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Sundar Pichai

Investiert in künstliche Intelligenz und den Google Assistant.

(Foto: AFP)

Serie – Globale Konkurrenten im Check (4) Google-Mutter Alphabet kann sich nur selbst stoppen

Das Rekord-Bußgeld der EU steckt Alphabet locker weg: Der Umsatz der Google-Mutter steigt ungebremst, der Aktienkurs auch. Wer stoppt den Internetriesen? Brüssel jedenfalls nicht.
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San FranciscoSeine Mission erläutert Sundar Pichai mit ruhiger Stimme. Sobald ein wie auch immer geartetes Problem auftaucht, sollen die Menschen zuerst an Google denken. So schwebt es dem Chef von Alphabets Suchmaschinengeschäft vor. Der Konzern investiere in künstliche Intelligenz und den Google Assistant, damit er sich per Spracherkennung noch besser in den Alltag einschalten könne.

Alphabet will Probleme lösen – egal wie groß, egal wie kompliziert. Ebenso mühelos eben, wie es selbst jede Herausforderung meistert: Vergangene Woche erst verhängte die EU eine Geldbuße von 5,07 Milliarden Dollar gegen den Internetriesen wegen des angeblichen Missbrauchs der Marktmacht beim Smartphone-System Android. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ließ sich für ihr hartes Vorgehen gegen den Technologiegiganten feiern.

Doch selbst die höchste Wettbewerbsstrafe, die Brüssel je ausgesprochen hat, bereitet Alphabet kaum Schwierigkeiten. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück und will Rechtsmittel einlegen. Auch der Aktienkurs reagierte bislang kaum auf die EU-Entscheidung.

„Die Dominanz von Alphabet wird weitergehen“, sagt Randy Katz, Partner in der Anwaltsfirma BakerHostetler. „Fünf Milliarden Dollar sind keine kleine Summe, aber angesichts der Geldreserven von Alphabet doch leicht zu entrichten.“

Das Bußgeld steckt Alphabet einfach weg, wie die aktuellen Quartalszahlen eindrücklich belegen. Mit Berücksichtigung der Zahlung schrumpfte der Überschuss zwar auf 3,2 Milliarden US-Dollar – nach 3,52 Milliarden Dollar vor einem Jahr. Ohne die Strafe hätte der Quartalsgewinn bei 8,3 Milliarden Dollar gelegen und einem Wert von 11,75 Dollar pro Aktie.

Die Investoren reagierten dennoch euphorisch. Der Alphabet-Kurs schoss nachbörslich bis zu vier Prozent ins Plus. An der Wall Street steht das A in Alphabet für alternativlos. Das Werbegeschäft des Technologieriesen wächst wie eh und je.

Der Umsatz legte um 26 Prozent auf 32,7 Milliarden Dollar zu. Analysten hatten laut Thomson Reuters nur mit 32,17 Milliarden Dollar gerechnet. Die Firma wird zudem profitabler. Die operative Marge stieg auf 24 Prozent von 22,5 Prozent zum Jahresbeginn.

Brüssels Züchtigung nimmt Google hin

Wer stoppt Google? Die Wettbewerbshüter in Brüssel jedenfalls nicht. Ihre Züchtigung nimmt Google fast schon gewohnheitsmäßig hin. Erst vergangenen Sommer brummte Vestager dem Internetkonzern eine Geldbuße in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar auf. Ihr Vorwurf lautete damals: Google bevorzuge das eigene Shopping-Angebot gegenüber rivalisierenden Diensten. Doch damals wie heute bleibt die politische Strafe vorerst ohne Folgen.

Die langen Verfahrensdauern verschaffen Google genug Zeit, um sich auf Entscheidungen aus Brüssel einzustellen, bemerkt Randy Katz von BakerHostetler. Die Abgabe sei bereits im Börsenkurs eingepreist. Und Google-Chef Pichai arbeitet ohnehin längst an der Problembewältigung.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden können, die Android Nutzern überall weitläufig zugänglich macht“, unterstrich er im Gespräch mit Analysten. Android habe die Auswahl für alle vergrößert, nicht verkleinert.

„Die interessante Frage wird sein, ob die Entscheidung der EU die Tür für andere Gesetzgeber und Wettbewerbsermittler auf der ganzen Welt öffnet“, sagt Kumar Shah, Managing Director bei der Investment-Firma Transit Capital. Die Begründung der EU lese er sehr aufmerksam, erklärte auch bereits Joseph Simons, Chef der US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC). Die FTC ermittelte in der Vergangenheit gegen Google. Im Raum stand der Vorwurf, das Unternehmen nutze die Macht im Suchmaschinengeschäft aus. Die Untersuchung endete 2013 – mit einer leichten Rüge.

Gravierender aber könnten die Änderungen bei Android ins Gewicht fallen, die Google im europäischen Raum umsetzen soll, sofern das Votum von Vestager Bestand behält. Demnach darf Google Hersteller von Smartphones und Tablet-Rechnern nicht länger vertraglich verpflichten, Suchdienst oder Chrome-Browser vorzuinstallieren, um im Gegenzug Zugriff auf den App Store zu erlangen. Der Logik der EU zufolge erleichtert es Samsung, Lenovo und Co., die Google-Rivalen Microsoft, Amazon oder Yahoo einzubinden.

Google muss Milliarden zahlen – „Diese Strafe wird den Konzern empfindlich treffen“

Der Schlag gegen Android könnte die Kräfteverhältnisse im Smartphone-Markt neu ordnen – hofft die EU. „Android ist für Alphabet von zentraler Bedeutung“, bestätigt Rohit Kulkarni, Managing Director der Investmentfirma Sharespost. „Das Betriebssystem ist der Baustein für jede neue mobile Anwendung.“

Alphabet zehrt von seiner Stärke bei Android. Schon im ersten Quartal wuchsen Googles Werbeumsätze dank des starken Mobilgeschäfts um 26 Prozent, die Summe der bezahlten Anzeigenklicks schoss um 59 Prozent nach oben. Die Datenfirma eMarketer schätzt, dass sich Alphabet bei den mobilen Anzeigen bis Ende des Jahres global zwei Drittel der Anteile sichert.

Es herrschen Zweifel, dass Androids Power verebbt, selbst wenn Alphabet das Widerspruchsverfahren verliert. Im Smartphone-Markt sei das Betriebssystem „alternativlos“, urteilt der Forrester-Analyst Thomas Husson. Die Zahlen belegen dies: Weltweit läuft Android laut der amerikanischen Statistikfirma Statcounter auf 77 Prozent der Smartphones und Tablets. Apple liegt bei nur 18,9 Prozent. An diesem Abstand werde sich wenig ändern, sagt Husson. „Wer jetzt Samsung oder Lenovo kauft, wird nicht über Nacht zum Apple-Fan.“

Die Organisation Fair Search, in der unter anderem das Vergleichsportal Trip Advisor und der Reiseveranstalter Expedia organisiert sind, schimpft, Alphabet habe sich mit Android durch das Sammeln einer „nie dagewesenen Masse an Daten“ einen großen Vorteil verschafft. Nutzern werde „Innovation vorenthalten“. Ein dynamisches Ökosystem, ein hohes Innovationstempo und niedrige Preise seien klassische Merkmale eines starken Wettbewerbs, hält Google-Chef Pichai dagegen.

Marc Al-Hames, Geschäftsführer des deutschen Anbieters Cliqz GmbH, ein Unternehmen von Hubert Burda Media mit einer strategischen Minderheitsbeteiligung von Mozilla, das einen Webbrowser mit integrierter Suchmaschine anbietet, fordert ein „faires Wettbewerbsumfeld für alle Suchmaschinen“. Shivaun Raff, als Chef der britischen Shopping-Vergleichsseite Foundem ebenfalls Google-Konkurrent, mahnt: „Strafen erzeugen Schlagzeilen. Wirksame Rechtsmittel machen den Unterschied.“

„Das Nutzerinteresse hat die Gesetzgebung schon überholt“

Rohan Kulkarni von der Investmentfirma Sharespost sieht die Gründe für die herrschenden Marktverhältnisse in Googles Qualitätsvorsprung. Google Suche und Google Maps seien bei den Nutzern so beliebt, dass diese die Dienste auch herunterladen würden, wenn sie auf den Geräten nicht vorinstalliert seien.

„Warum sollten Samsung oder Lenovo vergleichsweise unterlegene Konkurrenzprodukte einbinden?“, fragt der Forrester-Analyst Husson. „Das Nutzerinteresse hat die Gesetzgebung schon überholt. Digitale Märkte entstehen schneller, als Regulationen greifen.“

Alphabet überflügelt seine Rivalen inzwischen in vielen Bereichen der digitalen Wirtschaft: Microsofts Suchmaschine Bing erreicht der US-Statistikfirma Statcounter zufolge weltweit einen mickrigen Marktanteil von 3,2 Prozent, Yahoo 2,06 Prozent. Google liegt mit 90,3 Prozent vorn. Internetbrowser Chrome überflügelt mit 59 Prozent Apples Safari (13,7 Prozent) und Firefox von Mozilla (5,17 Prozent).

Die Dominanz zahlt sich aus. Alphabet erreicht laut eMarketer bis Ende des Jahres einen Marktanteil von 31 Prozent bei digitaler Werbung, gefolgt von Facebook mit 18 Prozent. Aus den laufenden Anzeigenerlösen heraus kauft Google fortlaufend Klicks hinzu. Es bezahlt Apple Gebühren, damit es Google in Safari als voreingestellte Suchmaschine platziert. Im zweiten Quartal konnte Pichai erstmals seit drei Jahren die Ausgaben senken.

Nebenher arbeitet die Alphabet-Tochter eifrig daran, die Abhängigkeit vom Werbegeschäft zu reduzieren. Auch im vernetzten Leben trifft der Nutzer nach Meinung von Google immer noch auf zu viele Probleme. „Wir wollen ein Ökosystem für das Internet der Dinge bauen und es einfacher für die Hersteller machen, Produkte zu entwickeln“, sagt Vince Wu, Produkt-Manager bei Android Things, das früher unter dem Namen „Brillo“ bekannt war. Jedes mit Android betriebene Smartphone könne mit Android Things betriebene Geräte künftig automatisch erkennen, verspricht er. Das System sei eine „neue Superpower“ für Programmierer.

Warnendes Beispiel für Google: Microsoft

Etwa 100 Google-Entwickler arbeiten zudem an „Fuchsia“. Die neue Software-Plattform soll Sprache und vernetzte Geräte besser erkennen. Wie die Finanzagentur Bloomberg berichtet, könnte „Fuchsia“ Android sogar ersetzen und künftig alle Hardware-Produkte betreiben: die vernetzten Lautsprecher, die Smartphones und Tablet-PCs.

„Die Qualität der Interaktionen bei smarten Geräten ist ein wichtiger Indikator für die Nutzer, deshalb macht es Sinn für Google, in die Qualität der Technologie zu investieren“, urteilt Adam Wright von der Datenfirma IDC.

Google-Chef Pichai will sein Unternehmen zum Anbieter künstlicher Intelligenz aufbauen, der die Menschen dank vernetzter Geräte überall erreicht – und ihre Schwierigkeiten löst. Die nötigen finanziellen Mittel dafür besitzt er. Alphabet erreicht eine Marktkapitalisierung von 831 Milliarden Dollar und besitzt Geldreserven von mehr als 100 Milliarden Dollar.

„Alphabet steht ohne große Bedrohung da“, urteilt Randy Katz von BakerHostetler. Vielleicht könne am Ende nur Google selbst Google stoppen – etwa wenn der Konzern aufgrund des juristischen Hickhacks wichtige technologische Entwicklungen übersieht.

So erging es Microsoft. Die Kartellverfahren in den USA und in Europa, die in den frühen 90er-Jahren begannen und 2007 in Europa endeten, zähmten den Softwaregiganten. Der Vorwurf lautete damals: Microsoft missbrauche seine dominante Stellung bei Windows, um Browser-Konkurrenten vom Markt zu drängen. Bill Gates, der für seinen als arrogant erachteten Auftritt im März 1998 im US-Justizministerium in die Kritik geriet, gab seinen Chefposten 2000 auf.

Unter Nachfolger Steve Ballmer ging es mit dem Konzern jahrelang bergab. „Der höchste Preis war Ablenkung“, gestand Microsoft-Präsident Brad Smith neulich im Interview mit Recode. Während die Führungsriege sich vor Gericht verteidigte, habe Microsoft die Internet-Suche und das mobile Zeitalter einfach „verpasst“.

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1 Kommentar zu "Serie – Globale Konkurrenten im Check (4): Google-Mutter Alphabet kann sich nur selbst stoppen"

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  • Ich werde Google treu bleiben, ich finde wir haben diesem Konzern viel zu verdanken.
    So ist Googlen schon zu einem eigenständigen Begriff geworden.
    Wo stünden wir Heute , ohne Android und Google Suchmaschinen ?
    Wo stünden wir Heute, wenn es nur nach "Brüssel" ginge ?

    Ich jedenfalls bleibe ein Bewunderer dieser mutigen, intelligenten Art die Dinge anzugehen.