu, sein Geschäft neu aufzustellen und verhasste Endgerätesubventionen wieder einzuführen.“

Das zeigt auch die Aktie. Seit Jahresbeginn ist der Kurs von Vodafone um 20 Prozent gesunken. Damit ist das Minus wesentlich größer als das der Konkurrenten in Spanien, Deutschland und Italien. Mit 1,85 Pfund notiert die Aktie weit unter ihren Höchstständen im Jahr 2000, als sie fast das Doppelte kostete.

Nicht nur Kleinaktionäre murren. „Wir alle sind nicht mit dem Kurs glücklich“, beteuert auch Verwaltungsratschef Gerard Kleisterlee. Das letzte Jahr sei „schwierig“ gewesen, der Wettbewerb hart. „Die Branche steht unter Druck.“

Auch Firmenchef Colao hätte sich eine bessere Bilanz gewünscht, schließlich ist es seine letzte als Vorstandsvorsitzender. Im Oktober übergibt er nach zehn Jahren seinen Posten an seinen langjährigen Finanzvorstand Nick Read. Und nach Meinung des Managements und Verwaltungsrats hat Colao in seinen Jahren viel dafür getan, dass Vodafone vor einer, wie es auf dem Titelblatt des Geschäftsberichts für 2018 steht, „aufregenden Zukunft“ steht.

Gleichwohl sind die Wachstumsraten, die für dieses Jahr prognostiziert werden, bescheiden: Im kommenden Jahr, heißt es, soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), den Vodafone am liebsten als Maßstab heranzieht, zwischen 14,15 Milliarden und 14,65 Milliarden liegen – nach zuletzt 14,7 Milliarden.

Vodafone steht vor vielen Herausforderungen. Da ist der Wettbewerb der Telekommunikationsunternehmen untereinander. Da sind die Auflagen der Regulierung, die teure Investitionen nach sich ziehen. Und da ist die Weiterentwicklung eines Konzerns im Umbruch.

Im Laufe der Jahrzehnte hatten Firmenchefs wie Chris Gent und Arun Sarin das Unternehmen mit spektakulären Milliardenzukäufen rund um die Welt vergrößert. Von dem kleinen Start-up, das 1984 von der britischen Firma Racal Electronics abgespalten wurde, ist nichts mehr zu erkennen. Vodafone ist zu einem der größten Mobilfunkkonzerne der Welt mit über 400 Millionen Kunden geworden. Besonders der Zukauf von Mannesmann vor fast 20 Jahren veränderte Vodafone.

Doch nicht alle Zukäufe erwiesen sich als Glücksgriff. Als Colao 2008 an die Macht kam, fand er ein Unternehmen vor, das vor allem als Mobilfunkanbieter für Privatkunden tätig war. In zahllosen Ländern war Vodafone vertreten, häufig über Minderheitsbeteiligungen, bei denen die Briten nicht ihren Willen durchsetzen konnten.

Wie in den USA, wo Vodafone mit einem Anteil von 45 Prozent an dem US-Mobilfunkanbieter Verizon Wireless der Juniorpartner war. Jahrelang stritt das Vodafone-Management sich mit dem zweiten Eigentümer Verizon Communications über die Ausrichtung.

Erst Colao zog einen Schlussstrich und leitete damit einen Strategieschwenk ein, der Vodafone nachhaltig veränderte: 2013 verkaufte er den Anteil für 130 Milliarden Dollar an Verizon Communications. Es war einer der größten Deals der Wirtschaftsgeschichte – und er erzählt viel über die Strategie des heutigen Telekommunikationskonzerns.

Eine Vision für Vodafone

In jedem Markt, erläutert Colao an dem heißen Juli-Tag den Aktionären auf der Hauptversammlung in London, werde es zwei große Anbieter geben, die den Kunden – Privatkunden genauso wie Geschäftskunden – qualitativ hochwertige, sichere Dienstleistungen anbieten. Es gehe dabei nicht mehr nur um gute Telefonverbindungen, sondern um gebündelte Mobilfunk-, Festnetz- und Fernsehangebote.

Und Vodafone werde zu den zwei Topanbietern gehören. Für Vodafone hat ein „konvergiertes“ Angebot viele Vorteile: Nicht nur, dass die Kunden in der Summe dann mehr Geld zahlen als nur für einen Baustein. Es ist auch für die Anbieter leichter und günstiger, einem bereits bestehenden Kunden weitere Produkte zu verkaufen, als Neukunden zu gewinnen. Und je mehr Produkte ein Kunde nutzt, desto länger bleibt er bei einem Anbieter.

Dieser Gedankengang steckt auch hinter einem weiteren Milliardendeal mit Liberty Global, den Colao erst vor wenigen Monaten einfädelte und der Vodafone in den kommenden Jahren auf dem wichtigsten Markt zu Wachstum verhelfen soll.

Nach langen Verhandlungen, die mehrfach in den vergangenen Jahren gescheitert waren, hatten Vodafone und Liberty Global sich auf die Übernahme des deutschen Kabelanbieters Unitymedia und drei anderer Töchter von Liberty Global geeinigt. 18,4 Milliarden Euro will Vodafone dafür zahlen.

Wenn die Kartellbehörden den Deal genehmigen, ist Vodafone in der Lage, deutschlandweit Internet, TV, Festnetz und Mobilfunk aus eigener Hand anzubieten. Es ist die zweite Milliardenwette auf den deutschen Telekommunikationsmarkt nach dem Kauf von Kabel Deutschland 2013 für 10,7 Milliarden Euro.

Schon lange ist Deutschland zum wichtigsten Markt von Vodafone aufgestiegen: Mit mehr als 30 Millionen Mobilfunkkunden und einem Umsatz von 10,3 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr – rund einem Viertel der Konzernumsätze – ist Deutschland mittlerweile sogar wichtiger für Vodafone als der Heimatmarkt mit 17,5 Millionen Mobilfunknutzern. Und anders als in den Märkten Italien, Spanien und Indien läuft das Geschäft für Vodafone gut.

Vor allem Indien erwies sich für Vodafone in den vergangenen Jahren als Milliardengrab. Durch das Auftauchen des Mobilfunkunternehmens Jio, hinter dem der Milliardär Mukesh Ambani steht, waren die dortigen Preise für Verbindungen und Daten auf Talfahrt gegangen. Mehr als 30 Milliarden Dollar soll er in den Markt gesteckt haben, um, wie er sagt, für die Inder die „digitale Welt zu demokratisieren“.

Mit unschlagbar günstigen Einstiegsangeboten – kostenlosen Telefonminuten etwa – lockte Jio Kunden an und hatte Erfolg: Nach gerade einmal eineinhalb Jahren nutzten 150 Millionen Kunden den neuen Anbieter. Wettbewerber konnten da nicht mithalten, Ende 2016 schrieb Vodafone fünf Milliarden Euro auf sein indisches Geschäft ab. Die Vodafone-Investoren waren entsetzt.

 Doch Colao hat auch hier Maßnahmen ergriffen: Das dortige Geschäft wurde mit dem lokalen Wettbewerber Idea fusioniert, dieser Tage kam grünes Licht der Wettbewerbsbehörden für die Transaktion. Damit würde einer der größten Mobilfunkkonzerne der Welt mit 400 Millionen Kunden entstehen. Darüber hinaus hat Vodafone kürzlich sein indisches Geschäft mit Funktürmen mit dem anderer, lokaler Anbieter zusammengelegt. Man sei auf dem besten Weg, versichert das Management, die Probleme in Indien in den Griff zu bekommen.

In Deutschland sind solche Maßnahmen nicht notwendig. Über alle Dienste hinweg verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzplus von 2,4 Prozent im abgelaufenen Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2,55 Milliarden Euro. „Im Mobilfunk zeigen wir im Umsatz das beste Quartal seit über fünf Jahren, mit einer Viertelmillion neuer Vertragskunden“, so Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter. Im Festnetz liegt das Plus sogar bei 3,4 Prozent auf 1,035 Milliarden Euro.

Die geplante Übernahme des Kabelnetzes von Unitymedia dürfte die größte Herausforderung für Ametsreiter werden. Der Präsident des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, bezeichnete den möglichen Zusammenschluss als „mittelstandsfeindlich“ und als Bremse für den Glasfaserausbau in Deutschland. Andere Wirtschaftsvertreter lobten hingegen die Chance auf ein starkes Gegengewicht zur Telekom im Breitbandmarkt.

Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt will prüfen, ob der Fall nicht in Deutschland statt Brüssel entschieden werden muss. Vodafone und Unitymedia jedenfalls hoffen auf Brüssel. Der künftige Unitymedia-Deutschlandchef Winfried Rapp hatte dem Handelsblatt gesagt: „Ich glaube, dass dies eine Entscheidung von großer Tragweite ist und sie zu Recht auf europäischer Ebene zu verordnen ist.“

Vodafone und Unitymedia befürchten, bei einer deutschen Prüfung strengere Auflagen zu bekommen. Kleineren Anbietern, klagt Colao immer wieder, würden die Regulierer den Zugang zum Markt erleichtern, ohne dass diese dafür hohe Investitionen tätigen müssten.

Mehr als 81 Milliarden Euro hat der Konzern in den vergangenen fünf Jahren investiert, 48 Milliarden davon in die Modernisierung der Netzwerke in Europa. Allein in Deutschland sollen bis 2021 zwei Milliarden Euro zusätzlich in den Ausbau investiert werden.

Zukäufe, Abschreibungen, Investitionen und die Auktion von Bandbreiten – das Geschäft eines Telekommunikationskonzerns ist teuer. Das Geld für die Investitionen stammt zum einen aus dem Cashflow. Im vergangenen Jahr stieg der freie Cashflow auf 4,0 Milliarden Euro nach 3,3 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Doch auch die Schulden stiegen. Die Nettoverschuldung betrug zuletzt 31,5 Milliarden Euro. Das entspricht dem 2,5-Fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). In der europäischen Telekombranche sind dagegen Werte von 2,2 normal. Mehr noch: Durch den Deal mit Liberty Media lag der Wert (per 31. März) bei 3,0. Das sei nichts, was das Management aus der Fassung bringt, wie der künftige Firmenchef Nick Read betont. „Wir sind der Meinung, dass durch die besseren Aussichten für das organische Wachstum und eine robustere Zusammensetzung unserer Umsatzquellen ein etwas höheres Niveau – innerhalb einer Spanne von 2,5 bis 3,0 – gerechtfertigt ist.“

Der neue Vorstandschef Nick Reid steht vor großen Aufgaben, daran ändert Colaos Abschied der schönen Worte nichts. „Er hat seine Sache gut gemacht“, zieht ein Kleinaktionär Fazit. „Aber vielleicht hätte er es noch besser machen können.“

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